1618
Der Hund des Gärtners
Überblick↑
Die Komödie El perro del hortelano stammt von dem spanischen Dichter Lope de Vega und entstand um 1618. Erstmals gedruckt wurde sie im selben Jahr im elften Band einer Sammlung seiner Komödien, der in Madrid erschien. Der Titel bedeutet wörtlich „Der Hund des Gärtners". Er stammt aus einem spanischen Sprichwort über einen Hund, der das Gemüse weder selbst frisst noch den Herrn fressen lässt. Gemeint ist damit ein Mensch, der etwas nicht haben will, es aber auch keinem anderen gönnt. Genau dieses Verhalten bestimmt die Hauptfigur des Stücks. Das Werk zählt zu den bekannten Liebeskomödien des spanischen Theaters. Es behandelt den Zwiespalt zwischen Liebe und gesellschaftlichem Rang.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht Diana, eine junge Witwe und Gräfin de Belflor in Neapel. Sie entdeckt, dass sie Gefühle für ihren eigenen Sekretär Teodoro hegt. Das bringt sie in Verwirrung, denn zwischen einer Gräfin und einem einfachen Bediensteten liegt eine tiefe gesellschaftliche Kluft. Erschwerend kommt hinzu, dass Teodoro der Dienerin Marcela zugetan ist. Eine Heirat zwischen beiden scheint bevorzustehen.
Von Eifersucht getrieben, beginnt Diana ein widersprüchliches Spiel. Mal nähert sie sich Teodoro an und macht ihm Hoffnung, mal stößt sie ihn schroff zurück. Sie kann ihn nicht für sich gewinnen, will ihn aber auch der anderen nicht überlassen. So verhält sie sich wie der Hund des Sprichworts. Teodoro gerät dadurch in eine schwierige Lage. Auch die Verehrer der Gräfin und sein gewitzter Diener werden in das Geschehen hineingezogen. Die Komödie lebt von diesem Hin und Her. Sie stellt die Frage, ob sich die Standesschranken überwinden lassen.
Die Handlung im Detail↑
Im ersten Akt ringt die junge neapolitanische Witwe Diana mit ihren Gefühlen für ihren Sekretär Teodoro. Sie gesteht sich ein, dass sie diesem klugen und schönen Mann näherkommen würde, wäre er von Geburt aus adelig. Doch Teodoro ist der Dienerin Marcela zugetan, und zwischen den beiden bahnt sich eine Heirat an. Diana gelingt es nicht, ihre Liebe zu bezwingen. Sie verfasst im Namen einer angeblichen römischen Freundin einen Liebesbrief und bittet Teodoro, das Schreiben zu beurteilen und „mit eigener Hand" abzuschreiben. Der junge Mann durchschaut die wahren Gründe hinter dem Brief, ist sich aber zugleich der Kluft zwischen sich und der Gräfin bewusst. Marcela bekommt Dianas Eifersucht zu spüren: Die Gräfin lässt sie für mehrere Tage in ihrem Schlafgemach einsperren.
Im zweiten Akt brechen für Teodoro schwere Tage an. Die Gräfin gibt ihm bald Hoffnung, bald weist sie ihn hart zurück. Seine Beziehung zu Marcela zerbricht, und das Mädchen versucht aus Rache, sich einem anderen Diener Dianas, dem Fabio, anzunähern. Schließlich verliert Teodoro die Beherrschung und wirft seiner Herrin all seine aufgestauten Gefühle vor. Er hält ihr vor, sie benehme sich wie der Hund auf dem Heu. Das laute Gespräch endet damit, dass Diana ihrem Sekretär Ohrfeigen gibt. Graf Federico, einer ihrer Verehrer, beobachtet die Szene und erkennt, dass hinter Dianas Zornesausbruch Leidenschaft steht.
Im dritten Akt beschließen Graf Federico und Marquis Ricardo, die seit langem vergeblich um die kühle Witwe werben, den Günstling der Gräfin aus dem Weg zu räumen. Sie wählen Teodoros Freund Tristán als Mörder aus und bieten ihm dreihundert Escudos für die Tat. Tristán nimmt das Geld bereitwillig an, warnt aber sofort seinen Kameraden vor dem heimtückischen Plan. Teodoro will den Palast verlassen und bittet Diana um Erlaubnis, nach Spanien zu reisen. Die Gräfin hält sein Vorhaben für vernünftig, da sie hofft, die Trennung werde sie von ihren Herzensqualen befreien. Doch der Abschied zieht sich hin: Mal schickt sie Teodoro fort, mal ruft sie ihn zurück.
Unterdessen setzt Tristán einen List in Gang, der die Gräfin und den Sekretär zusammenführen soll. Er sucht den alten Grafen Ludovico auf. Dieser hatte vor zwanzig Jahren seinen einzigen Sohn namens Teodoro nach Malta geschickt. Der Junge geriet in die Gefangenschaft der Mauren, und seither hatte der alte Mann nichts mehr von ihm gehört. Tristán gibt sich als griechischer Kaufmann aus und berichtet, der Sohn lebe nach vielen Abenteuern nun im Hause der Gräfin de Belflor. Ludovico eilt sogleich in Dianas Palast. Als er Teodoro erblickt, erkennt er in ihm sich selbst in jungen Jahren wieder und erklärt ihn zum Erben all seiner Güter. Der Sekretär ist verwirrt und ratlos. Allein mit Diana gesteht er ihr, dass Tristán die Geschichte vom wiedergefundenen Sohn erfunden hat. Doch für die Gräfin spielt das keine Rolle mehr. Sie freut sich, dass zwischen ihr und Teodoro keine Standesschranken mehr bestehen, und verkündet allen, dass Teodoro von nun an Graf und ihr Ehemann sei.
Stil↑
Angelegt ist das Werk als Komödie in drei Akten. Sein Titel geht auf ein spanisches Sprichwort zurück und beschreibt zugleich das Verhalten der Hauptfigur: Diana will Teodoro nicht freigeben, kann ihn aber wegen des Standesunterschieds auch nicht selbst nehmen. Dieses widersprüchliche Verhalten treibt die Handlung voran und sorgt für die komische Spannung.
Das Stück verbindet ernste Gefühle mit listigen Verwicklungen. Tragende Kunstgriffe sind der erfundene Liebesbrief, mit dem Diana ihre Neigung verschleiert, und die vorgetäuschte Herkunftsgeschichte, die der Diener Tristán ersinnt. Solche Verkleidungen und Intrigen gehören zum festen Bestand der spanischen Komödie. Der Wechsel zwischen Annäherung und Zurückweisung, zwischen Zorn und Zärtlichkeit prägt vor allem die Figur der Gräfin. Er hält die Zuschauer bis zum Schluss in der Schwebe.
Rezeption↑
In den Jahren nach der Erstveröffentlichung wurde das Stück mehrfach neu aufgelegt, dabei auch unter anderen Titeln. Belegt sind die Überschriften „Amar al ver amar", auf Deutsch etwa „Lieben beim Anblick der Liebe", und „La Condesa de Belflor", also „Die Gräfin de Belflor". Erst später setzte sich der heute gebräuchliche, dem Sprichwort entnommene Titel endgültig durch.
Im russischen Sprachraum fand die Komödie Beachtung. Der erste Übersetzer in Russland war N. M. Pjatnizki, der 1843 eine Prosafassung vorlegte. In der Folge wandten sich weitere Literaten und Publizisten dem Werk zu, darunter Alexej Maslow, Wladimir Pjast und Michail Losinski. Auch für die Bühne und den Bildschirm wurde der Stoff aufgegriffen. So entstand 1961 eine Fernsehbearbeitung unter dem Titel Vrtlarev pas. Zudem steht das Stück in Verbindung mit La rosa del azafrán.
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