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Werkseintrag · Traumnovelle
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Cover Traumnovelle
Traumnovelle
1926
– Werkseintrag –

Traumnovelle

1926 · Novelle

Eine kurze, traumhaft verdichtete Erzählung über ein Wiener Ehepaar, dem ein einziges offenes Gespräch über uneingestandene Wünsche den Boden unter den Füßen wegzieht.

Überblick

Die Traumnovelle gehört zu den späten und psychologisch dichtesten Erzählungen Arthur Schnitzlers. Sie erschien zunächst 1925 in Fortsetzungen in der Berliner Modezeitschrift „Die Dame". 1926 kam sie als Buch im S.-Fischer-Verlag heraus. In knapper, traumhaft verdichteter Form führt Schnitzler vor, wie unter der ruhigen Oberfläche einer bürgerlichen Ehe verdrängte Wünsche, Eifersucht und Begierden aufbrechen. Das schmale Werk ist heute eines seiner bekanntesten. Vor allem durch Stanley Kubricks Verfilmung Eyes Wide Shut ist es einem weltweiten Publikum vertraut.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt stehen der Wiener Arzt Fridolin und seine Frau Albertine. Nach außen führen sie eine harmonische Ehe. Doch ein offenes Gespräch über uneingestandene Sehnsüchte bringt beide aus dem Gleichgewicht. Was sich an erotischen Wünschen, Phantasien und Eifersuchtsregungen lange unter der Oberfläche gehalten hat, drängt nun hervor. Fridolin verlässt das eheliche Schlafzimmer und begibt sich nachts durch ein winterliches Wien. Er gerät in eine Welt, die ihm vertraut schien und doch fremd wird. Parallel dazu wird Albertine von eigenen, ebenso aufwühlenden Erfahrungen heimgesucht. Schnitzler erzählt diese Bewegung zwischen Wachen und Traum, zwischen Wirklichkeit und Einbildung als Entdeckungsreise eines Mannes in sich selbst. Zugleich ist sie eine Probe auf eine Ehe, die plötzlich gefährdet erscheint.

Die Handlung im Detail

Hinter der scheinbar harmonischen Ehe des Wiener Arztes Fridolin und seiner Frau Albertine entdeckt das Paar nach und nach, dass beide von ungestillten erotischen Begierden und Träumen heimgesucht werden. In wechselseitigen Geständnissen erkennen sie, dass jeder von ihnen längst an die Möglichkeit gedacht hat, dem anderen untreu zu werden. Diese Eröffnung erschüttert die vertraute Ordnung ihres Zusammenlebens und treibt eine wachsende Entfremdung zwischen die Eheleute. Aus dieser Spannung entwickelt sich eine Ehekrise, in der Wachzustand und Traum, äußere Erlebnisse und innere Bilder kaum noch zu trennen sind.

Fridolin durchlebt eine Reihe von Begegnungen, in denen er den Versuchungen seiner verdrängten Wünsche nachgeht; Albertine durchlebt das Ihre im Traum. Beide Erfahrungen sind weniger als äußere Handlung zu verstehen denn als Abstieg in die Tiefen der eigenen Psyche. Die Novelle ist reich an psychologischer Metaphorik und an Symbolen, die das Unbewusste der beiden Figuren in Bildern sichtbar machen.

Am Ende stehen Fridolin und Albertine vor der Aufgabe, sich über das Erlebte und Geträumte auszusprechen. In dieser abschließenden Aussprache erkennen sie, wie sehr ihre Beziehung durch das Unbewusste gefährdet ist – und zugleich, dass gerade das offene Eingeständnis dieser Gefährdung der Weg ist, sie zu bewältigen.

Stil

Schnitzler erzählt die Geschichte in einer verdichteten, geradezu kammermusikalisch komponierten Prosa. Innere Vorgänge, Traumbilder und äußere Wahrnehmungen verschränken sich so eng, dass die Grenze zwischen Wirklichem und Geträumtem fließend bleibt. Die Sprache ist genau und klar und doch von einer ständigen Atmosphäre des Doppelbödigen, in der jedes Detail symbolisch aufgeladen wirkt. Die kurze Form der Novelle ist dabei kein Zufall. Sie zwingt das Geschehen in einen engen Zeit- und Bilderrahmen und erhöht so die innere Spannung zwischen Bürgerlichkeit und Abgrund.

Rezeption

Die Traumnovelle ist über die Jahrzehnte zu einem der bekanntesten Werke Schnitzlers geworden. Ihre besondere Wirkung verdankt sie auch ihrer Nachgeschichte im Film. Bereits 1969 entstand eine Fernsehverfilmung unter der Regie von Wolfgang Glück. 1989 folgte eine italienische Adaption von Mario Bianchi. Weltweite Aufmerksamkeit erhielt die Novelle schließlich 1999 durch Stanley Kubricks letzten Film Eyes Wide Shut, der den Stoff in das New York der Gegenwart verlegte. Noch 2024 hat Florian Frerichs den Text erneut verfilmt. Diese Reihe von Adaptionen zeigt, wie lebendig die Novelle bis heute geblieben ist.

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