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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Ved Vejen
1886
– Werkseintrag –

Ved Vejen

1886 · Roman

Katinka, eine stille, feinfühlige junge Frau an einer kleinen Bahnstation, verliebt sich zum ersten Mal in ihrem Leben und bleibt doch an die strengen Regeln ihrer engen Welt gebunden.

Überblick↑

Bei Ved Vejen handelt es sich um einen kurzen Roman des dänischen Schriftstellers Herman Bang aus dem Jahr 1886. Der Titel bedeutet so viel wie „Am Wege“. Das Werk erschien in Kopenhagen bei Det Schubotheske Forlag, zunächst als Teil einer Sammlung von vier Erzählungen unter dem Titel Stille Eksistenser („Stille Existenzen“), die von zurückgezogenen und vereinsamten Frauen handelt. Als eigenständiges Buch kam es 1898 heraus. Der Roman gilt als impressionistisches Werk und erzählt die Geschichte Katinkas, einer empfindsamen jungen Frau, die mit einem lauten und etwas derben Bahnhofsvorsteher verheiratet ist. Heute zählt das Buch zu den bedeutenden Werken der dänischen Literatur und ist Teil des dänischen Kulturkanons.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht Katinka Bai, eine stille, feinfühlige junge Frau. Sie ist mit Bai verheiratet, dem Vorsteher einer kleinen Bahnstation, einem lauten und etwas groben Mann. Die Ehe bleibt kinderlos, und Katinka lebt zurückgezogen und einsam. Fast unbewusst sehnt sie sich leidenschaftlich nach etwas, das sie selbst nicht benennen kann. Dann kommt Huus in die Gegend, ein Nachbar, zu dem sich eine zarte, verheißungsvolle Beziehung anzubahnen beginnt. Zum ersten Mal in ihrem Leben verliebt sich Katinka. Doch in der kleinen ländlichen Gemeinde, in der beide leben, lastet das Gewicht strenger Sitten und Gewohnheiten auf ihnen. Der Roman schildert, wie zwei ganz gewöhnliche Menschen zwischen ihrem Gefühl und den Regeln ihrer Umgebung stehen.

Die Handlung im Detail↑

Der Roman kreist um Katinka Bai, eine stille und empfindsame junge Frau, die mit dem lauten, etwas derben Bahnhofsvorsteher Bai verheiratet ist. Die Ehe ist kinderlos, und Katinka bleibt in ihrem Alltag vereinsamt. Beinahe unbewusst sehnt sie sich mit ganzer Kraft nach etwas, das sich nicht in Worte fassen lässt.

Mit Huus, einem Nachbarn, beginnt sich eine hoffnungsvolle Beziehung zu entwickeln. Zum ersten Mal in ihrem Leben verliebt sich Katinka wirklich. Und doch kann sie ihre Leidenschaft nicht ausleben. In der engen dörflichen Gemeinschaft, in der sie leben, wagt weder sie noch Huus, die bekannten gesellschaftlichen Regeln zu brechen, so bedrückend die Lage auch sein mag. Als beide erkennen, dass ihre Zuneigung keinen weiteren Weg hat, beschließen sie, sich zu trennen. Huus verlässt das Land.

Nicht lange danach beginnt Katinkas Gesundheit allmählich zu verfallen. Sie entwickelt einen schweren Husten. Im darauffolgenden Herbst versammeln sich die Menschen zu ihrem Begräbnis.

Stil↑

Mit diesem Roman hat Bang seinen impressionistischen Erzählstil zu einer meisterhaften Form geführt. Ihm war bewusst, dass der Impressionismus zunächst eine Richtung in der Malerei war. In einem Brief aus Prag an Peter Nansen erklärte er, dass er dasselbe in der Literatur zu erreichen suche: Er strebe danach, jeden einzelnen Eindruck klar, genau und unverwechselbar zu machen, und denke dabei nie an das Ganze.

Bang erklärt nicht, er zeigt. Statt seine Figuren zu deuten, stellt er ein Bild hin und überlässt es dem Leser, die Eindrücke zu ordnen und zwischen den Zeilen zu lesen. Seine Gestalten offenbaren sich durch ihre Reaktionen oder durch eine kleine Wendung im Sprechen. Jean-Claude Polet weist darauf hin, dass Bang zwar Émile Zola, Alphonse Daudet und Guy de Maupassant viel verdanke, den Naturalismus aber in eine unerwartete Richtung lenke, nämlich zum Impressionismus hin. Als Vorbilder für diese Erzählweise nennt Polet den Norweger Jonas Lie und den Russen Iwan Turgenew. Als bekanntes Beispiel für Bangs Könnerschaft gilt die Anfangsszene des Romans, in der sich alle Figuren an der Bahnstation begegnen.

Der Skandinavist Niels Ingwersen hebt hervor, dass der Roman das ganz gewöhnliche Leben einer ländlichen Gemeinde einfühlsam, ironisch und traurig einfange und die unerfüllte Liebe zweier einfacher Menschen zeige. Er verweist auf die anschauliche Kraft dieses Stils, der den Leser den Figuren nahebringt. Besonders die Szene beim Fest im Pfarrhaus zeichne ein lebendiges Bild der versammelten Menschen, deren einzelne Stimmen sich zu einem vollständigen Ganzen fügen. Katinka Bai ist keine starke, selbstbewusste Heldin nach heutigem Verständnis, sondern eine scheue Frau. Dennoch fühlt der Leser ganz von selbst mit ihr und ihrer Lage.

Rezeption↑

Schon bei seinem Erscheinen in Dänemark im Jahr 1886 wurde das Werk gut aufgenommen. Die Kritiker der Tageszeitungen äußerten sich überwiegend begeistert. Bei einer Begegnung mit dem Maler Claude Monet soll dieser zu Bang gesagt haben, er sei der erste impressionistische Schriftsteller. Heute gilt der Roman als bedeutender Beitrag zur dänischen Literatur und ist im dänischen Kulturkanon verzeichnet. Im Jahr 1988 wurde der Stoff unter dem Titel Katinka verfilmt; Regie führte Max von Sydow.

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