1871 – 1945
Theodore Dreiser
Kurzporträt↑
Zu den Hauptvertretern des literarischen Naturalismus in Amerika zählt Theodore Dreiser, neben Stephen Crane und Frank Norris. Geboren wurde er 1871 in Terre Haute im US-Bundesstaat Indiana. In seinen Romanen schilderte er nahezu unparteiisch den Untergang menschlicher Existenzen im modernen Großstadtleben. Sein Stil ist einfach, bisweilen schwerfällig-wuchtig. Seine Bücher kreisen um Sexualität, Geld, Macht und die daraus erwachsenden Verbrechen. Es ist eine Welt, in der sich nur der Stärkste behaupten kann. Sein bekanntestes Werk ist der Roman Eine amerikanische Tragödie aus dem Jahr 1925. Dreiser starb 1945.
Biografie↑
Geboren wurde Theodore Herman Albert Dreiser am 27. August 1871 in Terre Haute, Indiana. Er war das zwölfte Kind von John Paul Dreiser und dessen Frau Sarah. Getauft wurde er katholisch. Sein Vater war ein deutscher Immigrant aus Mayen, die Mutter stammte aus einer Mennoniten-Familie.
Nach einem abgebrochenen Studium an der Indiana University arbeitete Dreiser zunächst als einfacher Arbeiter. Danach wurde er Journalist, zunächst am Chicago Globe und später am St. Louis Globe-Democrat. 1893 heiratete er Sarah White, von der er ab 1909 getrennt lebte. Im Sommer 1899 begann er, Kurzgeschichten zu schreiben, darunter McEwen und das Volk der schimmernden Sklavenjäger.
Sein erster Roman Sister Carrie erschien 1900. Er handelt von einem jungen Mädchen, das vom Land in die Großstadt Chicago zieht. Das Buch blieb erfolglos. Sein Inhalt wurde als unmoralisch empfunden und löste die sogenannte Doubleday-Affäre aus. Der Misserfolg verstärkte Dreisers schon vorher bestehende psychische Probleme. Nach einem längeren Aufenthalt in einem Nervensanatorium war er als Journalist und Herausgeber von Modezeitschriften erfolgreich. 1910 wandte er sich erneut der Literatur zu.
Sein zweiter Roman Jennie Gerhardt fand 1911 Anerkennung. Es folgte die Cowperwood-Trilogie mit The Financier (1912), The Titan (1914) und postum The Stoic (1947). Als Vorlage für die Hauptfigur Cowperwood diente die Lebensgeschichte des Industriemagnaten Charles Tyson Yerkes. Der Künstlerroman The Genius (1915, deutsch Das Genie, 1929) fiel der Zensur zum Opfer. Sein bekanntestes und erfolgreichstes Werk wurde Eine amerikanische Tragödie (1925). Der Roman wurde zweimal verfilmt und von Erwin Piscator für die Bühne bearbeitet.
Eine Episode aus dem April 1912 illustriert Dreisers Glück. Er hatte vor, am Ende seines ersten Europa-Urlaubs an Bord der neuen Titanic in die Vereinigten Staaten zurückzukehren. Ein befreundeter britischer Publizist riet ihm jedoch zu einer billigeren Passage. So fuhr Dreiser auf der Kroonland zurück.
1927 bereiste Dreiser monatelang die Sowjetunion. Daraus ging der Reisebericht Dreiser Looks at Russia (1928) hervor. 1935 sandte er dem vor allem von Kommunisten organisierten Pariser Kongress antifaschistischer Schriftsteller eine Grußbotschaft. In seinem letzten Lebensjahr wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei der USA.
Dreiser starb am 28. Dezember 1945. Über den genauen Sterbeort gehen die Quellen auseinander: Wikidata nennt Hollywood, die Deutsche Nationalbibliothek nennt Los Angeles.
Literarische Merkmale↑
Unparteiisch und nüchtern schildert Dreiser den Untergang menschlicher Existenzen in der modernen Großstadt. Sein Stil gilt als einfach, bisweilen schwerfällig-wuchtig. Die Themen seiner Romane sind Sexualität, Geld und Macht sowie die Verbrechen, die daraus entstehen. Und stets behauptet sich nur der Stärkste.
Die Kritik beurteilte sein Schreiben zwiespältig. Der Entwurf seiner Werke wurde bisweilen als unelegant bemängelt. Die detaillierte, prägnante und psychologisch einfühlsame Ausführung fand dagegen Anerkennung. Zudem bescheinigte man ihm hohe Authentizität in der Darstellung der Lebensverhältnisse in Nordamerika. Seine sozialistischen Zukunftshoffnungen spiegeln sich in seinen späteren Veröffentlichungen wider.
Rezeption↑
Schon zu Lebzeiten wurde Dreiser unterschiedlich aufgenommen. Sein erster Roman Sister Carrie stieß auf Ablehnung, weil sein Inhalt als unmoralisch galt. Die daraus entstandene Doubleday-Affäre und der Misserfolg belasteten den Autor schwer. Auch der Künstlerroman The Genius fiel später der Zensur zum Opfer.
In den 1920er Jahren fanden seine Werke in Europa und der UdSSR größere Anerkennung als in seiner amerikanischen Heimat. Sein erfolgreichstes Buch, Eine amerikanische Tragödie, wurde zweimal verfilmt und von Erwin Piscator für die Bühne bearbeitet. Bis heute ist Dreiser Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzung. Zahlreiche Gesamtdarstellungen und Einzelstudien widmen sich seinem Werk, darunter Jerome Lovings Biografie The Last Titan (2005) und W. A. Swanbergs Dreiser (1965).
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