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Autoreneintrag · Friedrich Dürrenmatt
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Porträt Friedrich Dürrenmatt
Friedrich Dürrenmatt
1921 – 1990
– Autorenporträt –

Friedrich Dürrenmatt

1921 – 1990 · 69 Jahre

Schweizer Dramatiker und Erzähler, der mit "Der Besuch der alten Dame" und "Die Physiker" Weltruhm erlangte und den Kriminalroman zur Frage nach Gerechtigkeit umformte.

Kurzporträt

Friedrich Dürrenmatt (1921–1990) zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Dramatikern des 20. Jahrhunderts. Der Schweizer Pfarrerssohn wurde mit den Theaterstücken Der Besuch der alten Dame und Die Physiker berühmt. Bekannt machten ihn auch die Kriminalromane um Kommissär Bärlach, Der Richter und sein Henker und Der Verdacht. Sein Werk verbindet Spannung, Humor und philosophische Reflexion. Seit Jahrzehnten prägt es Theater, Literatur und Film. Weniger bekannt blieb lange sein umfangreiches bildnerisches Werk. Heute ist es im Centre Dürrenmatt Neuchâtel dauerhaft zugänglich. Auf seine Initiative geht zudem die Gründung des Schweizerischen Literaturarchivs zurück. Er machte sie zur Bedingung, um der Schweiz seinen Nachlass zu überlassen.


Biografie

Friedrich Reinhold Dürrenmatt wurde am 5. Januar 1921 in Stalden im Emmental geboren. Der Ort ging 1933 in Konolfingen auf. Er war der Sohn eines reformierten Pfarrers. Ab 1928 besuchte er die Primarschule in Stalden, von 1932 an die Sekundarschule in Grosshöchstetten. 1935 übersiedelte die Familie nach Bern. Dort besuchte er zunächst das Freie Gymnasium und ab 1939 das Humboldtianum. 1941 legte er dort die Matura ab. Schon als Kind zeichnete er und nahm 1933 am Malwettbewerb des Pestalozzi-Kalenders teil. Für sein Bild Die Schweizerschlacht erhielt er 1934 den Hauptpreis. Neben Schweizer Heldengeschichten illustrierte er Bibelszenen und Sagenstoffe.

Ursprünglich wollte Dürrenmatt Kunstmaler werden. Nach der Matura schrieb er sich aber an der Universität Bern für deutsche Literatur und Kunstgeschichte ein. 1942/43 setzte er das Studium in Zürich fort. 1943 kehrte er nach Bern zurück und wandte sich der Philosophie, Psychologie und Nationalökonomie zu. Besonders prägten ihn die Veranstaltungen des Philosophen Richard Herbertz. Schwerpunktmäßig beschäftigte er sich mit Platon, Immanuel Kant und Søren Kierkegaard. Eine geplante Dissertation über „Kierkegaard und das Tragische" blieb unvollendet. Das Studium wurde durch die Rekrutenschule unterbrochen, aus der er aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig entlassen wurde. 1942 und 1944/45 leistete er militärischen Hilfsdienst in der Schweizer Armee.

1946 verließ Dürrenmatt die Universität ohne Abschluss. Er hatte sich entschlossen, Schriftsteller zu werden. Er übersiedelte nach Basel, lebte ab 1948 in Schernelz und ab 1949 in Ligerz. 1952 ließ er sich in Neuchâtel nieder, wo er bis zu seinem Tod blieb. Noch 1946 entstand sein erstes Theaterstück Es steht geschrieben. Es wurde am 19. April 1947 im Schauspielhaus Zürich uraufgeführt. Das Stück provozierte einen Skandal, weil sein Inhalt als blasphemisch empfunden wurde und seine Bilder grotesk-drastisch waren. Es brachte ihm aber auch den Welti-Preis und die Bekanntschaft mit anderen Schriftstellern ein, unter ihnen Max Frisch. Beide galten fortan als Dioskuren der Schweizer Literatur.

Nach diesem Erstling verdiente Dürrenmatt seinen Lebensunterhalt mit Theaterkritiken, Hörspielen und Kriminalromanen. In den ersten zehn Berufsjahren blieb er aber auf öffentliche und private Geldgeber angewiesen, darunter die Basler Mäzenin und Musikerin Antoinette Vischer. Den literarischen Durchbruch in der Schweiz erzielte er 1949 mit der Komödie Romulus der Große. 1952 gelang ihm dieser mit Die Ehe des Herrn Mississippi auch in der Bundesrepublik. Mit der Tragikomödie Der Besuch der alten Dame (1956) und der Komödie Die Physiker (1962) erlangte er internationale Berühmtheit und finanzielle Unabhängigkeit. Daneben adaptierte er seine Dramen meist auch für den Rundfunk, vor allem für bundesdeutsche Sender. Diese sicherten ihm in den 1950er Jahren ein verlässliches Einkommen.

Ende der 1950er Jahre entdeckte Dürrenmatt den Film für sich. Für die Zürcher Präsens-Film schrieb er das Drehbuch zu Es geschah am hellichten Tag. Der Film kam 1958 mit Heinz Rühmann und Gert Froebe in den Hauptrollen in die Kinos. Da der Film anders endete als von ihm vorgeschlagen, verarbeitete er den Stoff zum Kriminalroman Das Versprechen (1958). 1966 feierte er mit der Komödie Der Meteor einen letzten großen Bühnenerfolg. 1968 leitete er kurzzeitig gemeinsam mit Werner Düggelin in einer Co-Direktion die Basler Theater. Von 1969 bis 1971 war er Mitherausgeber der politischen Wochenschrift „Sonntags-Journal". Privat war er mit Lotti Geißler und in zweiter Ehe mit der Journalistin und Schauspielerin Charlotte Kerr verbunden. Friedrich Dürrenmatt starb am 14. Dezember 1990 in Neuchâtel.


Literarische Merkmale

Dürrenmatts Theater bricht mit den klassischen Genrekonventionen. Statt der Tragödie setzte er auf die Komödie, in die er das Motiv der tragischen Schuld einfließen ließ. Damit grenzte er sich ausdrücklich vom epischen Theater Bertolt Brechts ab. Dessen Bekenntnis zum Marxismus stand er skeptisch gegenüber, da er darin eine ideologische Ersatzreligion sah. Grundlegend für sein Schreiben ist ein apokalyptisches Denken. Er beschrieb es mit dem Begriff der „schlimmstmöglichen Wendung". Es geht um das Handeln des Einzelnen in einer Welt, die in ihrer Komplexität unüberschaubar geworden ist. Immer wieder verknüpfte er moralische Fragen mit der Käuflichkeit des Menschen im Allgemeinen und der Justiz im Besonderen.

Auch in der Prosa löste er sich von festen Mustern. Die Prosakomödie Grieche sucht Griechin (1955) spielt humorvoll mit den Klischees der Trivialliteratur. Der Richter und sein Henker bricht mit den Prämissen des Kriminalromans. Im Mittelpunkt steht weniger die ordnungsgemäße Überführung des Täters als die Frage nach Gerechtigkeit. Dieses Thema griff er auch in Der Verdacht und in Das Versprechen auf. Viele seiner Texte arbeitete Dürrenmatt mehrfach um und legte sie in unterschiedlichen Fassungen vor. So entstand 1956 aus der Erzählung Die Panne eine Hörspielfassung und 1979 eine Komödie.

Der Pfarrerssohn setzte sich zeitlebens kritisch mit der Institution Kirche und dem Absolutheitsanspruch der Religion auseinander. Angelehnt an Sokrates stellte er dem Glauben den Zweifel am eigenen Wissen gegenüber. Wichtige Gesprächspartner waren in den Anfangsjahren der protestantische Theologe Karl Barth, der Literaturhistoriker Walter Muschg sowie der Regisseur und Schauspieler Kurt Horwitz.

Im Spätwerk wandte sich Dürrenmatt einer philosophisch grundierten, autofiktionalen Prosa zu. Laut der Deutschen Biographie zeichnen sich die Texte ab Mitte der 1980er Jahre durch poetologische Reflexionen aus. Dazu zählen das Prosagedicht Minotaurus (1985), die Romane Justiz (1985) und Durcheinandertal (1989), die Novelle Der Auftrag (1986) sowie das großangelegte Stoffe-Projekt. Diese Reflexionen münden in eine spielerische Dekonstruktion gängiger Genres. Zugleich sind die Texte von einem hochgradig voraussetzungsreichen kulturgeschichtlichen und intertextuellen Verweisspiel durchzogen. Auch sein bildnerisches Werk ist vom Expressionismus geprägt. Es ist nicht als Illustration zu verstehen, sondern als eigenständige Auseinandersetzung mit Motiven wie Kreuzigung, Labyrinth und Apokalypse. Bild und Wort waren für ihn gleichermaßen Mittel, sich mit der Welt auseinanderzusetzen.


Rezeption

Schon der Erstling Es steht geschrieben verschaffte Dürrenmatt 1947 den Welti-Preis und einen Skandal zugleich. Den Durchbruch brachten 1949 Romulus der Große und 1952 Die Ehe des Herrn Mississippi. Den endgültigen Weltruhm brachte 1956 Der Besuch der alten Dame. Die Deutsche Biographie beschreibt das Stück unter Berufung auf Heinz Ludwig Arnold (1982) als Stück über die „Korruption der Menschen und der Schuld eines einzelnen". 1962 folgte Die Physiker, eine Komödie, die die zeitgenössische Furcht vor einem Atomkrieg aufgreift und nach der Verantwortung der Wissenschaft fragt. Beide Stücke zählen zu den meistgespielten auf deutschsprachigen Bühnen und wurden in viele Sprachen übersetzt. Seit den 1970er Jahren etablierten sie sich in Österreich, Deutschland und der Schweiz im Kanon der Schullektüre.

Seit Ende der 1960er Jahre stießen seine Stücke laut der Deutschen Biographie auf immer weniger Resonanz. An den Bühnen vollzog sich ein Generationenwechsel. Schauspieler und Regisseure, mit denen Dürrenmatt zwei Jahrzehnte lang zusammengearbeitet hatte, starben oder kehrten nach Deutschland zurück – einst als Exilanten in die Schweiz geflüchtet. Einen letzten großen Theatererfolg feierte er 1966 mit Der Meteor. Im linksintellektuellen Mainstream der 1970er Jahre geriet er ins Abseits. Er ließ sich, wie er selbst sagte, weder rechts noch links einordnen, sondern stand quer. Seine letzten Lebensjahre waren entsprechend von zunehmender Vereinsamung geprägt.

Sein bildnerisches Werk wurde dem Publikum erst spät zugänglich. 1976 zeigte der Hotelier und Galerist Hans Liechti erstmals Bilder Dürrenmatts. 1978 folgte eine Ausstellung in der Galerie von Daniel Keel in Zürich, 1985 eine im Musée d'Art et d'Histoire in Neuchâtel. 1994 organisierten das Schweizerische Literaturarchiv und das Kunsthaus Zürich eine Retrospektive, die parallel in Bern und Zürich gezeigt wurde. Dauerhaft zugänglich gemacht wurde das bildnerische Werk im Jahr 2000 mit der Eröffnung des Centre Dürrenmatt in seinem ehemaligen Wohnhaus in Neuchâtel. Das Centre präsentiert Bild und Schrift gemeinsam. Seinen Nachlass übergab Dürrenmatt der Schweiz nur unter der Bedingung, dass ein Schweizerisches Literaturarchiv gegründet werde. Aus dieser Forderung ging die heutige Institution in Bern hervor.

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