1724 – 1763
Cao Xueqin
Kurzbiografie↑
Cao Xueqin gehört zu den bedeutendsten Erzählern der chinesischen Literatur. Bekannt wurde er durch ein einziges Buch: den Roman Der Traum der roten Kammer, der Eingang in die Weltliteratur gefunden hat. Er stammte aus einer wohlhabenden Familie, die unter kaiserlicher Ungnade ihr Vermögen verlor. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in Armut im Westen von Peking. Als er 1763 starb, war sein Werk unvollendet; erst Jahrzehnte später erschien es in einer von fremder Hand ergänzten Fassung.
Biografie↑
Über das Geburtsjahr Cao Xueqins herrscht keine Einigkeit. Wikidata nennt den 12. Juli 1724, die Deutsche Nationalbibliothek dagegen 1719. In der Forschung wird die Geburt allgemein zwischen 1715 und 1724 angesetzt. Als Geburtsort gilt Nanjing. Auch das Todesjahr 1763 wird in der Literatur mit einem Fragezeichen versehen, obwohl es die verbreitete Angabe ist.
Cao stammte aus einer han-chinesischen Familie, die in das mandschurische Bannersystem eingegliedert worden war. Sein Großvater Cao Yin galt als Weggefährte und Vertrauter des Qing-Kaisers Kangxi. Diese Nähe zum Hof brachte der Familie großen Wohlstand.
Das Glück wendete sich mit dem Amtsantritt von Kangxis Nachfolger Yongzheng. Im Zuge politischer Säuberungen wurden die Güter der Familie 1728 beschlagnahmt. Die Caos mussten nach Peking übersiedeln. Xueqin war damals erst neun Jahre alt.
Über sein eigenes Leben ist vergleichsweise wenig bekannt. Den größten Teil verbrachte er in großer Armut im Westen von Peking. Dort hielt er sich mit dem Verkauf eigener Bilder über Wasser. Zeitweise arbeitete er außerdem als Lehrer an einer kaiserlichen Schule für die Kinder mandschurischer Adeliger und Bannerleute.
An seinem Roman schrieb er nach Aussagen von Freunden über zehn Jahre, vermutlich in der Zeit kurz vor der Jahrhundertmitte. Vollenden konnte er ihn nicht. Bei seinem Tod 1763 waren erst 80 der geplanten 100 Kapitel geschrieben. Das Manuskript wurde später von Gao E ergänzt und 1791 in einer Fassung mit 120 Kapiteln herausgegeben. Cao starb in Peking.
Literarische Merkmale↑
Sein Ruhm ruht auf einem einzigen Buch. Cao Xueqin arbeitete daran über zehn Jahre und schrieb es dennoch nicht zu Ende. Von den hundert geplanten Kapiteln lagen bei seinem Tod achtzig vor. Diese lange, geduldige Arbeit an einem einzigen großen Erzählwerk prägt sein Bild als Autor: kein vielseitiger Vielschreiber, sondern ein Erzähler, der sein ganzes Können in ein Werk legte. Neben dem Schreiben war er auch als Maler tätig und verkaufte seine Bilder, um zu überleben.
Rezeption↑
Der Roman Der Traum der roten Kammer hat Eingang in die Weltliteratur gefunden. Seine Wirkung verdankt er allerdings einer Fassung, die Cao Xueqin selbst nie zu Gesicht bekam: Gao E ergänzte das unvollendete Manuskript, und 1791 erschien der Roman mit 120 Kapiteln.
Im deutschen Sprachraum wurde das Werk zunächst durch die Übersetzung von Franz Kuhn bekannt, die 1932 im Insel Verlag erschien und immer wieder neu aufgelegt wurde. Diese Fassung ist um etwa zwei Drittel gekürzt. Eine vollständige deutsche Übersetzung legten Rainer Schwarz und Martin Woesler vor; sie erschien in drei Bänden zwischen 2007 und 2009 im Europäischen Universitätsverlag und umfasst weit über zweitausend Seiten. Einzelne Auszüge wurden daneben gesondert veröffentlicht.
Auch die Forschung hat sich dem Roman zugewandt. Ronald R. Gray veröffentlichte 2022 mit Reading Dream of the Red Chamber einen Begleitband zu Caos Hauptwerk. Die vielen Namensformen, unter denen Cao Xueqin in Bibliothekskatalogen geführt wird, zeigen, wie breit sein Werk über Sprachgrenzen hinweg wahrgenommen wurde.
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