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Werkseintrag · Der Herr der Ringe
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Cover Der Herr der Ringe
Der Herr der Ringe
1954
– Werkseintrag –

Der Herr der Ringe

1954 · Roman

Vier Hobbits müssen einen unscheinbaren Ring durch eine ganze Welt voller Feinde tragen, um die dunkle Macht zu besiegen, die in ihm schläft.

Überblick↑

Der Roman Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien zählt zu den kommerziell erfolgreichsten Romanwerken des 20. Jahrhunderts und gilt als Klassiker der phantastischen Literatur. Im englischen Original erschien das Werk 1954/1955 in drei Bänden zu je zwei Büchern samt Anhängen. Die erste deutsche Übersetzung von Margaret Carroux kam 1969/1970 heraus. Weltweit wurde das Buch etwa 150 Millionen Mal verkauft.

Erzählt wird die Geschichte eines Rings, mit dessen Vernichtung die böse Macht in Gestalt des dunklen Herrschers Sauron untergeht. Im Mittelpunkt stehen vier Hobbits, die unfreiwillig in ein heldenhaftes Abenteuer hineingezogen werden. An ihrer Seite kämpfen Elben, Menschen des Westens und Nordens, Zwerge und Zauberer gegen Saurons Geschöpfe. Das Werk steht vor dem Hintergrund einer Fantasiewelt, die Tolkien sein Leben lang entwickelte, und gilt als grundlegendes Werk der High Fantasy. Es diente als Vorlage für zahlreiche Adaptionen, darunter eine mehrfach mit Oscars ausgezeichnete Filmtrilogie.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Am Anfang steht ein Ring, der einst vom dunklen Herrscher Sauron geschmiedet wurde und einen Großteil von dessen Macht in sich trägt. Über viele Jahrhunderte war er verschollen, bis er auf verschlungenen Wegen in die Hände des Hobbits Bilbo Beutlin gelangte. Bilbo lebt im beschaulichen Auenland und ahnt lange nicht, welch gefährlichen Schatz er besitzt.

Als Bilbo an seinem 111. Geburtstag zu einem letzten Abenteuer aufbricht, hinterlässt er seine Habe samt dem Ring seinem Neffen Frodo Beutlin. Der Zauberer Gandalf erkennt bald, welche Bedrohung von dem unscheinbaren Schmuckstück ausgeht. Frodo muss das Auenland verlassen, um den Ring in Sicherheit zu bringen. Begleitet von seinem treuen Gärtner Sam und seinen Vettern Merry und Pippin macht er sich auf eine lange, gefährliche Reise, auf der ihm unheimliche Verfolger, aber auch hilfreiche Freunde begegnen.

In Bruchtal, dem Haus des Elbenfürsten Elrond, wird über das Schicksal des Rings beraten. Man beschließt, ihn dorthin zurückzubringen, wo er einst geschaffen wurde, denn nur so lässt er sich vernichten. Eine Gemeinschaft aus neun sehr verschiedenen Gefährten bricht auf, um dieses Ziel zu erreichen. Ihr Weg führt durch verschneite Gebirge, finstere Minen und geheimnisvolle Wälder, immer bedroht von den Dienern des Feindes.

Die Handlung im Detail↑

Die Vorgeschichte reicht weit zurück. Sauron, damals unter dem Namen Annatar und von ansehnlicher Gestalt, verführte die Elben mit Schmeicheleien und Gaben. Unter seiner Anleitung schmiedeten sie die Ringe der Macht. Heimlich fertigte Sauron in den Feuern des Schicksalsberges den Einen Ring, in den er einen Großteil seiner Macht einfließen ließ, um die anderen Ringe zu beherrschen. Neun Menschenfürsten verfielen seiner Macht und wurden zu den geisterhaften Nazgûl. Die Zwerge ließen sich nicht unterwerfen, doch ihre Ringe steigerten ihre Gier. Die drei Elbenringe wurden verborgen gehalten; während der Handlung tragen Galadriel, Elrond und Gandalf je einen von ihnen.

Am Ende des Zweiten Zeitalters wurde Sauron in der Schlacht des Letzten Bündnisses niedergeworfen. Isildur schnitt ihm den Ring mitsamt dem Finger ab, weigerte sich aber, ihn im Feuer des Schicksalsberges zu vernichten, da der Ring bereits Macht über ihn gewonnen hatte. Auf einer späteren Flucht über den Fluss Anduin glitt ihm der Ring vom Finger, und Isildur wurde getötet. Viele Jahrhunderte blieb der Ring verschollen, bis der Hobbit Déagol ihn am Grund des Stroms fand. Sein Begleiter Sméagol tötete ihn, um den Ring zu besitzen. Verstoßen von der Familie, floh Sméagol ins Nebelgebirge und verbarg sich dort über fünfhundert Jahre. Der Ring verlieh ihm unnatürlich langes Leben und zehrte zugleich an ihm, bis er sogar seinen Namen vergaß und zu dem Geschöpf Gollum wurde. Auf seiner Reise im Kinderbuch Der Hobbit traf Bilbo Beutlin in einer Höhle auf Gollum und fand scheinbar zufällig den Ring, der unsichtbar macht.

Bilbos Leben wird durch den Ring über das normale Maß verlängert, und das Schmuckstück wird ihm mehr und mehr zur Last, bis er sich „dünn wie Butter, die auf zuviel Brot gestrichen wird“ fühlt. An seinem 111. Geburtstag verlässt er das Auenland. Nur mit Mühe und nach strengem Zureden Gandalfs überlässt er den Ring seinem Neffen Frodo, denn auch darin zeigt sich die Macht des Rings, dass er den Willen seines Trägers beeinflusst. Gandalf reist mit bösen Ahnungen umher. Fast siebzehn Jahre nach der Übergabe kehrt er ins Auenland zurück und wirft den Ring ins Kaminfeuer: Auf dem kühlen Metall erscheinen Schriftzeichen in der schwarzen Sprache Mordors. Es ist der Eine Ring.

Frodo soll das Auenland heimlich verlassen und nach Bruchtal zum Elbenfürsten Elrond gehen. Als Tarnung verkauft er sein Haus. Gandalf verspricht, ihn zu begleiten, taucht aber nicht auf. So bricht Frodo unter dem Decknamen Unterberg zu Fuß auf, begleitet von seinem treuen Freund und Gärtner Sam Gamdschie und seinem Vetter Pippin Tuk. Unterwegs entkommen die Hobbits mehrmals knapp den Nazgûl, die als Schwarze Reiter nach „Beutlin“ suchen, denn so viel hatte Sauron aus dem gefangenen Gollum herausgepresst. Sie treffen aber auch hilfreiche Freunde. In Krickloch treffen sie wieder mit Frodos Vetter Merry zusammen; Sam, Merry und Pippin beschließen, Frodo zu begleiten.

Um die Straßen zu meiden, ziehen die vier durch den Alten Wald. Als der bösartige „alte Weidenmann“ sie zerquetschen will, rettet sie das rätselhafte Wesen Tom Bombadil. Später werden sie von Grabunholden verschleppt und erneut von Bombadil befreit; aus den Hügelgräbern erhält jeder Hobbit einen alten Dolch. In Bree mieten sie sich im Gasthaus „Zum Tänzelnden Pony“ ein und treffen den Waldläufer Streicher. Zunächst misstrauen sie ihm, doch eine Nachricht Gandalfs weist ihn als den Verbündeten Aragorn aus, und sie wählen ihn zum Führer. An der Wetterspitze werden sie von fünf Nazgûl angegriffen; ihr Anführer, der Hexenkönig von Angmar, verletzt Frodo mit einem magischen Dolch. Aragorn vertreibt die Gegner, kann die Wunde aber nur behandeln, nicht heilen. Sie schwächt Frodo zusehends. An der Furt des Bruinen entkommt Frodo nur mit Hilfe eines Elbenpferdes, und die Ringgeister werden von einer durch Elrond und Gandalf beschworenen Flutwelle weggespült.

In Elronds Haus in Bruchtal erwacht Frodo, geheilt. Gandalf berichtet, dass der Oberste seines Ordens, Saruman der Weiße, zum Feind geworden ist und ihn gefangen gehalten hatte, weshalb er Frodo nicht begleiten konnte. In einer Ratssitzung beraten Abgesandte der Elben, Zwerge und Menschen über das Schicksal des Rings. Man beschließt, dass eine Gemeinschaft aus neun Gefährten den Ring in die Feuer des Schicksalsberges werfen soll, denn nur dieses Feuer kann ihn zerstören. Die Gefährten sind Frodo als Ringträger, Sam, Merry und Pippin, der Zauberer Gandalf als Führer, Aragorn als rechtmäßiger Thronfolger von Gondor, Boromir als Sohn des Truchsessen von Gondor, der Elb Legolas und der Zwerg Gimli.

Der Weg führt zunächst nach Süden zum Gebirgspass am Caradhras, doch ein Schneesturm zwingt die Gefährten zur Umkehr. Sie wählen den Weg durch die Minen von Moria. Dort finden sie das Grab Balins und die Zwergenstadt Khazad-dûm verwaist; in einer Chronik lesen sie, wie die Zwerge nach und nach von Orks getötet wurden. Auch die Gemeinschaft wird angegriffen und flieht durch dunkle Gänge. Kurz vor dem Ausgang erscheint ein Balrog, ein uralter Feuergeist. Gandalf stellt sich ihm, um den anderen die Flucht zu ermöglichen, und stürzt gemeinsam mit dem Balrog in den Abgrund. Die Trauernden gelangen ins Waldreich Lothlórien, wo die mächtige Fürstin Galadriel sie beschenkt; Frodo erhält eine Phiole mit dem Licht Earendils. In Booten setzen sie ihre Reise fort. An den Raurosfällen sind sie sich über das weitere Vorgehen uneins.

Stil↑

Sprachlich zeichnet sich das Werk durch einen Reichtum an Tonlagen aus. Ein Literaturwissenschaftler lobt Tolkiens abwechslungsreiche, leicht verständliche Sprache, die gelegentlich an die Bibel oder an altenglische Literaturformen anknüpfe, ebenso aber an die Umgangssprache, und die sich durch kunstvolle Phrasierungen und Schattierungen auszeichne. Ob man den Roman genießen könne, hänge ganz von der Bereitschaft des Lesers ab, sich auf Tolkiens „unbändige Phantasie und philologische Akrobatik“ einzulassen.

Angelegt ist das dreibändige Werk als in sich geschlossene Geschichte, die zugleich das Kinderbuch Der Hobbit fortsetzt. In den Fließtext sind zahlreiche Gedichte und Lieder eingeflochten, die auf einen umfangreichen Sagenschatz zurückgreifen und die erzählte Welt in eine tiefe, mythische Vorgeschichte einbetten. Diese Welt hat Tolkien sein Leben lang ausgearbeitet; die Herkunft der Zauberer und die Ahnen mehrerer Figuren lassen sich aus diesem größeren Zusammenhang erschließen. Eine besondere Note verleiht dem Werk der Kunstgriff, den Roman selbst als ein von Bilbo, Frodo und Sam verfasstes Buch auszugeben und ihn so zum Bestandteil der erzählten Welt zu machen.

Rezeption↑

Aufgenommen wurde der Roman auf sehr unterschiedliche, teils gegensätzliche Weise. Vielen gilt er als Klassiker der High Fantasy, also des literarisch gehobenen Bereichs der phantastischen Literatur. Andere lehnten das Buch als Trivialliteratur ab und kritisierten besonders rassistische und frauenfeindliche Untertöne. Ein britischer Kulturwissenschaftler sah 2002 offenen Rassismus im Werk.

Diesem Vorwurf wurde auch widersprochen. Eine Kulturwissenschaftlerin sieht Parallelen zur Weltanschauung Johann Gottfried Herders, für den der Mythos ebenfalls große Bedeutung für die Bildung eines Volkes hatte, ohne dass Herder oder Tolkien eine Blut-und-Boden-Ideologie vertreten hätten. Ihre Werke seien vielmehr von einer ungelösten Spannung zwischen allgemeingültigen Werten und Kulturrelativismus geprägt. Ein weiterer Literaturwissenschaftler argumentiert, der Roman sei insgesamt antirassistisch: Ausgerechnet die vermeintlich schwächste Rasse Mittelerdes, die Hobbits, bringe jene selbstlosen Gestalten hervor, die den Ring zum Schicksalsberg tragen und dabei ihre eigenen Vorurteile überwinden.

Bis heute wirkt das Werk weit über die Literatur hinaus. Es diente als Vorlage für zahllose Adaptionen in Film, Hörspiel, Musik und Spiel, darunter eine vielfach preisgekrönte Kinotrilogie. Das Magazin Der Spiegel zählt den Roman zu den besten hundert Büchern zwischen 1925 und 2025.

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