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Porträt Gabriele D’Annunzio
Gabriele D’Annunzio
1863 – 1938
– Autorenporträt –

Gabriele D’Annunzio

1863 – 1938 · 74 Jahre

Italienischer Dichter des Fin de Siècle, der die Sinneslust in prunkvolle Sprache fasste und als ultranationalistischer Wortführer zum Ideengeber des Faschismus wurde.

Kurzporträt

Gabriele D’Annunzio (1863–1938) war ein italienischer Schriftsteller des sinnlichen Ichkults und Dichter des Fin de Siècle. Als spätromantischer Vertreter des Symbolismus schrieb er Gedichte, Romane und Dramen in einer überladenen, prunkvollen Sprache. Bekannt wurde er ebenso durch sein politisches Auftreten. Er trieb 1915 den Kriegseintritt Italiens voran und führte 1919/20 die kurzlebige Italienische Regentschaft am Quarnero im heutigen Rijeka an. Er gilt als ein Ideengeber des italienischen Faschismus und Mentor Benito Mussolinis. Bekennendes Mitglied der Faschistischen Partei war er aber nie. Nach ihm ist die Universität Chieti-Pescara benannt.


Biografie

Geboren wurde Gabriele D’Annunzio am 12. März 1863 in Pescara. Sein Vater war ein reicher Landbesitzer und Bürgermeister. Der Vater hatte ursprünglich Francesco Rapagnetta – „kleine Rübe“ – geheißen. Im Alter von dreizehn Jahren wurde er von seinem Onkel Antonio D’Annunzio adoptiert und nahm nach damaligem Recht dessen Namen an. In der Geburtsurkunde stand Gabriele mit den Nachnamen Rapagnetta-d’Annunzio. Das vom Vater willkürlich klein geschriebene „d“ täuschte einen nicht vorhandenen Adelstitel vor. Zeit seines Lebens unterzeichnete er stets mit „Gabriele d’Annunzio“.

D’Annunzio studierte in Florenz und an der Universität La Sapienza in Rom. Schon als sechzehnjähriger Gymnasiast debütierte er als Lyriker mit Primo vere, das er auf eigene Kosten drucken ließ. Es lehnt sich stark an die Dichtung Giosuè Carduccis an. 1881 ließ er sich in Rom nieder. Dort arbeitete er bis 1889 als Journalist für die Zeitung Tribuna und fand rasch Zugang zur aristokratischen Gesellschaft. Mit dem Gedichtband Canto novo gelangte er zu erster Bekanntheit. Die Gedichte preisen die Freuden des Lebens und suchen eine neue, elitäre Sprachgebung. 1883 heiratete er die Gräfin Maria Hardouin di Gallese.

In den 1890er Jahren wandte er sich dem Roman zu. Trionfo della morte (Triumph des Todes, 1894) beschreibt das Leben in den Abruzzen. Auch die von ihm erfundene karthagische Sagengestalt Maciste wurde bekannt. Nach 1898 galt seine Begeisterung dem Theater. Großen Einfluss auf sein Werk hatte die Liebesbeziehung zur Schauspielerin Eleonora Duse, die von 1894 bis 1904 andauerte. An ihrer Seite entwarf er Pläne für ein italienisches Nationaltheater. Er widmete ihr mehrere Stücke, darunter die Tragödien La Gioconda (1898) und Francesca da Rimini (1901). Letztere handelt von der unglücklichen Liebesgeschichte, die bereits in Dantes Göttlicher Komödie erwähnt wird. Der Roman Il fuoco (Das Feuer, 1900) ließ die italienische Leserschaft enge Parallelen zur Beziehung mit der Duse erkennen. Die Tragödie La figlia di Jorio (1904) gilt allgemein als sein poetischstes und leidenschaftlichstes Drama. Sie spielt mit Elementen des bäuerlichen Lebens in den Abruzzen.

1901 lernte er Karl Gustav Vollmoeller kennen. Dieser übertrug Francesca da Rimini 1902 für den S. Fischer Verlag ins Deutsche und übersetzte 1910 auch den Roman Forse che sì, forse che no (Vielleicht schon, vielleicht auch nicht). Beide verband neben der Dichtung die Liebe zur Fliegerei. Wegen hoher Schulden, bedingt durch seinen luxuriösen Lebensstil, floh D’Annunzio 1910 ins „freiwillige Exil“ nach Frankreich. Dort schrieb er mehrere Werke auf Französisch. Eines der bekanntesten davon ist Le Martyre de Saint Sébastien (Das Martyrium des heiligen Sebastian, 1911), ein lyrisch-dramatischer Text, den Claude Debussy vertonte.

Politisch engagierte sich D’Annunzio oft und ohne feste Linie. 1897 wurde er als Abgeordneter der Konservativen in ein Regionalparlament gewählt, gab aber 1900 den radikalen Linken seine Stimme. 1915 befürwortete er als Redner publikumswirksam den Kriegseintritt Italiens. Krieg und Heroisierung spielten in seinem Leben und Werk eine zentrale Rolle. Im Ersten Weltkrieg war er begeisterter Soldat. Legendär wurde sein Propagandaflug über Wien am 9. August 1918. Eine Staffel italienischer Flugzeuge warf statt Bomben Tausende von Flugblättern über der Stadt ab, eines davon mit einem Text aus D’Annunzios eigener Feder.

Nach Kriegsende führte er im September 1919 eine Gruppe Freischärler, die sogenannten Arditi, sowie Teile der regulären Armee bei der Besetzung der Adria-Stadt Fiume an. Damit unterlief er das Waffenstillstandsabkommen. Zuvor hatte das von ihm geprägte Wort von der vittoria mutilata, vom „verstümmelten Sieg“, in Italien die Runde gemacht. Die Herrschaft in Fiume mit D’Annunzio im Mittelpunkt nahm wesentliche Elemente des Faschismus vorweg: die Fixierung auf einen Führer und die Massenmobilisierung. Zugleich schuf er dort ein Gegenbild zur nüchternen bürgerlichen Gesellschaft, sodass auch Lenin ihn einen Revolutionär nannte.

Im Dezember 1920 zwang ihn eine militärische Intervention der italienischen Regierung zum Verlassen der Stadt. Eine Granate des Schlachtschiffs Andrea Doria traf sein Arbeitszimmer. Er zog sich auf eine beschlagnahmte Villa bei Gardone Riviera am Gardasee zurück. Diese taufte er später Il Vittoriale degli italiani und vermachte sie dem italienischen Volk. Zunächst betrachtete er sich als politischen Gegenspieler Mussolinis und bemühte sich 1922 darum, vom König den Auftrag zur Regierungsbildung zu erhalten. Doch Mussolini kam ihm mit seinem Marsch auf Rom zuvor. 1924 wurde D’Annunzio auf Vorschlag der faschistischen Regierung von König Viktor Emanuel III. geadelt und erhielt den erblichen Titel eines Principe di Montenevoso. Fortan ließ er sich von der faschistischen Regierung seinen aufwendigen Lebensstil finanzieren, reduzierte seine politischen Aktivitäten und lobte die territorialen Expansionsbestrebungen der Faschisten in Afrika. Er starb am 1. März 1938 in seiner Villa bei Gardone Riviera, die schon zuvor zur nationalen Gedenkstätte erklärt worden war.


Literarische Merkmale

Unter dem Einfluss vor allem von Friedrich Nietzsche, Arthur Schopenhauer und Richard Wagner widmete sich D’Annunzio in seinen Romanen, Dramen und Gedichten der Sinneslust und der Idee des „Übermenschen“. Seine Empfindungen brachte er in wortgewaltiger Sprache zum Ausdruck, wie etwa im Roman Il Piacere (Lust, 1889). Sein ästhetisierender Stil spiegelt sein romantisches Wesen und seinen bewegten Lebenswandel wider und wirkt heute meist überladen. Schon in den frühen Gedichten suchte er eine neue, elitäre Sprachgebung. Vom Ästhetizismus D’Annunzios zeugt auch seine Villa am Gardasee, die heute ein Museum beherbergt.


Rezeption

Eleonora Duse und ihre Liebesbeziehung zu D’Annunzio prägten sein Theaterschaffen tief. Der Roman Il fuoco ließ die italienische Leserschaft enge Parallelen zu dieser Verbindung erkennen. Mehrere seiner Werke wurden von Komponisten aufgegriffen. Riccardo Zandonai vertonte Francesca da Rimini, Claude Debussy Le Martyre de Saint Sébastien. Zwischen 1909 und 1912 arbeitete D’Annunzio mit Ildebrando Pizzetti an der Oper Fedra nach dem antiken Phaidra-Stoff. Seine Begegnung mit Karl Gustav Vollmoeller führte zu deutschen Übersetzungen seiner Werke beim S. Fischer Verlag. Den Besuch der beiden Dichter bei der Flugschau von Brescia hielt unter anderem Franz Kafka in einem Artikel fest. Egon Friedell ließ seine italienische Literaturgeschichte Von Dante bis D’Annunzio (1915) mit ihm enden.

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