Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Werkseintrag · Topaze
Eingang · Werke · Topaze
Cover Topaze
Topaze
1930
– Werkseintrag –

Topaze

1930 · Komödie

Ein bescheidener Schullehrer verliert seine Stelle, weil er zu ehrlich ist – doch entdeckt in der Welt der käuflichen Geschäfte eine ganz neue Zufriedenheit.

Überblick↑

Das Bühnenstück Topaze ist eine Komödie in vier Akten von Marcel Pagnol. Es wurde am 9. Oktober 1928 am Théâtre des Variétés in Paris uraufgeführt. Im Mittelpunkt steht ein bescheidener Schullehrer von tadelloser Rechtschaffenheit, der wegen ebendieser Ehrlichkeit entlassen wird. Vom schlechten Beispiel seiner Umgebung beeinflusst, gerät er allmählich in die Welt der zweifelhaften Geschäfte – und findet dort zu einer neuen, wenig ehrenwerten Zufriedenheit. Das Werk verbindet die heitere Sittenkomödie mit einer scharfen Satire auf Geld, Käuflichkeit und die Selbsttäuschung des braven Bürgers.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Herr Topaze ist ein bescheidener Lehrer an einer Privatschule. Er nimmt seinen Beruf mit sittlichem Ernst und lebt von einem kargen Gehalt. Heimlich liebt er Ernestine, die Tochter des Schuldirektors Muche, die ihn geschickt für sich einspannt und ihn Hefte korrigieren oder Schüler beaufsichtigen lässt. Der gutgläubige Topaze deutet das als Zuneigung. Seinen Freund und Kollegen Tamise bittet er, beim Vater vorsichtig für eine Heirat vorzufühlen.

In die Schule tritt eine elegante junge Frau, Suzy Courtois, deren Neffe bei Topaze Nachhilfe erhält. Zugleich gerät der Lehrer in Bedrängnis, weil er sich weigert, eine falsche Zensur in ein Zeugnis zu schreiben – seine Ehrlichkeit wird ihm zum Verhängnis. Aus dieser Wendung heraus zieht ihn ein einflussreicher, wenig gewissenhafter Stadtrat samt seiner Geliebten in ein Geschäft, dessen wahre Natur der naive Topaze zunächst gar nicht durchschaut. So beginnt sein Weg aus dem Klassenzimmer in eine ihm völlig fremde Welt.

Die Handlung im Detail↑

Der erste Akt spielt an der Privatpension des Direktors Muche. Topaze, ein rechtschaffener und schlecht bezahlter Lehrer, liebt Ernestine, Muches Tochter, die ihn für ihre Arbeiten einspannt, was er treuherzig als Zeichen der Zuneigung nimmt. Er beauftragt seinen Freund Tamise, beim Vater eine Heiratsabsicht anzudeuten. Es erscheint die elegante Suzy Courtois, Tante eines Jungen, dem Topaze außerhalb der Schule Unterricht gibt; sie will das Kind anmelden, ändert nach der Besichtigung aber ihre Meinung. Kurz darauf weigert sich der ehrliche Topaze, im Zeugnis des Sohnes einer Baronin trotz Drängen des Direktors einen erfundenen Fehler einzutragen. Als Tamise unbedacht auch noch Muche von Topazes Heiratsabsicht erzählt, entlässt der empörte Direktor den Lehrer.

Im zweiten Akt gibt Topaze seinem Schüler eine Stunde im Hause Suzy Courtois'. Sie ist die Geliebte des Stadtrats Régis Castel-Bénac, der dank seiner Stellung einträgliche, aber zweifelhafte Geschäfte betreibt, von denen Suzy reichlich profitiert. Als Roger, der bisherige Strohmann Castel-Bénacs, einen größeren Anteil verlangt und abgewiesen wird, schlägt Suzy vor, den arglosen Topaze einzusetzen. Ohne Argwohn nimmt dieser die Stellung als Direktor einer neuen Geschäftsagentur an und unterschreibt Papiere an Castel-Bénacs Stelle. Als Roger ihm die wahre Natur der Geschäfte begreiflich macht, redet Suzy ihm die Anzeige aus: Castel-Bénac zwinge sie zur Mittäterschaft. Um Suzy zu „retten“, schweigt Topaze und gibt sich vor dem Stadtrat freundlich.

Der dritte Akt zeigt Topaze als Leiter eines Geschäftsbüros, doch die glänzende Lage macht ihn keineswegs glücklich. Überzeugt, dass Geld nicht glücklich mache, plagt ihn das Gewissen, und er fürchtet ständig die Verhaftung. Zudem hat er erkannt, dass Suzy nicht das Opfer, sondern die Geliebte und Komplizin Castel-Bénacs ist. Dennoch gesteht er Suzy seine Liebe, die aber nur seine Freundschaft sucht. Muche und Ernestine, die sich dem einst verschmähten, nun interessant gewordenen Mann anbieten, weist er ab. Er ist nicht länger getäuscht, dient Castel-Bénac aber weiter als Strohmann.

Im vierten Akt wirft Suzy Castel-Bénac vor, sie von seinem neuen Geschäft fernzuhalten; in Wahrheit hat Topaze dieses Geschäft allein aufgezogen. Elegant und selbstsicher geworden, kündigt er Castel-Bénac an, künftig auf eigene Rechnung große Geschäfte zu betreiben. Es kommt zum Bruch, gegen den der Stadtrat nichts ausrichten kann, denn er hat keinerlei Handhabe gegen seinen früheren Strohmann. Auch Suzy trennt sich von Castel-Bénac und wird Topazes Geliebte. Zuletzt besucht ihn sein ehrlich gebliebener Freund Tamise. Zunächst entsetzt und betrübt, dass Topaze vom Geld verdorben ist, schlägt Tamise dessen Angebot, künftig mit ihm zu arbeiten, am Ende doch nicht aus.

Stil↑

Angelegt ist das Werk als Komödie in vier Akten, deren Aufbau von Akt zu Akt sichtbar strafft: einem breiten ersten Akt mit siebzehn Szenen folgen elf, dann zehn und schließlich nur noch vier Szenen. Diese Verknappung spiegelt den Weg der Hauptfigur, die vom umständlichen Schulalltag in die rasch abgewickelte Welt der Geschäfte gerät. Der Reiz liegt im Kontrast zwischen der treuherzigen Sprache des Lehrers und der abgebrühten Redeweise seiner Umgebung. Aus der heiteren Sittenkomödie wird so eine Satire, die den scheinbar wohlanständigen Aufstieg als moralischen Abstieg vorführt.

Rezeption↑

Die Komödie zählt zu den bekanntesten Bühnenwerken Marcel Pagnols und wurde vielfach für die Leinwand bearbeitet. Pagnol selbst verfilmte den Stoff mehrfach, unter anderem 1936 und 1951. 1933 entstand eine Fassung unter der Regie von Harry d'Abbadie d'Arrast. 1961 folgte die englischsprachige Verfilmung Mr. Topaze, bei der Peter Sellers Regie führte und die Titelrolle spielte. Darüber hinaus wurde der Stoff für das Fernsehen adaptiert. Die anhaltende Reihe dieser Bearbeitungen zeigt, wie lebendig die Figur des ehrlichen Lehrers, der zum gewieften Geschäftsmann wird, über Jahrzehnte geblieben ist.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten