Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Autoreneintrag · Felix Salten
Eingang · Autoren · Felix Salten
Porträt Felix Salten
Felix Salten
1869 – 1945
– Autorenporträt –

Felix Salten

1869 – 1945 · 76 Jahre

Wiener Feuilletonist und einer der gefragtesten Journalisten seiner Zeit – weltbekannt wurde er durch seine Tiergeschichte „Bambi“, die Walt Disney verfilmte.

Kurzporträt

Bekannt wurde Felix Salten in aller Welt durch ein Reh: Seine 1923 erschienene Tiergeschichte Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde wurde durch Walt Disneys Zeichentrickverfilmung zum internationalen Erfolg. Salten, geboren 1869 in Pest, war jedoch weit mehr als der Autor dieses einen Buches. In Wien gehörte er zum Kreis „Jung-Wien“ um Hermann Bahr und zählte zu den gefragtesten Journalisten und Feuilletonisten seiner Zeit. Er schrieb Romane, Novellen, Theaterstücke, Essays und Drehbücher, gründete das erste Wiener Kabarett und stand dem österreichischen P.E.N.-Club vor. 1939 emigrierte er in die Schweiz, wo er 1945 in Zürich starb.


Biografie

Geboren wurde Felix Salten am 6. September 1869 in Pest als Siegmund Salzmann, Sohn des ungarisch-jüdischen Ingenieurs Philipp Salzmann und seiner Frau Marie, geborene Singer. Vier Wochen nach seiner Geburt zog die Familie nach Wien, wo sie zunächst im bürgerlichen Alsergrund, später in Währing wohnte. Salten besuchte das Gymnasium, das er mit sechzehn Jahren ohne Abschluss verließ. Weil die Familie in finanzielle Not geraten war, trat er 1885 kurzzeitig eine Stelle bei der Versicherungsgesellschaft Phönix an. Daneben schrieb er für kleine Kunstzeitschriften.

Seine erste nachweisbare Veröffentlichung war ein Gedicht, das am 15. Jänner 1889 in der Zeitschrift „An der schönen blauen Donau“ erschien – bereits unter dem Namen „Felix Salten“. 1890 lernte er im Café Griensteidl die Vertreter von Jung-Wien kennen und schloss Freundschaft mit Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Richard Beer-Hofmann, Hermann Bahr und Karl Kraus. Als einziger dieses Kreises stammte er nicht aus großbürgerlichem Milieu und musste von seiner Schreibarbeit leben. Innerhalb von Jung-Wien wird er eher der impressionistischen Richtung zugeordnet. Mit Kraus kam es zum Zerwürfnis: Am 14. Dezember 1896 ohrfeigte Salten ihn öffentlich, wofür er zu einem Bußgeld verurteilt wurde.

Ab Herbst 1894 arbeitete Salten als Theaterreferent bei der „Wiener Allgemeinen Zeitung“, 1902 wechselte er zu der Zeitung „Die Zeit“. Seine Berichte über die Skandale am Habsburger Hof machten ihn weit über Wien hinaus bekannt, so über den Austritt Erzherzog Leopold Ferdinands aus dem Kaiserhaus. Zwischen 1903 und 1905 veröffentlichte er unter dem Pseudonym „Sascha“ eine Reihe von Porträts der gekrönten Häupter Europas. 1902 heiratete er die Burgschauspielerin Ottilie Metzl; Trauzeugen waren Arthur Schnitzler und Siegfried Trebitsch. 1903 kam der Sohn Paul zur Welt, 1904 die Tochter Anna Katharina.

Salten war vielseitig und unternehmungslustig. Schon 1901 hatte er im Theater an der Wien das Kabarett „Zum lieben Augustin“ gegründet, das erste Wiener Kabarett nach dem Vorbild von Ernst von Wolzogens Berliner „Überbrettl“. Das Unternehmen hatte jedoch kaum Erfolg und endete mit hohem Verlust. Trotz erheblicher Schulden pflegte Salten einen aufwendigen Lebensstil mit Reisen nach Ägypten, an die Ostsee und nach Venedig. 1906 ging er als Chefredakteur zu Ullstein nach Berlin, kehrte aber nach wenigen Monaten nach Wien zurück, da ihm das dortige Klima nicht behagte. Ab 1913 schrieb er auch Drehbücher; sein erster Film Der Shylock von Krakau hatte im Oktober 1913 in Berlin Premiere. Bis 1918 war er an mindestens elf Filmen beteiligt.

Vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs war Salten zunächst begeistert und verfasste patriotische Stimmungsbilder; 1917 beschrieb er den Krieg als „Katastrophe“. Nach dem Krieg übernahm er das Sonntagsfeuilleton der „Neuen Freien Presse“. In den 1920er Jahren wurde er mit Hilfe des Zsolnay-Verlages zum Erfolgsautor. 1923 erschienen die Tiergeschichten Der Hund von Florenz und Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde, die beide später von Walt Disney verfilmt wurden, ebenso wie Die Jugend des Eichhörnchens Perri. Salten war selbst Jäger und besaß außerhalb Wiens ein eigenes Jagdrevier. Beeinflusst von Theodor Herzl, dessen Zionismus er publizistisch unterstützte, reiste er 1924 nach Palästina, woraus das Buch Neue Menschen auf alter Erde hervorging. 1930 nahm er an einer USA-Reise teil, aus der 1931 Fünf Minuten Amerika entstand.

1927 übernahm Salten von Arthur Schnitzler die Präsidentschaft des österreichischen P.E.N.-Clubs. Auf dem Kongress in Ragusa im Mai 1933 schloss er sich nicht dem Protest gegen die Bücherverbrennungen im Deutschen Reich an, was höchst umstritten blieb; kurz darauf trat er zurück und 1934 aus dem P.E.N.-Club aus. 1935 wurden seine Bücher in Deutschland verboten, wodurch er in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 blieb er von persönlichen Repressalien verschont, verlor aber seine Stelle bei der „Neuen Freien Presse“. 1939 emigrierte er mit seiner Frau in die Schweiz und lebte in Zürich, unter der Auflage, keiner journalistischen Arbeit nachzugehen. Seine letzten Jahre waren von Geldsorgen geprägt; die Rechte an Bambi hatte er einst für tausend Dollar verkauft. Felix Salten starb am 8. Oktober 1945 in Zürich und wurde auf dem Israelitischen Friedhof Unterer Friesenberg begraben.


Literarische Merkmale

Als Feuilletonist deckte Salten ein breites Themenspektrum ab und hatte damit entscheidenden Anteil an der Herausbildung der modernen Literaturkritik. Zu diesem Feld gehören auch seine Studien zur Kritik des modernen Theaters, die 1921 unter dem Titel Schauen und Spielen erschienen. Durch seinen publizistischen Einsatz für die Literatur und Kunst der Moderne trug er wesentlich zum Durchbruch des „Jungen Wien“ bei. Innerhalb dieses Kreises stand er der impressionistischen Richtung nahe; schon früh kritisierten Freunde wie Hofmannsthal und Schnitzler allerdings seine Ungenauigkeiten.

Salten arbeitete ungeheuer produktiv und in vielen Formen zugleich: Neben journalistischen Arbeiten verfasste er zahlreiche Novellen, Romane, Theaterstücke sowie kulturgeschichtliche und politische Essays. Seine literarischen Texte wirken im zeitgenössischen Vergleich eher traditionell. Der 1906 anonym erschienene erotische Roman Josefine Mutzenbacher wird Salten in der Öffentlichkeit meist zugeschrieben, seine Autorschaft gilt in der Forschung jedoch bis heute als nicht gesichert; stilometrische Untersuchungen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen und nennen teils auch andere Kandidaten wie den Journalisten Ernst Klein. Einen eigenen Beitrag leisteten dagegen seine Tiererzählungen, die laut der Neuen Deutschen Biographie zur Entwicklung dieses Genres im 20. Jahrhundert beitrugen. In diesen Geschichten schildert er das Leben der Tiere im Wald als eigenständige Lebenswelt.


Rezeption

Zeitlebens war Salten eine umstrittene und zugleich einflussreiche Gestalt des Wiener Kulturlebens. Als Mitglied des Bahr-Kreises war er heftigen Angriffen von Karl Kraus ausgesetzt. Als Sonntagsfeuilletonist der „Neuen Freien Presse“ übte er großen Einfluss auf das kulturelle Leben Wiens aus. 1930 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Wien ernannt. Sein Verhalten als P.E.N.-Präsident im Jahr 1933, als er sich dem Protest gegen die Bücherverbrennungen nicht anschloss, wurde dagegen scharf kritisiert.

Besonders nachhaltig wirkte Salten mit seinen Tiergeschichten. Der Tierroman Bambi, 1940 mit Bambis Kinder fortgesetzt, erlangte durch Walt Disneys Zeichentrickverfilmung von 1942 internationale Bedeutung. International bekannt wurde Salten vor allem durch die Disney-Verfilmungen seiner Kinderbücher Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde, Die Jugend des Eichhörnchens Perri und Der Hund von Florenz. In Zürich erinnert seit 1950 der Bambibrunnen in Oberstrass an ihn, 1961 wurde in Wien-Donaustadt die Saltenstraße nach ihm benannt.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

Aus dem Werkverzeichnis

Im Lexikon

Weitere Werke (Auswahl)

Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (30 weitere Titel)

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten