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Porträt Heinrich Heine
Heinrich Heine
1797 – 1856
– Autorenporträt –

Heinrich Heine

1797 – 1856 · 58 Jahre

Letzter Romantiker und ihr Überwinder – er machte die Alltagssprache lyrikfähig und schrieb aus dem Pariser Exil gegen die Zustände in Deutschland an.

Kurzporträt

Heinrich Heine (1797–1856) zählt zu den bedeutendsten deutschen Dichtern, Schriftstellern und Journalisten des 19. Jahrhunderts. Er gilt als einer der letzten Vertreter und zugleich als Überwinder der Romantik. Er machte die Alltagssprache lyrikfähig. Er erhob das Feuilleton und den Reisebericht zur Kunstform. Und er verlieh der deutschen Literatur eine zuvor nicht gekannte, elegante Leichtigkeit. Als kritischer, politisch engagierter Journalist, Satiriker und Polemiker war er ebenso bewundert wie gefürchtet. Im Deutschen Bund wurde er mit Publikationsverboten belegt. Seine zweite Lebenshälfte verbrachte er deshalb im Pariser Exil. Antisemiten und Nationalisten feindeten ihn wegen seiner jüdischen Herkunft und seiner politischen Haltung über den Tod hinaus an. Die Außenseiterrolle prägte sein Leben, sein Werk und dessen Nachwirkung.


Biografie

Geboren wurde Heine am 13. Dezember 1797 als Harry Heine in Düsseldorf, das damals zum Herzogtum Berg gehörte. Er wuchs, wie die Deutsche Biographie schreibt, in einer kleinen Residenzstadt auf. Den Juden war dort eine gewisse Gleichberechtigung mit den Christen zugebilligt. Die französische Herrschaft im Rheinland zwischen 1795 und 1815 hob eine Reihe von Behinderungen für die jüdische Bevölkerung auf. Sie brachte einen neuen, freiheitlicheren Geist in die Stadt, der bis in die Schulstuben reichte. In dieser Zeit, so die NDB, wurde Heines Hinneigung zum französischen Geist und besonders zur Gestalt Napoleons grundgelegt.

Nach der Schulzeit begann er 1815 eine kaufmännische Lehre, zunächst in Frankfurt, dann in Hamburg unter Aufsicht seines wohlhabenden Onkels Salomon. Da er weder Fähigkeit noch Neigung zum Kaufmann besaß, endete dieser Lebensabschnitt 1819 mit dem Konkurs seines Manufakturwarengeschäfts „Harry Heine & Co.". Noch im selben Jahr begann er mit Unterstützung des Onkels ein juristisches Studium in Bonn, das er in Göttingen und Berlin fortsetzte. Neben den juristischen Vorlesungen hörte er eifrig philosophische und historische Kollegs. 1825 schloss er das Studium mit der Doktorwürde der juristischen Fakultät Göttingen ab. Kurz vor der Promotion trat er in Heiligenstadt im Eichsfeld zur evangelischen Kirche über. Diesen Schritt vollzog er dem Vorbild vieler bedeutender Juden seiner Zeit folgend. Er wollte sich aus der geistigen und sozialen Isolierung lösen und am kulturellen und öffentlichen Leben teilnehmen. Er selbst nannte die Konversion das „Entreebillett zur europäischen Kultur".

Zwischen 1825 und 1831 versuchte Heine wiederholt, einen bürgerlichen Beruf zu ergreifen – als Advokat oder Syndikus in Hamburg, als Professor in München oder Berlin. Alle Versuche scheiterten. Die Deutsche Biographie sieht die Ursache weniger in seiner jüdischen Abstammung. Sie sieht sie eher in einer Abneigung gegen seine extrem liberale und für die Zeit politisch verdächtige Gesinnung.

Sein dichterisches Werk hatte bereits in der Hamburger Lehrzeit begonnen, ausgelöst durch die unglückliche Neigung zu seiner Cousine Amalie. Die ersten bedeutenden Arbeiten entstanden in der Bonner Studentenzeit 1819/20, darunter Belsazar und die Tragödie Almansor. In Bonn fand er die fördernde Hilfe seines Universitätslehrers August Wilhelm Schlegel. Der eigentliche Durchbruch erfolgte in Berlin. Dort fand er in den Salons von Rahel Varnhagen, Friederike Robert und Elise von Hohenhausen Anregung, wohlwollende Kritik und Anerkennung. 1821 erschien sein erstes selbständiges Werk, die Gedichte, später überarbeitet in das Buch der Lieder aufgenommen. 1823 folgten die Tragödien nebst einem lyrischen Intermezzo. Das gute Echo öffnete ihm die Spalten bekannter Zeitschriften. Dort veröffentlichte er regelmäßig Gedichte, Rezensionen und Prosaartikel, darunter die Briefe aus Berlin und Über Polen. Schon hier machte er erste Erfahrungen mit den Schikanen staatlicher Behörden.

1826 erschien bei Julius Campe der erste Band der Reisebilder. Campe betreute Heines Werk von da an durch alle Zensurhindernisse hindurch treu. Mit diesem Band und dem 1827 folgenden Buch der Lieder wurde Heine in der breiten Öffentlichkeit bekannt und als einer der bedeutendsten Dichter der jungen Generation gefeiert. Das Buch der Lieder erlebte zu seinen Lebzeiten dreizehn Auflagen. Die vier Reisebilder-Bände (1826–1831) versammelten Berichte von Reisen im Harz (1824), nach England (1827) und Oberitalien (1828) sowie von einem Sommeraufenthalt an der Nordsee. In den zweiten Band stellte er Ideen. Das Buch Le Grand. Darin erzählt er in lockerem Plauderton von einem romantischen Liebeserlebnis, von Jugenderinnerungen und seiner Napoleonschwärmerei, personifiziert in der Figur des französischen Kriegsveteranen, des Trommlers Le Grand. 1828 war Heine einige Monate für den Verleger Cotta als Herausgeber der „Politischen Annalen" in München tätig. Diese Arbeit gab er aber wegen einer Italienreise auf, die ihn nach Lucca, Florenz und Venedig führte. Der Tod des Vaters rief ihn im Dezember 1828 aus Venedig nach Deutschland zurück. 1829/30 vollendete er die letzten beiden Bände der Reisebilder.

Bald nach der Pariser Julirevolution scheiterten auch seine letzten Hamburger Berufsversuche. Heine ging daraufhin im Mai 1831 nach Paris, wo er bis zu seinem Tod am 17. Februar 1856 blieb.


Literarische Merkmale

Heine machte die Alltagssprache lyrikfähig. Er gab der deutschen Literatur eine zuvor nicht gekannte, elegante Leichtigkeit. Er gilt zugleich als einer der letzten Vertreter und als Überwinder der Romantik. Er bediente sich romantischer Töne, brach sie aber durch Ironie und nüchterne Beobachtung.

Charakteristisch ist der leicht mokante Plauderton, den die Deutsche Biographie an der Harzreise beschreibt. Bedeutendes und Banales, Gefühlvolles und ironisch Witziges werden scheinbar beziehungslos nebeneinandergestellt. Viele seiner Gedichte enden mit einer ironisch desillusionierenden Wendung, die das romantische Gefühl im letzten Augenblick umschlagen lässt. Diese Mischung erregte den Widerspruch konservativer Rezensenten. Zugleich wurde sie zu seinem Markenzeichen.

Mit den Reisebildern erhob Heine den Reisebericht zur Kunstform, ebenso das Feuilleton. Der lockere Erlebnisbericht erlaubte es ihm, Novellistisches und Anekdotisches mit kürzeren und längeren Beobachtungen aus dem Alltagsleben der bereisten Gegend zu mischen. Sogar pamphletartige Abschweifungen – wie die gegen Platen – fanden in dieser damals in der deutschen Literatur noch wenig bekannten Form ihren Platz. Als kritischer, politisch engagierter Journalist, Essayist, Satiriker und Polemiker schrieb er ebenso scharf wie unterhaltsam. Darum war er gleichermaßen bewundert wie gefürchtet.


Rezeption

Bereits zu Lebzeiten erlebte Heine eine widersprüchliche Aufnahme. Mit dem ersten Band der Reisebilder (1826) und dem Buch der Lieder (1827) wurde er in der breiten Öffentlichkeit bekannt und als einer der bedeutendsten Dichter der jungen Generation gefeiert. Das Buch der Lieder erreichte zu seinen Lebzeiten dreizehn Auflagen. Doch schon bald meldeten sich die Gegenstimmen. Der Plauderton der Harzreise und die ironisch desillusionierenden Schlüsse mancher Gedichte erregten den Widerspruch besonders konservativer Rezensenten. Mit jedem neuen Band wurde die Kritik schärfer, ebenso mit den deutlicher werdenden Angriffen seiner theoretischen Schriften auf die bestehenden Ordnungen in Staat und Gesellschaft. Im Deutschen Bund wurde er mit Publikationsverboten belegt. Das war ein wesentlicher Grund, warum er seine zweite Lebenshälfte im Pariser Exil verbrachte.

Antisemiten und Nationalisten feindeten Heine wegen seiner jüdischen Herkunft und seiner politischen Haltung über den Tod hinaus an. Die Außenseiterrolle prägte nicht nur sein Leben und sein Werk, sondern auch dessen Rezeptionsgeschichte.

Seine Nachwirkung ist dennoch außerordentlich. Die Werke kaum eines anderen deutschsprachigen Dichters wurden so häufig übersetzt und vertont. Sein Einfluss zeigt sich auch in der Spannweite der Zeitgenossen und Nachgeborenen, mit denen ihn die Deutsche Biographie in Verbindung bringt: von Hegel, Karl Marx, Ludwig Börne und Ferdinand Lassalle bis zu Brahms, Schumann, Schubert und Liszt, die seine Lyrik vertonten, und bis zu Thomas Mann, Friedrich Nietzsche und Kurt Tucholsky, die sich auf ihn bezogen.

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