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Werkseintrag · Balladyna
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Balladyna
1839
– Werkseintrag –

Balladyna

1839 · Tragödie

In Juliusz Słowackis romantischem Drama kämpfen zwei arme Schwestern darum, wer einen reichen Herrn heiraten darf – und die ehrgeizige Balladyna lässt sich dabei von ihrer Gier nach einem höheren Leben so weit treiben, dass sie in die Rolle der Verbrecherin hineinwächst.

Überblick

Das romantische Drama Balladyna von Juliusz Słowacki entstand 1834 in Genf und erschien 1839 in Paris. Es umfasst fünf Akte und verbindet eine düstere Geschichte über den Hunger nach Macht mit der Märchenwelt einer Seenymphe. Der Titel ist zugleich der Name der Hauptfigur; er spielt auf die Ballade an, in der übernatürliche Motive und volkstümlicher Aberglaube ihren Platz haben. Słowacki plante das Stück vermutlich als Teil eines größeren Zyklus von Chroniken über die sagenhafte Frühgeschichte seines Volkes, den er später mit Lilla Weneda fortsetzte. Ein vorangestellter Widmungsbrief richtet sich an Zygmunt Krasiński, den Verfasser des Irydion, der das Werk hoch schätzte. Im Kern erzählt es davon, wie ein Mensch in die Rolle des Verbrechers hineinwächst.

Inhalt (ohne Spoiler)

Zwei Schwestern, Balladyna und Alina, leben mit ihrer verwitweten Mutter in einer ärmlichen Hütte tief im Wald. In der Nähe herrscht Goplana, die Nymphe und Königin des Goplosees. Weil sie sich in Grabiec verliebt hat, den trunksüchtigen Geliebten Balladynas, greift sie aus Eifersucht in die Geschicke der Menschen ein und bringt sie durcheinander.

Eines Tages führt einer ihrer Diener den reichen Herrn Kirkor zur Hütte der Schwestern. Kirkor sucht nach einem einfachen Mädchen vom Land, das er zur Frau nehmen will. Statt sich für eine der beiden zu entscheiden, verliebt er sich durch Goplanas Zauber in beide zugleich. Um den Streit zu lösen, wird ein Wettstreit ausgerufen: Welche Schwester zuerst ihren Krug mit Walderdbeeren füllt, soll Kirkors Braut werden.

Aus diesem scheinbar harmlosen Spiel entwickelt sich ein Verhängnis. Balladyna, von der Mutter verwöhnt und rücksichtslos auf ihren Vorteil bedacht, lässt sich von ihrem Ehrgeiz und ihrer Gier nach einem höheren Leben leiten. Zwischen der bäuerlichen Wirklichkeit und der verwunschenen Welt des Sees beginnt eine Geschichte über Schuld, Macht und ein Gewissen, das sich nicht beruhigen lässt.

Die Handlung im Detail

Balladyna und ihre jüngere Schwester Alina wohnen mit der verwitweten Mutter in einer Waldhütte. Goplana, die Nymphe des Goplosees, liebt Grabiec, den Geliebten Balladynas, und mischt sich deshalb in das Leben der Familie ein. Sie hofft, dass sich der reiche Kirkor in Balladyna verliebt, damit Grabiec allein ihr bleibt. Doch ihr Diener Skierka bewirkt durch Zauber, dass Kirkor beide Schwestern zugleich liebt.

Um zu entscheiden, wer Kirkor heiraten darf, sammeln die Mädchen um die Wette Walderdbeeren; wer den Krug zuerst füllt, gewinnt. Als sich zeigt, dass Alina siegt, ersticht Balladyna die Schwester mit einem Messer. Einziger Zeuge ist Grabiec, den Goplana in eine weinende Weide verwandelt hat. Zu Hause behauptet Balladyna, Alina sei mit einem Geliebten fortgelaufen. An die Tat erinnert sie ein blutroter Fleck auf der Stirn, der sich nicht abwaschen lässt, dazu quälende Albträume und Gewissensbisse. Der Hirte Filon findet Alinas Leiche und verliebt sich in das tote Mädchen.

Kurz nach der Hochzeit zieht Kirkor in die Schlacht bei Gnesen, um den rechtmäßigen König Popiel III. wieder auf den Thron zu bringen. Dieser war einst von seinem Bruder gestürzt und vertrieben worden und lebt nun als Einsiedler im Wald. Während Kirkor fort ist, schämt sich Balladyna ihrer Mutter und lässt sie in einen Turm sperren. Zwischen ihr und Fon Kostryn, einem Ritter Kirkors, entspinnt sich eine Liebschaft. Balladyna sucht den Einsiedler auf, damit er ihr den Fleck von der Stirn nehme. Doch dieser kann in den Herzen der Menschen lesen und erkennt die Wahrheit über den Mord. Kostryn beobachtet die Szene und kennt nun das Geheimnis der Geliebten. Gemeinsam töten sie den Boten Gralon, der eine Truhe als Geschenk Kirkors überbringt, wobei Balladyna den tödlichen Stich führt. Dieser Tod war nicht nötig, doch er macht die beiden zu Mitschuldigen – genau das wollte Kostryn erreichen.

Auf dem Schloss wird ein Fest gefeiert. Unter den Gästen ist auch Grabiec, den Goplana als Glockenkönig verkleidet hat, dazu ihre Diener Skierka und Chochlik. Balladyna verleugnet ihre Mutter und lässt sie aus dem Palast jagen. Als Chochlik eine Melodie spielt und ein rätselhafter Gesang die Geschichte ihres Verbrechens erzählt, verfällt Balladyna dem Wahnsinn. Sie hört Stimmen aus dem Jenseits, der Geist Alinas erscheint ihr, sie verscheucht ihn und sinkt schließlich ohnmächtig zusammen. In der Nacht tötet sie den schlafenden Grabiec. Zusammen mit Kostryn nimmt sie ihm die Krone der Popiels ab, das Zeichen der rechtmäßigen Königsmacht, die Grabiec von Goplana erhalten hatte. Dann ziehen die beiden mit ihrem Heer nach Gnesen, um die Herrschaft an sich zu reißen.

In der Schlacht schlägt Fon Kostryn die Truppen Kirkors, und Kirkor selbst fällt. Nach dem Kampf beseitigt Balladyna auch Kostryn: Sie reicht ihm ein Stück Brot, das sie mit einem vergifteten Messer geschnitten hat. Kostryn stirbt unter Qualen und warnt mit seinen letzten Worten vor der Herrschaft Balladynas.

Balladyna wird Königin. Der Kanzler erinnert sie daran, dass eine neue Herrscherin nach altem Brauch einige Rechtsfälle ihrer Untertanen entscheiden muss. Der erste Fall betrifft die Vergiftung Fon Kostryns, vorgebracht von den Ärzten. Balladyna muss über den unbekannten Täter das Todesurteil sprechen. Der nächste Fall ist der Mord an Alina, den Filon vorträgt; auch hier verurteilt sie den nicht gefundenen Mörder zum Tode. Schließlich tritt die Witwe herein, ihre eigene Mutter, vom Blitz geblendet, und klagt über die Tochter, die sie im Sturm verleugnet und vertrieben hat. Den Namen der Tochter will sie nicht verraten, denn sie weiß, dass sie diese damit dem Tod ausliefern würde; unter der Folter stirbt sie, ohne ihn zu nennen. Balladyna selbst ist die entartete Tochter. Vom Kanzler zum Urteil gedrängt, verhängt sie ein drittes Mal die Todesstrafe. Dieses dreifache Urteil über sich selbst vollstreckt Gott: Ein Blitz erschlägt sie.

Stil

Kennzeichnend für das Werk ist die Verbindung zweier Welten, die im Personenverzeichnis deutlich auseinandertreten. Auf der einen Seite stehen die wirklichkeitsnahen Gestalten: die Schwestern, die Mutter, der Herr Kirkor, der Einsiedler, der Ritter Fon Kostryn. Auf der anderen Seite steht das Reich der Fantasie mit der Seenymphe Goplana und ihren Dienern Skierka und Chochlik. So läuft neben der harten Tragödie um Schuld und Machtgier ein märchenhaftes Spiel der Naturgeister her, das in die menschlichen Schicksale eingreift.

Der Name der Titelfigur weist auf die Ballade, eine Dichtungsform, in der übernatürliche Motive und volkstümlicher Aberglaube heimisch sind. Aus dieser Wurzel bezieht das Fünfakter seine Stimmung zwischen düsterem Ernst und heiterem, mitunter grotesk-komischem Ton. Der trunksüchtige Grabiec und der faule, mürrische Diener Chochlik bringen ausgelassene und spöttische Züge in ein Geschehen, das ansonsten auf Mord, Wahnsinn und Strafe zuläuft. Dem Text vorangestellt ist ein Widmungsbrief, der Apologon, mit dem Słowacki das Stück Zygmunt Krasiński zueignet.

Rezeption

Das Drama fand einen bedeutenden Fürsprecher: Zygmunt Krasiński, der Verfasser des Irydion, schätzte es hoch, und ihm ist das Werk auch gewidmet. Słowacki reihte es in einen größeren Plan ein: Es sollte vermutlich einen von mehreren Teilen eines Zyklus von Chroniken über die sagenhafte Frühgeschichte seines Volkes bilden, den er später mit Lilla Weneda weiterführte.

Zwischen dem Druck von 1839 und der ersten Aufführung lag eine lange Zeit: Die Bühnenpremiere fand erst 1862 in Lemberg statt. In der Folge wurde das Stück ein fester Bestandteil des Theaterlebens. Zu den bekannteren Inszenierungen zählt die Regie von Adam Hanuszkiewicz am Warschauer Nationaltheater aus dem Jahr 1974. 2009, zum zweihundertsten Geburtstag des Dichters, entstand eine erste, in die Gegenwart verlegte Verfilmung unter der Regie von Dariusz Zawiślak, an der auch die amerikanische Schauspielerin Faye Dunaway mitwirkte. 2018 wurde das Werk in einer englischen Übersetzung in London gezeigt. Auf Motiven des Dramas beruht zudem die Oper Goplana von Władysław Żeleński.

Ein eigenes Nachleben hat die Handschrift des Werks. Die vollständige Reinschrift wird heute in der Polnischen Nationalbibliothek aufbewahrt. Sie überstand die Wirren des Zweiten Weltkriegs, kam nach Auslagerung nach Österreich schließlich 1946 wieder nach Polen zurück und wurde 2021 in das nationale Verzeichnis des UNESCO-Programms „Memory of the World“ aufgenommen. Seit 2024 ist sie in einer Dauerausstellung zu sehen.

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