1923
Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde
Überblick↑
Das Werk Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde ist ein Roman des österreichisch-ungarischen Schriftstellers und Jägers Felix Salten. Es erschien im Dezember 1922 und wurde auf das Jahr 1923 vordatiert. Erzählt wird das Leben eines jungen Rehbocks namens Bambi, von seiner Geburt im Dickicht bis zu seinem Heranwachsen und Altern im Wald. Das Buch schildert die Natur nicht als heiles Idyll, sondern als einen Ort voller Schönheit und ständiger Bedrohung. Vor allem der Mensch tritt als tödliche Macht auf. Durch die 1928 erschienene englische Übersetzung und die Verfilmung durch Walt Disney im Jahr 1942 wurde die Geschichte weltweit bekannt.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Am Anfang steht die Geburt Bambis im schützenden Dickicht des Waldes. Noch jung und unerfahren, wird das Rehkitz von seiner Mutter nach und nach in die Geheimnisse und die Gefahren des Waldes eingeführt. Bei seinem ersten Besuch auf der Wiese lernt er, dass hinter aller Freiheit auch Gefahr lauern kann. Dort begegnet er auch der jungen Faline und ihrem schwächlichen Bruder Gobo. Zum ersten Mal sieht er außerdem einen alten, majestätischen Rehbock, der ihm übermächtig und unnahbar erscheint.
Bald erfährt Bambi, welche Bedrohung von den Menschen ausgeht. Die Tiere des Waldes sprechen nur voller Angst von jener geheimnisvollen Macht, die sie „Er“ nennen und die ihnen wie ein Gott über Leben und Tod vorkommt. Bambi wächst heran, verliebt sich in seine Jugendfreundin Faline und muss sich gegen Nebenbuhler behaupten. Immer wieder greift der alte, weise Rehbock in Bambis Leben ein und lehrt ihn, was Vorsicht, Einsamkeit und Überleben bedeuten. Das Buch begleitet Bambi durch die Jahreszeiten und Lebensalter eines Wildtiers, dessen Welt zugleich schön und gefährlich ist.
Die Handlung im Detail↑
Am Beginn steht Bambis Geburt im geschützten Dickicht. Seine Mutter weist ihn in die Geheimnisse und Gefahren des Waldes ein. Bei seinem ersten Gang auf die Wiese hindert sie ihn daran, ungestüm ins Freie zu laufen, und erklärt ihm etwas über die Gefahren des Lebens. Auf der Wiese lernt er seine spätere Gefährtin Faline und deren schwächelnden Bruder Gobo kennen. Auch seinen Vater sieht er hier zum ersten Mal, ohne zu ahnen, dass dieser älteste und weiseste Rehbock des Waldes sein Vater ist. Der Bock erscheint ihm unnahbar, majestätisch und übermächtig.
Kurz darauf lernt Bambi die tödliche Gefahr durch die Menschen kennen, als er miterleben muss, wie ein unvorsichtiger Rehbock von einem Jäger erschossen wird. Diesen Jäger nennen die Tiere voller Angst nur „Er“. Sie erzählen sich schreckliche Geschichten über sein Wirken, und er erscheint ihnen wie ein Gott über Leben und Tod. Bei einer Drückjagd verliert Bambi seine Mutter und ist von nun an auf sich allein gestellt. Auch der schwächliche Gobo bleibt entkräftet zurück und scheint den Menschen zum Opfer zu fallen.
Etwa ein Jahr später, inzwischen ein junger Rehbock, verliebt sich Bambi in Faline und muss sie gegen zwei Konkurrenten, Karus und Ronno, verteidigen. Beinahe fällt er einer Blattjagd zum Opfer, doch im letzten Augenblick warnt ihn sein Vater vor der Gefahr. Unerwartet kehrt Gobo zur Gruppe zurück. Er berichtet die phantastische Geschichte, wie „Er“ ihn gefunden und gesundgepflegt habe. Fest überzeugt, dass „Er“ ein gütiger Gott und er selbst ein Auserwählter sei, wird Gobo von Bambis Vater als „Unglücklicher“ bezeichnet. Tatsächlich bezahlt der nun unvorsichtig gewordene Gobo seinen Hochmut bald mit dem Leben: Sein „Herr“ erkennt ihn nicht und erschießt ihn.
Auch Bambi wird angeschossen und entkommt nur knapp. Sein Vater hilft ihm, wieder auf die Beine zu kommen und in einen ruhigeren Teil des Waldes zu fliehen, wo seine Verletzung abheilen kann. Später überzeugt der Vater ihn davon, dass „Er“ kein Gott ist und nicht über den Tieren steht. Vor einem toten Jäger stehend, führt er ihm vor Augen, dass auch der Mensch sterblich ist. Wie der Jäger ums Leben kam, bleibt im Buch ungeklärt. Danach zieht sich Bambis uralter Vater zurück, um allein zu sterben. Jahre später ist Bambi selbst zum uralten Prinzen des Waldes geworden. Die Geschichte schließt damit, dass nun er zwei junge Rehkitze belehrt, so wie einst sein Vater ihn belehrt hat.
Stil↑
Erzählt wird die Handlung ganz aus der Sicht der Tiere. Der Wald erscheint als ihre Welt, mit eigenen Regeln, eigenen Ängsten und einer eigenen Sprache. Der Mensch bleibt dabei durchgehend geheimnisvoll und wird nur „Er“ genannt. Diese Perspektive verleiht dem Jäger etwas Göttliches und Bedrohliches zugleich, denn die Tiere begreifen nicht, wer oder was hinter dieser Macht steht. Salten verbindet dabei genaue Naturbeobachtung mit einer märchenhaften, deutenden Erzählweise. Der Verlauf der Jahreszeiten und die Lebensalter des Rehs geben dem Buch seine Ordnung. So wird aus der Geschichte eines einzelnen Tieres zugleich ein Gleichnis über Werden, Gefahr, Einsamkeit und Vergänglichkeit.
Rezeption↑
Bekannt wurde die Geschichte weit über den deutschen Sprachraum hinaus. Bereits 1928 erschien eine englische Übersetzung unter dem Titel Bambi. A Life in the Woods. In Deutschland verboten die nationalsozialistischen Behörden den Roman 1936 – das Werk des jüdischen Autors galt ihnen als politische Allegorie auf die Behandlung der Juden in Europa. Besonders große Wirkung entfaltete jedoch die Verfilmung durch Walt Disney, die 1942 in die Kinos kam und die Figur des Rehkitzes weltberühmt machte. In der Folge entstanden zahlreiche weitere Bearbeitungen, darunter der Animationsfilm Bambi 2 – Der Herr der Wälder aus dem Jahr 2006 sowie neuere Verfilmungen, die den Stoff bis in die jüngste Zeit aufgriffen. So wirkt die Geschichte bis heute nach und ist längst zu einem festen Bestandteil der populären Kultur geworden.
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