Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Werkseintrag · Der Hund von Baskerville
Eingang · Werke · Der Hund von Baskerville
Cover Der Hund von Baskerville
Der Hund von Baskerville
1902
– Werkseintrag –

Der Hund von Baskerville

1902 · Roman

Ein sagenhafter Höllenhund, ein alter Familienfluch und ein einsames Moor: Sherlock Holmes muss klären, ob hinter dem Tod auf Baskerville Hall eine dämonische Macht oder ein sehr irdischer Täter steckt.

Überblick↑

Bei Der Hund von Baskerville handelt es sich um den dritten Roman um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes und um eine der bekanntesten Detektivgeschichten von Arthur Conan Doyle. Das Werk erschien 1902 unter dem Originaltitel The Hound of the Baskervilles; in neueren Übersetzungen findet sich auch der Titel Der Hund der Baskervilles. Die Geschichte spielt im England des späten 19. Jahrhunderts, in der einsamen Moorlandschaft von Dartmoor. Ein alter Familienfluch, ein rätselhafter Todesfall und ein sagenhafter, im Moor umgehender Hund verbinden sich zu einer Erzählung, die Kriminalfall und schauriges Geheimnis miteinander verknüpft.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Über der englischen Familie Baskerville lastet einer alten Sage nach ein Fluch. Ein Familiendokument aus dem Jahr 1742 berichtet, wie der zügellose Sir Hugo Baskerville während des Englischen Bürgerkriegs eine junge Frau zu Tode hetzte und danach selbst von einem geheimnisvollen Hund im Moor angefallen und getötet wurde. Seither soll ein monströser, heulender Hund in den Mooren rund um den Familiensitz umgehen.

Als der alte Sir Charles Baskerville tot in der Allee vor seinem Landsitz aufgefunden wird, gerät die Sage zur bedrohlichen Gegenwart. Aus Kanada trifft Sir Henry Baskerville ein, der letzte lebende Nachkomme der Familie. Weil er um seine Sicherheit fürchtet, zieht der Testamentsvollstrecker Dr. Mortimer den Detektiv Sherlock Holmes zurate. Am Fundort hat der Arzt die Spuren eines riesigen Hundes entdeckt. Noch in London erhält Sir Henry einen anonymen Brief, der ihn vor dem Moor warnt, und im Hotel wird ihm ein Stiefel gestohlen.

Holmes schickt seinen Freund Dr. Watson nach Baskerville Hall, wo Sir Henry sein Erbe antritt. Dort treibt sich nicht nur ein entflohener Sträfling im Moor herum, sondern auch der zwielichtige Naturforscher Stapleton mit seiner Schwester Beryl, in die sich Sir Henry verliebt. Das öde, nebelverhangene Moor wird zum Schauplatz einer Bedrohung, deren wahre Natur sich erst nach und nach enthüllt.

Die Handlung im Detail↑

Der Roman führt in das England des späten 19. Jahrhunderts, in die Region Dartmoor. Auf der Familie Baskerville lastet ein dämonischer Fluch, wie aus einem Familiendokument von 1742 hervorgeht: Der betrunkene Sir Hugo Baskerville hatte während des Englischen Bürgerkriegs eine junge Frau, die ihm nicht zu Willen sein wollte, zu Tode gehetzt und wurde danach von einem geheimnisvollen Hund im Moor getötet. Seitdem soll ein riesiger, heulender Hund in den Mooren umgehen, die den Familiensitz umgeben.

Nachdem der alte Sir Charles Baskerville tot in der Allee vor seinem Landsitz gefunden wurde, trifft aus Kanada Sir Henry Baskerville ein, der letzte lebende Nachkomme. Da auch er um seine Sicherheit fürchtet, schaltet der Testamentsvollstrecker Dr. Mortimer den Detektiv Sherlock Holmes ein. Holmes erfährt, dass der Arzt am Tatort die Fußspuren eines riesigen Hundes gefunden hat und dass Charles Baskerville dort auf jemanden gewartet haben muss. Noch in London erhält Sir Henry einen anonymen Brief, der ihn vor dem Moor warnt. Als ihm im Hotel ein alter Stiefel gestohlen wird, ist für Holmes klar, dass ein Hund im Spiel sein muss, den man auf Sir Henrys Geruch angesetzt hat.

Holmes schickt Watson nach Baskerville Hall, wo Sir Henry sein Erbe antritt. Watson findet heraus, dass sich im Moor nicht nur ein entlaufener Sträfling namens Selden herumtreibt, sondern auch der zwielichtige Naturforscher Stapleton und dessen Schwester Beryl, in die sich Sir Henry verliebt. Der Sträfling erweist sich als Schwager von Sir Henrys Butler Barrymore; Barrymore und seine Frau haben ihn heimlich mit Essen versorgt und ihm alte Kleider Sir Henrys überlassen. Das wird Selden zum Verhängnis: Weil er nun nach Sir Henry riecht, nimmt der schwarze Hund seine Fährte auf und tötet ihn.

Im Moor trifft Watson unerwartet auf Holmes, der sich bereits seit geraumer Zeit heimlich dort aufhält. Holmes verdächtigt Stapleton, der in Wahrheit selbst ein Baskerville ist und als Nächster in der Erbfolge stünde. Stapleton hatte der verarmten Laura Lyons die Ehe versprochen und sie so dazu gebracht, dem alten Sir Charles einen Brief mit der Bitte um ein abendliches Treffen zu schreiben. Zum Termin erschien sie nicht – stattdessen hetzte Stapleton den Hund auf den alten Mann.

Um Stapleton zu überführen, stellt Holmes ihm eine Falle. Er schickt Sir Henry zu Stapleton und weist ihn an, nachts allein über das Moor nach Hause zu gehen. Als ein riesiger, leuchtender Hund Sir Henry anspringt, eilen Watson und Holmes herbei und erschießen das Tier. Der Hund, eine Kreuzung aus Bluthund und Dogge, war bissig und halb verhungert; ein Phosphorpräparat gab ihm sein furchterregendes, leuchtendes Aussehen. Beryl Stapleton, die in Wirklichkeit Stapletons Frau und unwillige Mitwisserin war, finden Holmes und Watson gefesselt und misshandelt im obersten Stockwerk des Anwesens, denn sie hatte sich zuletzt gegen ihren Mann aufgelehnt. Sie war es auch, die Sir Henry den warnenden Brief nach London geschickt hatte. Stapleton selbst flieht ins Moor und verschwindet. Gefunden wird nur der gestohlene Stiefel Sir Henrys. Holmes vermutet, dass Stapleton im Nebel vom schmalen Pfad abkam und im Moor versank.

Stil↑

Kennzeichnend für das Werk ist die Verbindung von nüchterner Ermittlungsarbeit und schauriger Stimmung. Das nebelverhangene, öde Moor von Dartmoor bildet einen düsteren Schauplatz, der die Bedrohung fast greifbar macht. Der alte Familienfluch und der sagenhafte Hund geben der Erzählung einen Zug ins Unheimliche, der bis zuletzt in der Schwebe bleibt: Bis zur Auflösung ist offen, ob eine übernatürliche Macht oder ein sehr irdischer Täter am Werk ist.

Der Aufbau folgt dem Muster des Detektivromans. Ein rätselhafter Todesfall steht am Anfang, Spuren und Hinweise werden gesammelt, falsche Fährten führen in die Irre, und am Ende klärt eine folgerichtige Beweiskette das Geheimnis auf. Dabei tritt der Detektiv zeitweise in den Hintergrund, während sein Begleiter die Beobachtungen vor Ort zusammenträgt – eine Anlage, die Spannung erzeugt und den Leser miträtseln lässt. Kühle Beobachtungsgabe und logische Schlussfolgerung auf der einen, gespenstische Atmosphäre auf der anderen Seite prägen den Ton der Erzählung.

Rezeption↑

Zu den bekanntesten Detektivgeschichten Arthur Conan Doyles zählt dieser Roman bis heute. Seine anhaltende Wirkung zeigt sich vor allem an der außergewöhnlichen Zahl von Verfilmungen, die den Stoff über mehr als ein Jahrhundert immer wieder aufgegriffen haben. Bereits 1914 entstand eine frühe Kinofassung, weitere folgten in den 1920er und 1930er Jahren, darunter Bearbeitungen im deutschen und im englischen Sprachraum.

Auch in späteren Jahrzehnten blieb die Geschichte auf Leinwand und Bildschirm präsent. Kino- und Fernsehfassungen entstanden unter anderem 1959, in den 1980er Jahren und um die Jahrtausendwende, und noch neuere Bearbeitungen setzen die Reihe fort. Der Titel wurde dabei mehrfach abgewandelt und in andere Zusammenhänge übertragen. Diese lange Kette von Adaptionen macht deutlich, wie fest sich der Stoff um den sagenhaften Hund im Moor im kulturellen Gedächtnis verankert hat.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten