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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Arthur Conan Doyle
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Porträt Arthur Conan Doyle
Arthur Conan Doyle
1859 – 1930
– Autorenporträt –

Arthur Conan Doyle

1859 – 1930 · 71 Jahre

Der britische Arzt Arthur Conan Doyle schuf mit dem Detektiv Sherlock Holmes eine der bekanntesten Figuren der Kriminalliteratur.

Kurzbiografie↑

Als britischer Arzt und Schriftsteller schuf Arthur Conan Doyle (1859–1930) eine der bekanntesten Figuren der Kriminalliteratur: den Detektiv Sherlock Holmes und dessen Freund Dr. Watson. Geboren in Edinburgh, studierte er Medizin und führte jahrelang eine Arztpraxis, ehe ihn die Schriftstellerei ernähren konnte. Neben den Holmes-Geschichten schuf er mit Professor Challenger eine zweite populäre Figur, die zuerst in dem Roman Die vergessene Welt auftrat. In seinen späten Jahren wandte er sich dem Spiritismus zu. Doyle starb 1930 auf seinem Anwesen im englischen Crowborough.


Biografie↑

Am 22. Mai 1859 kam Arthur Conan Doyle im schottischen Edinburgh zur Welt. Seine Mutter Mary, geborene Foley, war Irin; sein Vater Charles Altamont Doyle war ein englischer, irischstämmiger Beamter aus aristokratischem Hause. Beide Eltern waren römisch-katholisch. Er besuchte die Jesuitenschulen Stonyhurst College in der englischen Grafschaft Lancashire und von 1875 bis 1876 Stella Matutina im österreichischen Feldkirch. Anschließend studierte er Medizin an der Universität von Edinburgh. Dort lernte er den Chirurgen Joseph Bell kennen, dessen Assistent er 1878 wurde.

Als junger Arzt ging Doyle zur See. 1880 fuhr er als Schiffsarzt auf dem Walfänger Hope in die Arktis, ein Jahr später auf der Mayumba nach Westafrika. Von 1882 bis 1890 führte er eine Arztpraxis in Southsea bei Portsmouth. In seiner Freizeit schrieb er bereits erste literarische Werke. 1883 verfasste er in Portsmouth seinen ersten Roman The Narrative of John Smith, der jedoch unvollendet und unveröffentlicht blieb und erst 2011 gedruckt wurde. 1887 erschien die erste Geschichte über Sherlock Holmes und Dr. Watson: A Study in Scarlet, auf Deutsch Eine Studie in Scharlachrot.

Für die Figur des Holmes griff Doyle auf Eigenschaften seines Lehrers Joseph Bell zurück; in einem Brief von 1892 bestätigte er Bell diese Schuld. Wer das Vorbild für Dr. Watson war, ist in der Forschung nicht eindeutig geklärt: Genannt werden häufig ein Portsmouther Kollege, der Arzt James Watson, daneben auch der Edinburgher Chirurg Patrick Heron Watson. Eine sichere Bestätigung Doyles dafür ist nicht überliefert.

1890 erschien der Roman The Firm of Girdlestone, in dem Doyle ein Bild seiner Heimatstadt Edinburgh im Zeitalter des Imperialismus zeichnete. Im selben Jahr zog er nach London. Ab 1891 konnte er von der Schriftstellerei leben, nachdem im Strand Magazine die erste Detektiverzählung A Scandal in Bohemia (Ein Skandal in Böhmen) erschienen war. 1893 entschloss er sich, seine Figur sterben zu lassen, weil die Holmes-Geschichten zu viel Zeit beanspruchten. In der Erzählung The Final Problem (Das letzte Problem) stürzt Holmes im Kampf mit Professor Moriarty die Reichenbachfälle bei Meiringen hinab. Das Publikum protestierte, und selbst Doyles Mutter, eine begeisterte Leserin, versuchte ihn vergeblich umzustimmen. Im selben Jahr wurde Doyle Meister in der Freimaurerloge Phoenix No. 257 in Portsmouth.

Mit historischen Romanen wie Rodney Stone, Sir Nigel und The White Company hatte er weniger Erfolg, hielt sie aber selbst für seine besten Arbeiten. 1899 ging Doyle nach Südafrika, um im Zweiten Burenkrieg ärztlichen Dienst zu leisten und für Zeitungen zu berichten. Für seine Schrift The Great Boer War (Der große Burenkrieg) von 1900 wurde er 1902 als Knight Bachelor geadelt.

Um 1900 lernte Doyle Fletcher Robinson kennen, der ihm alte Legenden aus dem Dartmoor erzählte, darunter Gruselgeschichten um einen Geisterhund. Daraus entstand der Roman The Hound of the Baskervilles (Der Hund der Baskervilles), für den Doyle auf Sherlock Holmes zurückgriff, obwohl er die Reihe 1893 beendet hatte. Der Roman erschien 1901/1902 im Strand Magazine und wurde ein großer Erfolg. In der folgenden Kurzgeschichte The Empty House (Das leere Haus) von 1905 machte er Holmes' Tod rückgängig.

Ab 1906 setzte sich Doyle in Zeitungsartikeln erfolgreich für die Rehabilitierung des zu Unrecht verurteilten Advokaten George Edalji ein und nutzte dafür seine medizinischen Kenntnisse. In einer viel beachteten Streitschrift über das Kongoverbrechen bezeichnete er den belgischen König Leopold II. als Hauptverantwortlichen für die Zustände im Kongo-Freistaat. 1912 schuf er mit Professor Challenger seine zweite populäre Figur; der Roman Die vergessene Welt gilt neben der Holmes-Reihe als sein bekanntester.

Im Oktober 1918 starb sein Sohn Kingsley an der Spanischen Grippe. Danach wandte sich Doyle verstärkt dem Spiritismus und Mystizismus zu und unternahm Vortragsreisen, unter anderem in die USA und nach Südafrika. Er machte die gefälschten Feen-Fotos von Cottingley bekannt, an deren Echtheit er glaubte, und geriet in eine öffentliche Kontroverse mit dem Zauberkünstler Harry Houdini. 1927 erschien der letzte Erzählband zu Lebzeiten, The Casebook of Sherlock Holmes (Sherlock Holmes' Buch der Fälle).

Doyle war ein begeisterter Sportler. Er spielte Fußball als Torwart, war Cricket- und Golfspieler und trug zur Verbreitung des Skisports in England bei. Im März 1893 war er der erste Brite, der eine Tagestour im Skilanglauf absolvierte; 1894 überquerte er auf Skiern die Maienfelder Furgga von Davos nach Arosa. Bei den Olympischen Spielen 1908 in London berichtete er für die Daily Mail über den Marathonlauf und rief zu Spenden für den disqualifizierten Läufer Dorando Pietri auf.

Der Schriftsteller war zweimal verheiratet: von 1885 bis zu ihrem Tod 1906 mit Louisa Hawkins, von 1907 an mit Jean Leckie. Am 7. Juli 1930 starb Doyle im Alter von 71 Jahren an einem Herzinfarkt auf seinem Anwesen Windlesham bei Crowborough in Sussex. Er wurde zunächst auf seinem Grundstück beigesetzt; 1955 wurden die sterblichen Überreste des Paares auf den Friedhof der All Saints Church im Ort Minstead umgebettet.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Doyles Detektivfiguren ist die deduktive, kriminalanalytische Methode – die Kunst, aus kleinen Beobachtungen sichere Schlüsse zu ziehen. Als Arzt lieh Doyle seiner Hauptfigur Sherlock Holmes Eigenschaften seines Lehrers Joseph Bell, eines Chirurgen. Dr. Watson dachte er sich als Erzählerfigur zu, sodass die Fälle aus der Sicht eines mitfühlenden Begleiters geschildert werden.

Neben den Kriminalgeschichten arbeitete Doyle in verschiedenen Formen. Er schrieb historische Romane, mystische Novellen wie The Parasite und Mystery of the Cloomber, Streitschriften und Zeitungsberichte. In seinem Roman The Firm of Girdlestone verband er eine Handelsgeschichte mit einem Bild seiner Heimatstadt im Zeitalter des Imperialismus. Für den Hund der Baskervilles reiste er eigens ins Dartmoor, um die reale Atmosphäre der Landschaft einzufangen.


Rezeption↑

Wie stark Doyles Figuren ihr Publikum bewegten, zeigte sich, als er Sherlock Holmes 1893 sterben ließ: Es kam zu Protesten der Leser, und selbst seine Mutter versuchte vergeblich, ihn davon abzubringen. Der große Erfolg des Hundes der Baskervilles bewog Doyle schließlich, den Detektiv literarisch wieder zum Leben zu erwecken. Für seine Schrift über den Burenkrieg wurde er 1902 als Knight Bachelor geadelt.

Auch seine zweite Figur fand ein großes Publikum. Der Roman Die vergessene Welt, in dem Professor Challenger zum ersten Mal auftritt, gilt neben der Sherlock-Holmes-Reihe als sein bekanntester und lieferte die Vorlage für zahlreiche Filme und Fernsehserien. An Doyle erinnert bis heute der nach ihm benannte Doyle-Gletscher in der Antarktis, den das UK Antarctic Place-Names Committee 1959 in Erinnerung an seine frühe Skitour so benannte.

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