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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Stolz und Vorurteil
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Stolz und Vorurteil
1813
– Werkseintrag –

Stolz und Vorurteil

1813 · Roman

Eine kluge junge Frau und ein stolzer reicher Mann müssen erst ihre eigenen Vorurteile überwinden, ehe sie einander wirklich sehen können.

Überblick↑

Der Roman Stolz und Vorurteil ist eines der bekanntesten Werke der britischen Schriftstellerin Jane Austen. Er erschien 1813 unter dem Originaltitel Pride and Prejudice. Das Buch ist zugleich eine Liebesgeschichte und ein genaues Bild der englischen Gesellschaft am Beginn des 19. Jahrhunderts. Bis heute zählt es zu den beliebtesten und meistgelesenen Romanen der englischsprachigen Literatur.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht die Familie Bennet mit ihren fünf Töchtern. Der junge und wohlhabende Charles Bingley zieht auf das Nachbargut. Sofort beginnt Mutter Bennet, von einer guten Heirat zu träumen. Bingley bringt seinen Freund mit, den noch reicheren und aristokratischen Mr. Darcy. Dessen Stolz stößt bei der Nachbarschaft auf Ablehnung.

Besonders Elizabeth, die zweitälteste Tochter, fühlt sich durch Darcys hochmütiges Auftreten verletzt. Fortan begegnet sie ihm mit Schlagfertigkeit und Spott. Ihre ältere Schwester Jane und Bingley kommen sich näher. Zwischen Elizabeth und Darcy verhärten sich zunächst die Fronten. Hinzu kommt der gewinnende Offizier Wickham, der Elizabeths Bild von Darcy zusätzlich prägt.

Was folgt, ist ein feines Spiel aus Missverständnissen, verletztem Stolz und vorschnellen Urteilen. Beide Hauptfiguren müssen lernen, hinter den ersten Eindruck zu blicken. Auch eigene Fehler müssen sie eingestehen. Der Roman verbindet diese persönliche Entwicklung mit einem genauen Blick auf Standesfragen und Heiratspolitik. Und er zeigt die enge gesellschaftliche Welt, in der die Bennet-Töchter ihren Weg finden müssen.

Die Handlung im Detail↑

Auf das Nachbaranwesen der Bennets zieht der junge, alleinstehende und vermögende Charles Bingley ein. Mutter Bennet macht sich sogleich Hoffnung, eine ihrer Töchter mit ihm zu verheiraten. Bingley bringt seinen Freund mit, den gutaussehenden, aristokratischen und sehr stolzen Mr. Darcy, der noch reicher ist als er. Vor allem Elizabeth, die mit zwanzig Jahren zweitälteste Tochter, findet Darcy wegen seines Stolzes bald unsympathisch. Auf einem Ball hört sie mit an, dass Darcy sie nicht schön genug findet, um sie zum Tanz aufzufordern. In ihrem Stolz verletzt, beginnt sie, ihn mit Ironie und Schlagfertigkeit an der Grenze des für eine junge Dame Erlaubten anzugreifen. Ihre Schwester Jane hat mehr Glück: Sie und Bingley verlieben sich ineinander.

Elizabeth schlägt den Heiratsantrag von Mr. Collins aus, dem Cousin ihres Vaters. Dessen Verehrung wendet sich rasch ihrer besten Freundin Charlotte zu, die den Antrag nüchtern annimmt: Charlotte ist fast 27 Jahre alt und hat nur ein kleines Erbe zu erwarten. Zugleich nähert sich Elizabeth dem Offizier Wickham an, der auf den ersten Blick sehr einnehmend wirkt. Von ihrem Vorurteil gegen Darcy geleitet, glaubt sie Wickhams Behauptung, Darcy sei für seine finanzielle Notlage verantwortlich. Darcy selbst aber fühlt sich zunehmend zu Elizabeth hingezogen – wegen ihrer Schönheit, ihrer Klugheit und ihrer für ihn ungewohnten Keckheit.

Als Bingley überraschend nach London zurückzieht, obwohl Jane seine Liebe still erwidert, ahnt Elizabeth eine Intrige seiner Schwester Caroline. Bei einem Besuch bei Charlotte erfährt sie, dass Darcy für die Trennung verantwortlich ist. Dort trifft sie auch Darcy, der ihr nun – sie fällt aus allen Wolken – einen Heiratsantrag macht. Er gesteht, dass er seine Liebe trotz ihrer geringeren Herkunft und trotz seiner als peinlich empfundenen Verbindung mit ihrer Familie nicht habe niederringen können. Tief in ihrem Stolz verletzt, weist Elizabeth ihn zornig zurück.

Ihre heftigen Vorwürfe bringen Darcy dazu, sich selbst neu zu sehen. In einem langen Brief erklärt er ihr die Hintergründe. Wickham habe seinen Anspruch auf eine Pfarrstelle gegen eine hohe einmalige Zahlung aufgegeben; seine Geldnot stamme aus unstetem Leben und Spielsucht. Außerdem habe Wickham versucht, Darcys erst fünfzehnjährige Schwester Georgiana, eine reiche Miterbin, zu einer heimlichen Flucht und Heirat zu überreden. Seine Schuld an der Trennung von Jane und Bingley gesteht Darcy weitgehend ein, schränkt aber ein: Er habe Jane für gleichgültig gehalten und seinen Freund nur vor einer unglücklichen Bindung bewahren wollen. Elizabeth ist beschämt und erkennt, wie sehr auch sie in Stolz und Vorurteil befangen war. Die Ablehnung des Antrags bereut sie dennoch nicht und will Darcy nicht wiedersehen.

Im folgenden Sommer reist Elizabeth mit Onkel und Tante nach Derbyshire, wo Darcys Landsitz Pemberley liegt. Bei der Besichtigung des Anwesens beeindrucken sie dessen Größe und Schönheit, und die Aussagen der Dienerschaft zeigen ihr eine andere Seite Darcys. Unerwartet trifft sie auf den Eigentümer selbst, der sich nun höflich, verbindlich und liebenswert verhält. Da erreicht Elizabeth die Nachricht, dass ihre jüngste Schwester Lydia mit Wickham durchgebrannt ist. Eine Verbindung ohne Heirat würde den Ruf der ganzen Familie zerstören und die Heiratschancen aller Schwestern mindern. Elizabeth reist sofort ab, um der Familie beizustehen.

Darcy, der sich vorwirft, Wickhams wahren Charakter nicht früher enthüllt zu haben, setzt sich heimlich für die Rettung des Familienrufs ein – vor allem, um Elizabeth zu schützen, die er weiter liebt. Er findet Lydia und Wickham in London, zahlt Wickhams Schulden und bewegt ihn durch eine weitere hohe Summe zur Heirat mit Lydia. Als Elizabeth davon erfährt, ist sie sich ihrer Zuneigung gewiss, fürchtet aber, dass Darcy ihre teils moralisch ungefestigte Familie nun erst recht ablehnt. Im Stillen aber wirkt Darcy auf Bingley ein, sich wieder Jane zuzuwenden. Bingley macht ihr bald darauf einen Heiratsantrag.

Während Darcy kurz in London weilt, erscheint überraschend seine Tante, die hochmütige und standesbewusste Lady Catherine de Bourgh, bei den Bennets. Sie hat von Gerüchten über eine mögliche Heirat ihres Neffen mit Elizabeth gehört und will diese um jeden Preis verhindern, da Darcy ihre eigene Tochter heiraten soll. Sie verlangt von Elizabeth das Versprechen, einen Antrag Darcys abzulehnen. Selbstbewusst weist Elizabeth diesen Anspruch zurück und beharrt auf ihrem Recht auf eigenes Glück. Empört berichtet Lady Catherine ihrem Neffen vom Widerstand der jungen Frau – und gibt ihm damit unbeabsichtigt neue Hoffnung. Darcy reist nach Longbourn, und in einem zugleich förmlichen und herzlichen Gespräch gestehen sich beide endlich ihre Liebe. Kurz darauf heiraten die Schwestern Jane und Elizabeth die Freunde Bingley und Darcy.

Stil↑

Geprägt ist der Roman von feiner Ironie und genauer gesellschaftlicher Beobachtung. Das Beobachten und Deuten menschlichen Verhaltens wird selbst zum Thema. Sowohl Elizabeth als auch Darcy halten sich für gute Menschenkenner. Beide müssen erkennen, wie sehr sie sich täuschen. Der Titel benennt die beiden Kräfte, um die das ganze Werk kreist: den Stolz und das voreilige Urteil. Er verteilt sie auf die Hauptfiguren, deren Schwächen einander auffällig ähneln.

Austen verbindet die Liebesgeschichte mit einer kritischen Studie der englischen Gesellschaft ihrer Zeit. Schlagfertige Dialoge treiben die Handlung voran und zeichnen zugleich die Figuren. Darin geht Elizabeth bis an die Grenze des Schicklichen. Heiratspolitik, Standesunterschiede und finanzielle Zwänge bilden den festen Rahmen. Vor ihm muss sich das persönliche Glück der Figuren behaupten.

Rezeption↑

Der Inhalt dieses Romans zählt heute zu den bekanntesten und beliebtesten Stoffen der englischsprachigen Literatur. Weltweit wurden bislang etwa 20 Millionen Exemplare verkauft. In einer Umfrage der BBC landete das Werk 2003 auf dem zweiten Platz hinter Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien. 2015 landete es auf Platz 11 der BBC-Liste „100 Greatest British Novels“.

Der Stoff wurde vielfach bearbeitet. 1959 entstand ein Broadway-Musical. Für das Kino verfilmten unter anderem Robert Z. Leonard (1940) und Joe Wright (2005) die Geschichte. Daneben gibt es zahlreiche Fernseh- und Miniserien. Auch neuere Werke greifen die Vorlage auf, etwa Bridget Jones's Diary. Die anhaltende Beliebtheit verdankt der Roman seiner glücklich ausgehenden Liebesgeschichte und der bis heute anziehenden Art ihrer Gestaltung.

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