1924 – 1984
Truman Capote
Kurzbiografie↑
Zu den bekanntesten Schriftstellern der USA zählt Truman Capote, der 1924 in New Orleans geboren wurde und 1984 in Los Angeles starb. Als Truman Streckfus Persons kam er zur Welt und trug erst nach der Adoption durch seinen Stiefvater den Namen Capote. Ab Mitte der 1940er-Jahre machte er sich mit preisgekrönten Kurzgeschichten einen Namen. Es folgten Romane wie Andere Stimmen, andere Räume, Frühstück bei Tiffany und Die Grasharfe. Zum weltweit beachteten Autor stieg er 1965 mit dem Tatsachenroman Kaltblütig auf, der den New Journalism und spätere nichtfiktionale Romane maßgeblich beeinflusste. Neben dem Schreiben arbeitete er als Drehbuchautor und trat gelegentlich als Schauspieler auf.
Biografie↑
Geboren wurde Truman Capote 1924 in New Orleans als Sohn von Julian Archulus „Arch“ Persons und Lillie Mae „Nina“ Faulk. Die Ehe der Eltern war unglücklich und endete 1931 mit der Scheidung. Einen großen Teil seiner Kindheit verbrachte er ab 1930 bei Verwandten seiner Mutter in Monroeville, Alabama. Dort befreundete er sich mit dem Nachbarsmädchen Harper Lee, das eineinhalb Jahre jünger war und später ebenfalls eine weltbekannte Schriftstellerin wurde.
Nachdem seine Mutter den Kubaner José Garcia „Joseph“ Capote geheiratet hatte, zog Truman im September 1932 nach New York City und besuchte dort die Trinity School. Die Familie wohnte zunächst in Brooklyn, ab Herbst 1933 am Riverside Drive in Manhattan. Am 14. Februar 1935 wurde er von seinem Stiefvater adoptiert und erhielt den Namen Truman Capote. Im Juni 1939 zog die Familie in die Kleinstadt Greenwich in Connecticut. Dort besuchte er die Greenwich High School und befreundete sich mit Phoebe Pierce. Im Januar 1940 druckte die Schülerzeitung The Green Witch erstmals eine seiner Geschichten, sie trug den Titel Parting of the Way.
Im Juni 1942 kehrte die Familie nach New York zurück und zog in die Upper East Side von Manhattan. Capote entdeckte das Theater für sich und verschaffte sich über Freundschaften mit Oona O’Neill und Gloria Vanderbilt Zugang zur High Society. Ende 1942 fand er eine Anstellung als Redaktionsgehilfe beim Magazin The New Yorker. Seine Hoffnung auf eine Veröffentlichung erfüllte sich dort nicht, und im Herbst 1943 kündigte er. Der literarische Durchbruch gelang ihm 1945, als verschiedene Zeitschriften seine Erzählungen druckten, darunter Miriam und Baum der Nacht. Das verdankte er vor allem George Davis, dem Herausgeber von Harper’s Bazaar und Mademoiselle. Als wichtigster Nachwuchsautor seiner Generation gelobt, erhielt er 1946 für Miriam und 1948 für Schließ die letzte Tür den O.-Henry-Preis.
Durch Vermittlung der Schriftstellerin Carson McCullers schloss Capote 1945 einen Vertrag mit dem Verlag Random House für seinen ersten Roman Andere Stimmen, andere Räume. Den größten Teil des Buches schrieb er 1946 in der Künstlerkolonie Yaddo in Saratoga Springs. Dort begann er eine Affäre mit dem 24 Jahre älteren Literaturprofessor Newton Arvin. Das Romandebüt des gerade 23-Jährigen wurde eine literarische Sensation, spaltete jedoch die Kritiker und war 1948 in den USA und Europa das meistdiskutierte Buch. Capote bekannte sich öffentlich zu seiner Homosexualität, beendete die Affäre mit Arvin und verbrachte die folgenden drei Jahrzehnte mit dem Schriftsteller Jack Dunphy. Sein zweiter Roman Die Grasharfe erntete uneingeschränktes Lob; die Kritik verglich sein Talent mit dem anderer Südstaaten-Autoren wie Carson McCullers und William Faulkner.
In den 1950er-Jahren reiste Capote längere Zeit durch Europa und versuchte sich an Drehbüchern, Musicals und Reisebeschreibungen. Im Mai 1956 zog er nach Brooklyn Heights in das Haus des befreundeten Szenenbildners Oliver Smith, wo er bis 1965 lebte, extravagante Partys gab und einige seiner bekanntesten Werke schrieb. Nach dem weltweiten Erfolg von Frühstück bei Tiffany reiste er im November 1959 mit Harper Lee in die Kleinstadt Holcomb in Kansas, um über die Morde an dem Farmer Herbert W. Clutter und seiner Familie zu recherchieren. Der Fall beschäftigte ihn über sechs Jahre. Aus dem Stoff schuf er Kaltblütig, einen der bekanntesten Tatsachenromane, der dem New Journalism zugeordnet wird. 1965 erwarb er ein Appartement in Turtle Bay in Manhattan, wo er den Rest seines Lebens verbrachte. Das Buch wurde 1966 zum Bestseller und löste eine Medienlawine aus. Ihren Höhepunkt fand sie im legendären Black and White Ball, den Capote am 28. November 1966 im Plaza Hotel ausrichtete.
Nach dieser Arbeit war Capote im Alter von 42 Jahren schöpferisch erschöpft. 1972 tourte er mit den Rolling Stones durch die USA und begann eine nie beendete Reportage über die Band. Er wurde alkohol- und drogenabhängig, hatte zahlreiche Affären, erlitt Nervenzusammenbrüche und musste mehrfach ins Gefängnis. 1975 erschien im Esquire-Magazin das erste Kapitel seines lange angekündigten Schlüsselromans Erhörte Gebete. Darin enthüllte er Geheimnisse der High Society, was mit zum Suizid der porträtierten Millionärswitwe Ann Woodward führte. Die Indiskretionen zerstörten jahrzehntelange Freundschaften und brachten ihm gesellschaftliche Ächtung ein. 1979 gelang es ihm noch einmal, mehrere Geschichten zu schreiben, darunter Geblendet und die Novelle Handgeschnitzte Särge. Sie erschienen 1980 im Sammelband Musik für Chamäleons.
Seine letzten Jahre waren von Halluzinationen, Krankenhaus- und Sanatoriumsaufenthalten geprägt. Im Juli 1984 flog er nach Los Angeles, um seine langjährige Vertraute Joanne Carson zu besuchen. In deren Villa im Stadtteil Bel Air starb er am 25. August 1984 im Alter von 59 Jahren. Als Todesursache wurde ein Leberschaden mit Komplikationen genannt. Sein Leichnam wurde eingeäschert. Postum erschienen weitere Texte: 1987 das Fragment Erhörte Gebete, 2004 tauchte bei Sotheby’s das vollständige Manuskript seines ersten Romans Sommerdiebe auf, den er 1943 mit neunzehn Jahren begonnen hatte. 2015 erschienen unter dem Titel Wo die Welt anfängt frühe Gedichte und Geschichten aus seinem Nachlass.
Literarische Merkmale↑
Bekannt wurde Capote zunächst als Verfasser preisgekrönter Kurzgeschichten, ehe er sich dem Roman zuwandte. Für sein Frühwerk erhielt er zweimal den O.-Henry-Preis. Die Kritik ordnete ihn den Autoren der amerikanischen Südstaaten zu und verglich sein Talent mit dem von Carson McCullers und William Faulkner. Seine größte Wirkung entfaltete er mit dem Tatsachenroman Kaltblütig: Aus jahrelanger Recherche über einen realen Mordfall formte er eine Erzählung im Reportagestil des New Journalism. Damit prägte er eine Form, die wahre Begebenheiten mit den Mitteln des Romans schildert und spätere nichtfiktionale Romane beeinflusste. Daneben arbeitete er an Drehbüchern, Musicals und Reisebeschreibungen.
Rezeption↑
Schon als junger Autor galt Capote als wichtigster Nachwuchsschriftsteller seiner Generation. Sein Romandebüt Andere Stimmen, andere Räume wurde eine literarische Sensation, spaltete jedoch die Kritiker und war 1948 in den USA und Europa das meistdiskutierte Buch des Jahres. Die Grasharfe fand dagegen uneingeschränktes Lob. Mit Kaltblütig stieg er 1965 zu einem der bekanntesten Schriftsteller der USA auf; das Buch wurde ein Bestseller und löste eine große mediale Aufmerksamkeit aus. Sein öffentliches Ansehen litt später unter den Indiskretionen aus Erhörte Gebete, die ihm den Bruch langjähriger Freundschaften und gesellschaftliche Ächtung einbrachten. Auch nach seinem Tod blieb sein Werk präsent: 1988 veröffentlichte Gerald Clarke eine von Capote autorisierte Biografie, und mehrere nachgelassene Texte erschienen posthum.
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