1895 – 1974
Marcel Pagnol
Kurzbiografie↑
Als Schriftsteller, Dramatiker und Regisseur zählt Marcel Pagnol zu den bekanntesten Chronisten der Provence. Geboren 1895 in Aubagne, machte er sich zunächst mit Bühnenstücken über die Menschen seiner Heimatstadt Marseille einen Namen und wandte sich in den 1930er Jahren dem Film zu, wo er einige Klassiker des französischen Kinos schuf. In seinen späten Jahren kehrte er zur Literatur zurück und schrieb die autobiografische Romanreihe Souvenirs d'enfance, die in Frankreich bis heute zur Schullektüre gehört. 1946 wurde er in die Académie française gewählt. Er starb 1974 in Paris.
Biografie↑
Geboren wurde Marcel Pagnol am 28. Februar 1895 in Aubagne im Département Bouches-du-Rhône. Sein Vater Joseph Pagnol war Grundschullehrer, seine Mutter Pauline Henriette Lansot, genannt Augustine, arbeitete als Schneiderin. 1898 kam sein Bruder Paul zur Welt, 1902 seine Schwester Germaine und 1909 ein weiterer Bruder, René. Bald nach dessen Geburt starb die Mutter an einem Lungenleiden.
Pagnol wuchs in der Provence auf, ab 1904 in Marseille. Zunächst wollte er Englischlehrer werden. Er besuchte das Gymnasium von Thiers und erwarb später einen Hochschulabschluss an der Universität Aix-en-Provence. 1915 wurde er wegen schwächlicher Konstitution vom Kriegsdienst befreit. 1916 heiratete er Simone Collin. Der Erfolg seiner frühen Bühnenstücke ließ ihn schließlich eine Laufbahn als Dramaturg einschlagen.
Von 1927 an lebte Pagnol als freier Schriftsteller. Sein Privatleben war bewegt: Aus einer Liaison mit Kitty Murphy ging ein Sohn, Jacques, hervor. Einer Beziehung mit Orane Demazis entstammte der 1933 geborene Sohn Jean Pierre. 1935 kam mit Francine sein drittes Kind zur Welt, deren Mutter Yvonne Pouperon war. Erst 1941 ließ sich Pagnol von seiner ersten Frau scheiden. 1932 lernte er den Schriftsteller Jean Giono kennen, von dem er mehrere Werke adaptierte.
Im Jahr nach der Scheidung verkaufte Pagnol sein Filmstudio. 1944 wurde er Präsident der Société des Auteurs et Compositeurs Dramatiques. 1945 heiratete er Jacqueline Bouvier, ein Jahr später kam der gemeinsame Sohn Frédéric zur Welt. Ebenfalls 1946 wurde Pagnol Mitglied der Académie française. 1951 wurde die Tochter Estelle geboren, die jedoch schon 1954 starb. Im selben Jahr 1951 starb auch sein Vater Joseph, der zum Helden seiner autobiografischen Bücher wurde.
Bekannt wurde Pagnol am Petit Théâtre de Paris mit den Stücken Marius (1929), Fanny (1931) und César (1936), die von den Menschen seiner Heimatstadt Marseille erzählen. Diese Stücke wurden auch für das Kino adaptiert, und so widmete sich Pagnol während der 1930er Jahre überwiegend dem Film. Es entstanden weitere Klassiker des französischen Kinos, darunter Angèle (1934), Das Mädchen und der Scherenschleifer (1937) und Die Frau des Bäckers (1938). Daneben verfasste er das Theaterstück Topaze (1928) und den Roman L'Eau des collines (1963, deutsch Die Wasser der Hügel).
Zwischen 1957 und 1959 erschien seine autobiografische Romantrilogie Souvenirs d'enfance, auf Deutsch unter dem Titel Eine Kindheit in der Provence. 1977 folgte posthum ein vierter Teil, Le Temps des Amours (Die Zeit der Liebe). Pagnol war zudem Honorarkonsul von Portugal und Monaco. Er starb 1974 und wurde, wie ein großer Teil seiner Familie, in La Treille begraben, dem Ort, der seine Kindheit prägte. In der dortigen Hügellandschaft der Collines du Garlaban spielen seine bekanntesten Romane und Filme; man nennt sie auch „Collines de Pagnol“. Neben Frédéric Mistral und Jean Giono gilt er als Schriftsteller der Provence.
Literarische Merkmale↑
Pagnols Werk kreist beharrlich um die Landschaft und die Menschen seiner südfranzösischen Heimat. In seinen Bühnenstücken über Marseille wie in den Filmen und Romanen stehen die Provence und ihre Bewohner im Mittelpunkt. Aus dem Theater kommend, fand er früh den Weg zum Film und übertrug seine Bühnenstoffe erfolgreich auf die Leinwand.
Seine autobiografischen Bücher schöpfen unmittelbar aus der eigenen Kindheit. Der Vater Joseph, der Grundschullehrer, wurde darin zur Heldenfigur. Die Hügellandschaft um La Treille bildet den wiederkehrenden Schauplatz seiner bekanntesten Erzählungen.
Rezeption↑
Bereits mit seinen frühen Stücken erreichte Pagnol ein breites Publikum, und die Verfilmungen machten ihn zu einem der prägenden Namen des französischen Kinos. Sein Film Die Frau des Bäckers wurde 1940 mit dem New York Film Critics Circle Award als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet. Das Stück Fanny wurde später als gleichnamiges Musical am Broadway aufgeführt. 1946 wurde Pagnol in die Académie française gewählt.
Seine autobiografische Trilogie gehört seit Jahrzehnten zur Standardlektüre französischer Schüler und begründete seine bis heute ungebrochene Popularität in Frankreich. Die Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, ins Deutsche durch Pamela Wedekind. 1990 verarbeitete Yves Robert die Kindheitserinnerungen zu zwei Kinofilmen, Der Ruhm meines Vaters und Das Schloss meiner Mutter. Claude Berri verfilmte 1986 den Roman L'Eau des collines in zwei Teilen als Jean de Florette und Manons Rache. 2025 setzte Sylvain Chomet Pagnol mit dem biografischen Trickfilm Marcel et Monsieur Pagnol ein cineastisches Denkmal.
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