1815
Emma
Überblick↑
Mit Emma legte Jane Austen 1815 einen Roman vor. Er zählt heute zur Weltliteratur und gilt als eines ihrer Meisterwerke. Im Mittelpunkt steht Emma Woodhouse, eine junge, kluge und privilegierte Frau im England des frühen 19. Jahrhunderts. Sie hält sich für eine begnadete Ehestifterin und richtet durch ihre falschen Einschätzungen ihrer Mitmenschen viel Unheil an. Über ihre Hauptfigur soll Austen gesagt haben: „Ich werde eine Heldin schaffen, die keiner außer mir besonders mögen wird.“ Der Roman erzählt einen Reifungsprozess: Eine selbstgewisse junge Frau lernt, andere und sich selbst genauer zu sehen.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Schauplatz ist das kleine Dorf Highbury, etwa sechzehn Meilen südwestlich von London. Hier lebt die einundzwanzigjährige Emma Woodhouse mit ihrem Vater auf dem Landsitz Hartfield. Die Woodhouses gehören zu den ersten Familien des Ortes. Emma führt ein behütetes Leben in einem überschaubaren Kreis. Zu ihm zählen der Landadel, der Vikar, eine Pächterfamilie, eine neureiche Familie und die verarmten Damen der Familie Bates.
Emmas geliebte Erzieherin Miss Taylor heiratet den Witwer Mr. Weston. Emma ist überzeugt, sie habe diese Verbindung selbst eingefädelt und besitze ein besonderes Talent zum Ehestiften. Aus Langeweile sucht sie sich ein neues Projekt. Die junge Harriet Smith, ein Mädchen aus bescheideneren Verhältnissen, soll ihre Freundin werden. Und der Dorfpfarrer Mr. Elton soll Harriets künftiger Ehemann werden. Emmas Nachbar Mr. Knightley ist ein besonnener Mann und der Schwager ihrer älteren Schwester. Er warnt sie eindringlich vor solchen Einmischungen. Doch Emma hört nicht auf ihn.
Bald kommen neue Gesichter ins Dorf. Da ist die hübsche, begabte Jane Fairfax, auf die Emma ein wenig eifersüchtig ist. Und da ist der charmante Frank Churchill, Sohn des Mr. Weston, der Emma unverhohlen den Hof macht. Aus Verwicklungen, Missverständnissen und falschen Annahmen entsteht ein dichtes Geflecht. Darin muss Emma allmählich erkennen, wie wenig sie die Menschen um sich herum wirklich versteht – und ihr eigenes Herz.
Die Handlung im Detail↑
Der Roman spielt ausschließlich im Dorf Highbury, ungefähr sechzehn Meilen südwestlich von London, und erstreckt sich über etwas mehr als ein Jahr. Die Hauptfiguren stammen aus drei Familien des örtlichen Landadels, die auf den Gütern Donwell Abbey, Hartfield und Randalls leben. Hinzu kommen der Vikar des Ortes, die Pächterfamilie Martin, die neureiche Familie Cole, die Pensionatsleiterin Mrs. Goddard mit ihrem Zögling Harriet Smith und die Damen der verarmten Familie Bates. Alle sind durch gesellschaftliche Kontakte miteinander verbunden.
Emma Woodhouse, einundzwanzig Jahre alt, hübsch und wohlhabend, lebt mit ihrem Vater auf Hartfield. Das Buch beginnt unmittelbar nach der Hochzeit ihrer Erzieherin Miss Taylor mit Mr. Weston, einem Witwer und gut situierten Kaufmann, der kurz zuvor das Gut Randalls gekauft hat. Weil Emma überzeugt ist, sie habe diese Ehe selbst eingefädelt, sinnt sie auf ein neues Arrangement. Sie wählt sich Harriet Smith, ein Mädchen aus bescheideneren Verhältnissen, als Freundin und als künftige Braut des Dorfpfarrers Mr. Elton. Mr. Knightley, ihr Nachbar und Schwager ihrer Schwester Isabella, rät dringend ab.
Als Harriet einen Heiratsantrag von Mr. Knightleys Pächter Robert Martin erhält, lehnt sie ihn auf Emmas Rat ab, obwohl sie Martin im Stillen sehr bewundert. Emma hat ihr den Vikar so schmackhaft gemacht, dass ein einfacher Bauer in ihren Augen nicht mehr in Frage kommt. Dass Mr. Elton in Wahrheit Emma selbst den Hof macht, entgeht ihr völlig. Bei einer Weihnachtsfeier bei den Westons liegt Harriet mit einer schweren Halsentzündung im Bett. Auf der Heimfahrt sitzt Mr. Elton allein mit Emma in der Kutsche und macht ihr einen Heiratsantrag. Emma ist schockiert und weist ihn zurück. Erst jetzt erkennt sie, dass Eltons Artigkeiten nie Harriet, sondern stets ihr selbst galten. Sie schwört sich, das Ehestiften aufzugeben, und muss Harriet die bittere Wahrheit erklären. Mr. Elton reist nach Bath ab und kehrt bald darauf verheiratet zurück. Seine Frau ist eine eingebildete, aufdringliche junge Dame mit Vermögen, die sich gerne selbst lobt.
Kurz darauf treffen zwei neue Gäste in Highbury ein. Jane Fairfax, die Nichte von Miss Bates, ist begabt, hübsch und beliebt – und Emma ist ein wenig eifersüchtig auf sie. Jane, nach dem Tod ihrer Eltern bei Oberst Campbell aufgewachsen, wird bald als Gouvernante arbeiten müssen, möchte aber zuvor einige Monate bei Großmutter und Tante verbringen. Außerdem kommt Frank Churchill, der Sohn von Mr. Weston, der nach dem frühen Tod seiner Mutter von einem kinderlosen Onkel adoptiert wurde. Mr. und Mrs. Weston haben Frank im Stillen als künftigen Ehemann für Emma auserwählt. Frank macht Emma unverhohlen den Hof, sie fühlt sich geschmeichelt und genießt den Flirt, ohne wirklich verliebt zu sein.
Auf einem Ball weigert sich Mr. Elton, mit Harriet zu tanzen, und brüskiert sie vor allen Gästen. Mr. Knightley fordert Harriet daraufhin selbst zum Tanz auf – eine Geste, für die Emma ihm sehr dankbar ist. Am Tag darauf wird Harriet bei einem Spaziergang von bettelnden Kindern bedrängt, und Frank Churchill kommt ihr zu Hilfe. Wenig später gesteht Harriet Emma ihre Zuneigung zu einem Mann. Emma glaubt zu wissen, dass es Frank Churchill ist, der Harriet ja gerade „das Leben gerettet“ hat, und bestärkt sie, ohne nach dem Namen zu fragen.
Mrs. Weston vermutet, Mr. Knightley habe Gefallen an Jane Fairfax gefunden. Emma kann es nicht glauben und ärgert Knightley mit einer entsprechenden Bemerkung. Knightley wiederum will eine heimliche Verbindung zwischen Jane und Frank Churchill beobachtet haben, was Emma lachend zurückweist: Sie wisse aus sicherer Quelle, dass Frank nicht in Jane verliebt sei. Bei einem Ausflug nach Box Hill, der als Vergnügung geplant ist, will keine rechte Stimmung aufkommen. Frank macht demonstrativ Emma den Hof, und Emma verhält sich herzlos gegenüber der naiven Miss Bates – wofür Mr. Knightley sie tief verletzt rügt. Jane kann sich schließlich den aufdringlichen Vermittlungsbemühungen von Mrs. Elton, die ihr eine Gouvernantenstelle „aus den besten Kreisen“ andienen will, nicht länger entziehen.
Kurz darauf wird bekannt, dass Frank Churchill schon seit Monaten heimlich mit Jane Fairfax verlobt ist. Als Emma das Harriet erklären will, muss sie mit Schrecken feststellen, dass Harriet gar nicht in Frank, sondern in Mr. Knightley verliebt ist – und überzeugt, ihre Gefühle würden erwidert. In diesem Augenblick erkennt Emma, für wen ihr eigenes Herz schlägt. Sie, die nie heiraten wollte, gerät in größte Not.
Mr. Knightley ist abgereist, um seinen Bruder in London zu besuchen. Dort erfährt er aus einem Brief von Mr. Weston von der heimlichen Verlobung Frank Churchills mit Jane Fairfax. In der Annahme, Emma sei in Frank verliebt gewesen, eilt er zurück, um sie zu trösten. Dabei erfährt er, dass Emma Frank längst durchschaut und nie geliebt hat. Mr. Knightley macht ihr einen Heiratsantrag, den sie annimmt. Auch Harriet wird heiraten: Robert Martin bittet sie ein zweites Mal um ihre Hand, und diesmal sagt sie mit Freuden ja. Nach dem plötzlichen Tod von Mrs. Churchill steht auch der Heirat von Frank und Jane nichts mehr im Weg. Am Ende gibt es drei Hochzeiten. Emma und Mr. Knightley beschließen, zunächst auf Hartfield zu wohnen, damit Emmas Vater nicht allein zurückbleibt.
Stil↑
Austen erzählt in einer ruhigen, durchgehend ironischen Prosa. Diese bezieht ihre Wirkung aus genauer Beobachtung und feinem Witz. Der Schauplatz bleibt von Anfang bis Ende dasselbe kleine Dorf, der Zeitraum überschaubar. Auf engstem Raum entsteht ein dichtes Geflecht aus Gesprächen, Besuchen, Bällen und Ausflügen. Darin werden die feinen Abstufungen des englischen Landadels mit großer Genauigkeit ausgemessen. Vieles, was zwischen den Figuren wirklich vorgeht, steht nicht offen im Text. Es schimmert hinter höflichen Konversationen hindurch. Der Leser sieht oft mehr als Emma selbst und ist eingeladen, ihre Fehlwahrnehmungen schmunzelnd zu durchschauen.
Rezeption↑
Der Roman Emma wird heute zur Weltliteratur gezählt und gilt als eines der Meisterwerke Jane Austens. Die Wirkungsgeschichte des Romans reicht bis weit in die Gegenwart. Er wurde mehrfach verfilmt, darunter in den Versionen von 1948, 1996 und 2020. Auch für Fernsehen und Miniserien wurde er adaptiert. Mit Clueless – Was sonst! verlegte Amy Heckerling den Stoff 1995 an eine kalifornische High School und machte daraus einen Kultfilm. Dazu gehören auch eine indische Adaption (Aisha, 2010) und ein musikalisches Bühnenwerk. Die fortwährenden Neuverfilmungen zeigen, wie tragfähig die Figurenkonstellation und der gesellschaftliche Witz des Romans über zwei Jahrhunderte hinweg geblieben sind.
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