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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Frühstück bei Tiffany
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Cover Frühstück bei Tiffany
Frühstück bei Tiffany
1958
– Werkseintrag –

Frühstück bei Tiffany

1958 · Drama

Ein mittelloses Partygirl bezaubert die New Yorker Upper East Side mit unverschämtem Charme – und verbirgt dabei sorgfältig, woher es eigentlich kommt.

Überblick↑

Der Kurzroman Frühstück bei Tiffany von Truman Capote erschien 1958. Im Mittelpunkt steht die neunzehnjährige Holly Golightly, ein exzentrisches Partygirl im New York der Upper East Side. Erzählt wird die Geschichte von ihrem Nachbarn, der sie wegen ihrer ansteckenden Lebendigkeit liebt und bewundert. Als reales Vorbild für die Titelfigur werden mehrere Frauen aus Capotes Bekanntenkreis genannt, unter ihnen die New Yorker Kolumnistin und Schriftstellerin Doris Lilly (1926–1991), die 1951 das Buch How to Meet a Millionaire schrieb. Eine einzelne, allgemein anerkannte Vorlage gibt es jedoch nicht.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im New York der Upper East Side schlägt sich Holly Golightly durchs Leben. Geld hat sie keines, dafür unverschämten Charme und überraschenden Einfallsreichtum. Ihre Verehrer lässt sie am ausgestreckten Arm verhungern, dreht ihnen aber trotzdem die Taschen um. Für jeden Unsinn ist sie zu haben. Ihr Nachname ist Programm: go lightly heißt so viel wie „nimm's leicht“.

Wenn sie das „rote Elend“ überkommt, geht sie auf einen Sprung zum Juweliergeschäft Tiffany an der Fifth Avenue. Es ist der einzige Ort auf der Welt, an dem sie sich wohlfühlt. Hinter der glänzenden Fassade liegt eine instabile Kindheit: Mit vierzehn Jahren war Holly bereits verheiratet. Nun plant sie, New York zu verlassen und in Brasilien einen reichen Mann zu heiraten.

Erzählt wird all das von ihrem Nachbarn, der zugleich ihr Freund ist. Er ist es, der die Wahrheit über ihre sorgfältig versteckte Herkunft ans Licht bringt. Und er ist am Ende der Einzige, der wirklich zu ihr steht.

Die Handlung im Detail↑

Vollkommen mittellos, aber tapfer bewegt sich Holly Golightly durch das New Yorker Leben an der Upper East Side. Ihre Verehrer hält sie hin und lebt zugleich von deren Geld. Überkommt sie das „rote Elend“, sucht sie das Juweliergeschäft Tiffany an der Fifth Avenue auf, den einzigen Ort, an dem sie zur Ruhe kommt.

Hollys Kindheit war instabil, mit vierzehn Jahren wurde sie verheiratet. Ihr Plan für die Zukunft heißt Brasilien: Dort will sie einen reichen Mann heiraten und New York hinter sich lassen. Dann trifft ein Brief ein. Ihr Bruder Fred ist beim Militär ums Leben gekommen. Holly zerstört daraufhin ihre Wohnung.

Kurz darauf gerät sie in Verdacht, für den Mafia-Boss Sally Tomato gearbeitet zu haben. Sie hatte ihn gegen Bezahlung jeden Donnerstag im Gefängnis Sing Sing besucht. Holly wird für kurze Zeit verhaftet. Die geplante Heirat in Brasilien platzt: Ihr Verlobter bekleidet ein wichtiges politisches Amt und will keine Frau, die derart öffentliches Interesse auf sich zieht. Holly hält trotzdem an Südamerika fest, um dort ein neues Leben zu beginnen.

Stil↑

Als Kurzroman angelegt, erzählt Frühstück bei Tiffany aus der Sicht eines Ich-Erzählers. Es ist Hollys Nachbar, der ihr Leben beobachtet und aufzeichnet. Dadurch bleibt die Hauptfigur stets aus der Distanz betrachtet: Der Leser erfährt von ihr nur, was der Nachbar sieht und nach und nach herausfindet.

Sprechende Namen prägen das Buch. Der Nachname der Heldin, Golightly, bedeutet so viel wie „nimm's leicht“ und fasst ihre Haltung zum Leben in einem Wort zusammen. Auch das „rote Elend“, Hollys eigenes Wort für ihre dunklen Stunden, gehört zu dieser sehr persönlichen Sprache.

Rezeption↑

Die erste deutsche Übersetzung stammt von Hansi Bochow-Blüthgen. Sie erschien 1959 im Limes Verlag, gemeinsam mit drei Erzählungen Capotes. Zum Bestseller wurde die Taschenbuchausgabe des Rowohlt Verlages: Von 1962 bis 1994 kamen mehrere Auflagen mit insgesamt 317.000 Exemplaren heraus. Im Jahr 2006 legte der Verlag Kein & Aber eine Neuübersetzung von Heidi Zerning vor. 2008 folgte dort eine Sonderausgabe mit Modeskizzen von Hubert de Givenchy.

Bekannt wurde der Stoff vor allem durch die Verfilmung von 1961. Blake Edwards führte Regie, in den Hauptrollen spielten Audrey Hepburn, George Peppard und Mickey Rooney. Anders als das Buch endet der Film mit einem Happy End.

Auf der Bühne verlief es wechselhaft. In den späten 1960er Jahren wurde ein Broadway-Musical mit Mary Tyler Moore als Holly nach nur vier Voraufführungen abgebrochen; es gilt heute als einer der legendärsten Flops der Theatergeschichte. 2009 kam in London ein Theaterstück heraus, Regie führte Sean Mathias, die Hauptrolle spielte Anna Friel. Die Kritiken fielen gemischt bis negativ aus. 2013 folgte am Broadway eine neue Bühnenfassung von Richard Greenberg mit Emilia Clarke in der Hauptrolle, wieder unter der Regie von Sean Mathias.

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