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Cover Balladen und Romanzen
Balladen und Romanzen
1822
– Werkseintrag –

Balladen und Romanzen

1822 · Ballade

In vierzehn Balladen lässt Adam Mickiewicz das Übernatürliche in vertraute Seen, Dörfer und Friedhöfe einbrechen – und begründet damit die polnische Romantik.

Überblick

Bei Ballady i romanse (Balladen und Romanzen) handelt es sich um eine Sammlung von Balladen des polnischen Dichters Adam Mickiewicz. Sie erschien 1822 in Wilna als Teil des ersten Bandes seiner Poezje (Gedichte). Die Sammlung gilt als Ausgangspunkt für die Entwicklung der Ballade in der polnischen Literatur und zugleich als Manifest der polnischen Romantik. Zugleich bleibt das Werk mit literarischen Gattungen der vorangegangenen Zeit verbunden, besonders mit der Duma, der Dumka und der Idylle.

Inhalt (ohne Spoiler)

Vierzehn Gedichte versammelt der Band, darunter die bekannten Stücke Romantyczność (Das Romantische), Świteź, Świtezianka (Die Nixe vom See Świteź) und Pani Twardowska (Frau Twardowska). Die Balladen sind fest in einer geschichtlichen und örtlichen Wirklichkeit verankert: Die Schauplätze sind genau benannt, etwa der See Świteź oder die Orte Płużyny und Ruta. In diese vertraute Welt bricht jedoch das Übernatürliche ein. Was bekannt erscheint, erweist sich plötzlich als gefährlich und geheimnisvoll, und überirdische Kräfte greifen in den Alltag ein.

Die Naturschilderungen dienen dazu, eine Stimmung des Geheimnisvollen und Schaurigen zu schaffen. Wildnis, Stille, das Rauschen des Windes, Mondlicht, ein Friedhof oder eine alte Kirche tragen dazu bei. Die Tonlage der Gedichte wechselt stark: von ernsten Stücken bis zu heiteren wie To lubię (Das gefällt mir) und der erwähnten Pani Twardowska. Wer die Sammlung liest, betritt eine Welt, in der das Alltägliche jederzeit von einer übersinnlichen Wirklichkeit durchdrungen werden kann.

Die Handlung im Detail

Insgesamt enthält der Band vierzehn Texte, die in folgender Reihenfolge stehen: Pierwiosnek (Das Schlüsselblümchen), Romantyczność (Das Romantische), Świteź, Świtezianka (Die Nixe vom See Świteź), Rybka (Das Fischlein), Powrót taty (Die Heimkehr des Vaters), Kurhanek Maryli (Marylas Grabhügel), Do przyjaciół (An die Freunde), To lubię (Das gefällt mir), Rękawiczka (Der Handschuh), Pani Twardowska (Frau Twardowska), Tukaj albo próby przyjaźni (Tukaj oder Die Proben der Freundschaft), Lilije (Die Lilien) und Dudarz (Der Dudelsackpfeifer).

Das Eingreifen der überirdischen Welt hat häufig einen sittlichen Charakter. Das Übernatürliche beurteilt das Handeln der Menschen, stiftet eine moralische Ordnung, erzwingt Verantwortung für die Taten und ahndet begangenes Unrecht. So zeigen es etwa die Balladen Lilije, Rybka und Świtezianka, in denen Schuld ihre Strafe findet.

Dieser Wirklichkeitsentwurf, nach dem sich in jedem Augenblick der Alltag und eine übersinnliche Welt durchdringen können, war als Widerspruch zu den vernunftbetonten Anschauungen der Aufklärung gemeint. Besonders streitbar ist die Ballade Romantyczność. Dem aufklärerischen Verstandesglauben, den die Gestalt eines alten Mannes vertritt, stellt Mickiewicz die Forderung entgegen, an eine über die Vernunft hinausgehende Erkenntnis und an die Wirklichkeit von Erscheinungen zu glauben, die der Verstand nicht zu fassen vermag. Czesław Zgorzelski nannte Świteź, Świtezianka und Rybka Werke, die das romantisch Wunderbare auf Verwandlungen gründen, welche den Menschen mit der Natur verbinden.

Stil

Charakteristisch für die Sammlung ist die Verbindung örtlich und geschichtlich genau bestimmter Schauplätze mit dem Einbruch des Übernatürlichen. Die Landschaftsbilder sind dabei kein bloßer Schmuck, sondern erzeugen eine Atmosphäre des Geheimnisvollen und der Furcht. Mickiewicz greift auf Bildelemente wie Wildnis und Stille, das Rauschen des Windes, das Licht des Mondes, einen Friedhof oder eine alte Kirche zurück.

Die Tonlagen sind bewusst gemischt. Neben ernsten und schaurigen Balladen stehen heitere, scherzhafte Stücke wie To lubię und Pani Twardowska. Zugleich knüpft das Werk an ältere Gattungen an, vor allem an die Duma, die Dumka und die Idylle. Dem Gedicht Romantyczność stellte Mickiewicz ein Wort aus William Shakespeares Hamlet voran: „Methinks, I see... where? – In my mind's eye."

Rezeption

Obwohl Balladen in der polnischen Literatur schon früher entstanden waren, begann die eigentliche Blüte dieser Gattung mit der Sammlung Ballady i romanse. In der frühen Romantik wurde die Ballade zu einer Form, mit der sich Dichter mit dem aufklärerischen Weltbild auseinandersetzten. Sie entwickelte sich zur Leitgattung der polnischen Romantik vor dem Novemberaufstand.

Mit dem Erfolg kamen zahlreiche Nachahmer, die ihre Balladen ebenfalls auf das Wunderbare gründeten. Mit der Zeit führte dies dazu, dass diese Art von Literatur erstarrte. Die von Mickiewicz verwendeten Natur- und Landschaftsbilder wurden zu festen Klischees. Seine Nachahmer setzten gern auf rührselige Motive sowie auf Schrecken und Grauen, und die eigentlichen Fragen der Balladen, etwa die nach Schuld und Strafe, schrumpften bei ihnen nicht selten zu einer schlichten Lehrhaftigkeit zusammen.

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