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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Fuenteovejuna
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Fuenteovejuna
1619
– Werkseintrag –

Fuenteovejuna

1619 · Drama

Ein ganzes Dorf erhebt sich gegen einen tyrannischen Herrn – und als der Richter den Schuldigen sucht, antworten alle wie aus einem Mund.

Überblick

Das Drama Fuenteovejuna von Lope de Vega gehört zu den bekanntesten Werken des spanischen Goldenen Zeitalters. Zusammen mit Peribáñez und der Comendador von Ocaña und Der beste Richter ist der König bildet es die drei sogenannten „Dorfdramen", die zum Stärksten in Lopes umfangreichem Schaffen zählen. Verfasst wurde es in drei Akten um 1612 bis 1614 und 1619 in Madrid gedruckt, im Sammelband Dozena parte de las comedias de Lope de Vega Carpio.

Der Stoff geht auf ein wirkliches Ereignis zurück. Die Handlung spielt im Dorf Fünte Obejuna in der Provinz Córdoba zur Zeit der Katholischen Könige. Das Besondere: Held des Stücks ist nicht eine einzelne Figur, sondern eine ganze Gemeinschaft – die Bewohner des Dorfes. Auf diese Weise ist das Werk zum Sinnbild geworden für den Zusammenschluss eines Volkes gegen Unterdrückung und Willkür.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht das kleine Dorf Fünte Obejuna, das unter der Herrschaft eines mächtigen Mannes steht: Fernán Gómez de Guzmán, Großkomtur des Ritterordens von Calatrava. Er regiert das Dorf mit harter Hand und nimmt sich gegenüber den Bäuerinnen und Bauern jede Freiheit heraus. Sein Verhalten ist roh, und seine Macht scheint unangreifbar.

Unter den Dorfbewohnern ragen drei Figuren heraus. Die junge Laurencia und der Bauer Frondoso lieben einander und wollen heiraten. Doch der Komtur stellt Laurencia nach und greift in ihr Leben ein. Damit gerät er in offenen Gegensatz zu Frondoso und zu der ganzen Gemeinschaft, deren Geduld langsam zu Ende geht.

Im Hintergrund tobt zugleich ein Machtkampf um den spanischen Thron, in den der Orden von Calatrava verwickelt ist. Während die Großen des Landes um die Krone ringen, wächst im Dorf die Erbitterung über die Übergriffe des Komturs. Das Stück führt vor, wie aus vielen einzelnen Demütigungen ein gemeinsamer Wille entsteht – und wie eine ganze Dorfgemeinschaft beschließt, sich nicht länger alles gefallen zu lassen.

Die Handlung im Detail

Das Geschehen spielt zur Zeit der Katholischen Könige Ferdinand und Isabella. Der junge Rodrigo Téllez Girón ist Großmeister des Ordens von Calatrava; ihm untersteht Fernán Gómez de Guzmán als Komtur von Fünte Obejuna. Im großen Machtkampf jener Jahre stehen Komtur und Orden auf der Seite der Anhänger von Juana la Beltraneja, die gegen die Partei Isabellas um die Krone streiten. Der Komtur drängt den jungen Großmeister, gegen die Stadt Ciudad Real zu ziehen, die zu Ferdinand und Isabella hält.

Im Dorf selbst missbraucht Fernán Gómez seine Stellung. Er bedrängt die Frauen und behandelt die Bauern wie Untertanen ohne Rechte. Besonders verfolgt er Laurencia, die Tochter des Bürgermeisters Esteban. Laurencia aber liebt den Bauern Frondoso. Als der Komtur sie im Wald überfällt, tritt Frondoso dazwischen, greift zur Armbrust des Komturs und vertreibt ihn – eine Tat, die der mächtige Herr ihm nicht verzeiht.

Trotz der Drohungen wollen Laurencia und Frondoso heiraten. Mitten in die Hochzeitsfeier platzt der Komtur mit seinen Leuten. Er lässt Frondoso festnehmen und schleppt Laurencia gewaltsam fort. Diese Schandtat bringt das Fass zum Überlaufen. Während die Männer des Dorfes noch beraten, tritt Laurencia, geschunden und außer sich, vor die Versammlung und hält ihnen ihre Feigheit vor. Ihre Worte entfachen den Aufstand: Das ganze Dorf, Männer wie Frauen, stürmt zum Haus des Komturs und erschlägt Fernán Gómez.

Die Nachricht von der Tötung gelangt an die Katholischen Könige. Ferdinand schickt einen Richter, der den Schuldigen finden soll. Dieser lässt die Dorfbewohner verhören und sogar foltern – Männer, Frauen, Greise und Kinder. Doch auf die immer gleiche Frage, wer den Komtur getötet habe, geben alle dieselbe Antwort: „Fuenteovejuna." Wer das sei? „Das ganze Dorf, wie ein Mann." Niemand verrät einen Einzelnen, weil sich das Dorf vorab geschworen hat, gemeinsam einzustehen.

Da der Richter keinen einzelnen Täter ermitteln kann, wird der Fall vor die Könige gebracht. Diese begreifen, dass der Komtur durch seine Tyrannei selbst Anlass gegeben hat. Sie verzichten auf Strafe und nehmen das Dorf unter ihren Schutz und ihre unmittelbare Herrschaft. Auch der junge Großmeister von Calatrava kehrt reuig zur Sache Isabellas zurück. Das Stück schließt mit einem festlichen, glücklichen Ende: Jubel auf die Könige und Rufe gegen die Gewaltherrschaft. Das Volk hat sein Recht nicht durch einen Umsturz, sondern durch seinen Zusammenhalt erlangt – im Vertrauen darauf, dass die königliche Macht die Tat billigen werde.

Stil

Das Auffälligste an dem Werk ist sein Held: Nicht eine einzelne Person trägt das Drama, sondern eine ganze Gemeinschaft. Mit diesem kollektiven Helden steht das Stück in einer Reihe mit anderen klassischen Dramen, in denen ein ganzes Gemeinwesen im Mittelpunkt steht. Aufgebaut ist es nach Art der spanischen comedia in drei Akten.

Lope verknüpft zwei Ebenen miteinander. Die eine ist das Geschehen im Dorf mit dem Dreieck aus dem Komtur Fernán Gómez, der Bäuerin Laurencia und ihrem Geliebten Frondoso. Die andere ist die große Politik um den spanischen Thron. So wird das private Unrecht an einer jungen Frau mit dem Ringen zweier Königsparteien verbunden. Neben den ernsten Figuren steht mit dem Bauern Mengo eine komische Gestalt, die für heitere Auflockerung sorgt.

Die Sprache reicht vom derben Alltagston der Bauern bis zu feierlichen Reden. Berühmt geworden ist der knappe Wechsel zwischen dem fragenden Richter und dem antwortenden Dorf, in dem die immer gleiche Antwort „Fuenteovejuna" fällt. In dieser Wiederholung verdichtet sich die Grundidee des Stücks: die Kraft der Solidarität, einer ebenso alten wie friedlichen Waffe, mit der sich das Volk gegen jede Übermacht behauptet.

Rezeption

Über die Jahrhunderte ist das Werk zu einem Sinnbild geworden – zum Musterfall des Volkes, das sich gegen Unterdrückung und Willkür zusammenschließt. Diese Deutung hat dem Stück eine Wirkung verschafft, die weit über seine Entstehungszeit hinausreicht.

Auf den Bühnen ist es bis heute lebendig geblieben. Im 20. Jahrhundert gab es zahlreiche Aufführungen, vor allem am Teatro Español in Madrid. Eine Bearbeitung stammt von Ramón María del Valle-Inclán. Federico García Lorca brachte das Stück auf die Bühne – mit La Barraca für das Landpublikum sowie in einer Theaterproduktion am Teatro Español 1935 mit Margarita Xirgu und Enrique Borrás. Spätere Inszenierungen verbanden sich mit Namen wie José Tamayo, José Osuna und Adolfo Marsillach; auch im 21. Jahrhundert wurde es immer wieder neu einstudiert.

Besonders eng ist das Werk mit dem Ort verbunden, der ihm den Namen gibt: In Fünte Obejuna selbst wird es seit Jahrzehnten regelmäßig gespielt, wobei die Einwohner des Dorfes als Darsteller mitwirken. 1972 entstand eine Fernsehfassung in einer Zusammenarbeit der Sender TVE und RAI. Der Stoff wirkte auch über das Sprechtheater hinaus: In der Sowjetunion schuf Wachtang Tschabukiani 1939 das Ballett Laurencia mit Musik von Alexander Krein, das auf dem Drama beruht.

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