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Porträt Alexandros Papadiamantis
Alexandros Papadiamantis
1851 – 1911
– Autorenporträt –

Alexandros Papadiamantis

1851 – 1911 · 59 Jahre

Griechischer Erzähler der Insel Skiathos, dessen „Mörderin“ zum Kanon der neugriechischen Literatur zählt – ein tiefreligiöser Einzelgänger, den seine Zeitgenossen den „weltlichen Mönch“ nannten.

Kurzbiografie↑

Auf der Insel Skiathos verbrachte Alexandros Papadiamantis (1851–1911) fast sein ganzes Leben, und diese Insel wurde zugleich der Schauplatz seines literarischen Werks. Bekannt wurde er vor allem durch seine rund 170 Erzählungen, in denen er das einfache Leben und die Menschen seiner Heimat schilderte. Seine bekannteste Erzählung, Die Mörderin, zählt zum Kanon der neugriechischen Literatur. Zeitlebens blieb er arm, tiefreligiös und zurückgezogen; seine Zeitgenossen nannten ihn den „weltlichen Mönch“.


Biografie↑

Geboren wurde Papadiamantis am 4. März 1851 auf der Insel Skiathos. Von 1856 bis 1862 besuchte er dort die Volksschule. Danach unterbrach er seine Ausbildung für drei Jahre und verließ 1865 zum ersten Mal seine Heimatinsel, um auf Skopelos zur Schule zu gehen. In den Jahren zuvor hatte er regelmäßig seinem Vater in der Messe assistiert, erste Verse geschrieben und gemalt. 1866 schloss er die Mittelschule auf Skopelos mit „sehr gut“ ab. Ein Jahr später schrieb er sich für das Gymnasium in Chalkida ein, wo er einen ersten Romanversuch unternahm. Bereits 1868 brach er die Schule wegen Auseinandersetzungen mit seinem Religionslehrer erneut ab, kehrte aber im Jahr darauf zurück und legte erfolgreich Prüfungen ab.

Als Achtzehnjähriger ging er 1869 nach Athen und setzte am Gymnasium in Piräus seine Ausbildung fort. Sein Vater finanzierte den Aufenthalt und gab ihm Empfehlungsschreiben mit, damit er leichter eine Anstellung fände. Vermutlich beschloss Papadiamantis jedoch, diese nicht einzusetzen, und reiste nach Skiathos zurück. Er widersetzte sich dem Wunsch seines Vaters, eine Priesterlaufbahn einzuschlagen, und wollte stattdessen Schriftsteller werden. 1872 führte ihn eine Pilgerreise für mehrere Monate auf den Berg Athos. Im Jahr darauf war er wieder in Athen, setzte seine Ausbildung fort und gab Privatunterricht, um seine angespannte finanzielle Lage zu verbessern. Aus dem Jahr 1874 stammt sein ältester erhaltener literarischer Text, ein Gedicht für seine Mutter. Er beendete die Schule mit der Note „gut“ und begann ein Philologie-Studium an der Philosophischen Fakultät in Athen, das er nicht abschloss. Ein Studienkollege war Georgios Vizyinos.

In Athen lernte Papadiamantis Englisch und Französisch und hielt sich als Privatlehrer über Wasser. Immer wieder musste er seinen Vater um Geld bitten, zu dem das Verhältnis gespannt blieb. 1878 veröffentlichte er anonym seine erste Artikelreihe in der Zeitschrift Efimerís. 1879 erschien sein erster historischer Roman Die Migrantin als Fortsetzungsgeschichte in der Konstantinopler Zeitschrift Neologos. 1880 wurde er zum Militär einberufen und diente etwa zehn Monate bis 1881. Danach veröffentlichte er immer häufiger literarische Texte und fand 1882 eine Anstellung als Übersetzer. Mit dem historischen Roman Die Zigeunertochter hatte er 1884 einen Erfolg; das Buch wurde auch ins Italienische übersetzt. Ein vollständiger Durchbruch blieb ihm dennoch verwehrt: Bis zu seinem Lebensende hielt er nie ein gedrucktes Buch von sich selbst in den Händen.

Ab etwa 1886 mied Papadiamantis die Öffentlichkeit und zog die Gesellschaft einfacher Menschen vor. 1887, als er sich zunehmend religiösen Themen zuwandte und sich auch als Kantor betätigte, veröffentlichte er seine erste Erzählung. Seinen kargen Lebensunterhalt verdiente er mit wechselnden und nie langfristigen Engagements als Journalist, Schriftsteller und Übersetzer; etwa 40 Romane übertrug er ins Griechische. Seine Familie auf Skiathos konnte er finanziell nicht unterstützen. Als ein Kritiker seine erzählerischen Fähigkeiten mit denen von Edgar Allan Poe und Charles Dickens verglich, antwortete er 1891: „Ich ähnle weder Poe, noch Dickens, noch Shakespeare, noch Béranger. Ich ähnle mir selbst. Genügt dies nicht?“

1895 starb sein Vater. 1897 hielt sich Papadiamantis für längere Zeit auf Skiathos auf. 1899 erschien in der Zeitschrift Téchni ein Artikel von Kostis Palamas über ihn. Von 1902 bis 1904 verbrachte er zwei volle Jahre auf der Insel, schrieb fortwährend Erzählungen und beschäftigte sich mit Übersetzungen. 1903 veröffentlichte er in der Zeitschrift Panathínäa sein bekanntestes Werk, Die Mörderin. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends. 1906 erlitt er so starke Rheumaanfälle, dass er kaum mehr schreiben konnte; auch wurde er zunehmend alkoholkrank. In dieser Zeit erschienen die meisten seiner Erzählungen, und er stand auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Den Schritt zu Wohlstand und gesellschaftlicher Anerkennung vollzog er nie, sondern blieb der zurückgezogene, asketische Schriftsteller, der in Armut lebte. 1908 weigerte er sich, auf einer Feier zu seinem 25-jährigen Schriftstellerjubiläum zu erscheinen. Ein letztes Mal ging er nach Skiathos und blieb dort bis zu seinem Tod. Ende Oktober 1910 erkrankte er an einer Lungenentzündung und starb in der Nacht vom 2. auf den 3. Januar 1911. Papadiamantis blieb unverheiratet und kinderlos.


Literarische Merkmale↑

Nach einigen Gedichten, drei historischen Romanen und einer Novelle schrieb Papadiamantis fast nur noch Erzählungen. Zu den bekanntesten zählen Rings um den See (1892), Traum auf der Welle (1900) und Die Mörderin (1903). Schauplatz ist fast immer seine Heimatinsel Skiathos.

Papadiamantis war ein Schriftsteller der Ethographie, also der Sittenschilderung. Diese Erzählform, realistisch oder naturalistisch und meist in ländlicher Umgebung angesiedelt, verdrängte in Griechenland am Ende des 19. Jahrhunderts den historischen Roman. Ihr Hauptaugenmerk galt den einfachen Gestalten des Volkes und ihrem Seelenleben. In seinen Erzählungen verarbeitete Papadiamantis vor allem Figuren und Landschaften seiner Heimatinsel, die, wie er selbst schrieb, alle seiner Erinnerung entstammten und nicht seiner Phantasie. Kennzeichnend für ihn sind die deutlich hervortretende Liebe zur Natur und die Zärtlichkeit gegenüber seinen Figuren.

Ein bemerkenswertes Merkmal seines Schaffens ist die Erzählsprache. Sie ist eine gemäßigte Form der Katharevousa, der griechischen Hochsprache, und verbindet sehr gelehrte mit volkstümlichen Elementen zu einer in der neugriechischen Literatur einzigartigen Gestalt. Papadiamantis gilt als letzter großer Autor der Hochsprache und zugleich als der Erste, der ihr eine Ausdruckskraft verlieh, wie sie sonst nur der Volkssprache eigen war. In den Dialogen lässt er – wie Georgios Vizyinos – die Volkssprache zu Wort kommen. Damit kündigte sich auch für die Prosa an, dass die Hochsprache aus der Literatur verschwinden würde; in der Lyrik hatte sich dieser Wandel schon seit den 1880er-Jahren vollzogen.


Rezeption↑

Bereits zu Lebzeiten fand Papadiamantis Anerkennung in literarischen Kreisen, auch wenn ihm der vollständige Durchbruch verwehrt blieb. 1899 widmete ihm Kostis Palamas einen Artikel in der Zeitschrift Téchni, 1906 schrieb sein Freund Pavlos Nirvanas über sein Leben und Werk. Ein Kritiker verglich seine erzählerischen Fähigkeiten mit denen von Edgar Allan Poe und Charles Dickens. Seine bekannteste Erzählung, Die Mörderin, zählt heute zum Kanon der neugriechischen Literatur.

Zahlreiche seiner Erzählungen wurden in mehrere Sprachen übersetzt. In deutscher Übersetzung liegen unter anderem Die Mörderin, Das Klagelied der Robbe, Unter der königlichen Eiche, Die rosenfarbenen Strände und Eine Liebe im Schnee vor. Zwei seiner Werke wurden verfilmt: Die Mörderin und Die rosenfarbenen Strände.

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