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Werkseintrag · Barabbas
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Cover Barabbas
Barabbas
1950
– Werkseintrag –

Barabbas

1950 · Roman

Der Verbrecher, den Pilatus anstelle von Jesus begnadigte, ringt sein Leben lang mit einem Glauben, den er weder annehmen noch loslassen kann.

Überblick

Der Roman Barabbas von Pär Lagerkvist erschien 1950. Er erzählt vom Schicksal jenes Verbrechers, den Pontius Pilatus nach der biblischen Überlieferung anstelle von Jesus begnadigte. Lagerkvist verfolgt diesen Mann über die Kreuzigung hinaus durch sein ganzes weiteres Leben. Ein Jahr nach dem Erscheinen, 1951, wurde der Autor für sein Lebenswerk mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Das Buch dreht sich um eine einzige Frage: Wie lebt ein Mensch weiter, der an einen Glauben rührt, den er nicht fassen kann?

Inhalt (ohne Spoiler)

Im antiken Jerusalem steht der römische Statthalter Pontius Pilatus vor einer Entscheidung. Zum Pascha-Fest darf er einen Gefangenen begnadigen. Zur Wahl stehen der von vielen als Messias verehrte Jesus von Nazaret und der Mörder Barabbas. Pilatus überlässt die Entscheidung dem Volk, und das Volk spricht sich für Barabbas aus.

So kommt Barabbas frei, während an seiner Stelle Jesus am Kreuz stirbt. Zunächst genießt er die unverhoffte Freiheit. Doch die Menschen um ihn herum verhalten sich sonderbar, seit ein anderer für ihn gestorben ist. Barabbas will sich beweisen, dass dieser Jesus nur ein gewöhnlicher Mensch war. Als er das Grab jedoch leer vorfindet, lässt ihn die Sache nicht mehr los. Er gerät in den Umkreis der ersten Anhänger und begegnet Menschen, die fest an das Auferstehen glauben. Barabbas aber steht zwischen den Welten: Er kann sich zu diesem Glauben nicht durchringen und kommt zugleich nicht von ihm los. Dieser innere Zwiespalt bestimmt seinen weiteren Weg.

Die Handlung im Detail

Alles beginnt mit der Wahl des Pilatus in Jerusalem. Das Volk entscheidet sich für die Freilassung des Mörders Barabbas, und Jesus wird an seiner Stelle gekreuzigt. Barabbas genießt seine Freiheit zunächst in vollen Zügen, doch seine Bekannten begegnen ihm auf seltsame Weise, weil ein anderer für ihn gestorben ist. Unbeirrt will er beweisen, dass Jesus ein ganz normaler Mensch war. Als er jedoch das Grab leer vorfindet, gerät er als früher Zeuge in den Blick der Jünger und schildert sein Erlebtes unter anderen dem Lazarus.

Seine Geliebte Rahel ist eine überzeugte Christin. Später wird sie von den Römern festgenommen und gesteinigt. Zornig überfällt Barabbas die Männer, die Rahel verhaftet haben, und tötet einen von ihnen. Dafür verurteilt man ihn zur Arbeit in einer Kupfermine, einer Arbeit, die den Menschen zugrunde richtet. Dort ist er an den Sträfling Sahek gekettet, einen gläubigen armenischen Christen. Barabbas hilft Sahek beim Beten, findet jedoch selbst nicht zum Glauben. Mithilfe eines Wärters werden beide von der Grubenarbeit befreit, müssen aber fortan in einer Mühle schwere Arbeit verrichten. Auch dort beobachten die römischen Machthaber ihren christlichen Glauben. Sahek stirbt für seinen Glauben den Märtyrertod. Barabbas dagegen rettet sich, indem er den Glauben und Sahek verrät.

Später, unter den Christenverfolgungen des Kaisers Nero, brennt es in Rom, und man versucht, die Brände den Christen anzulasten. Als Barabbas das sieht, beteiligt er sich an den Brandstiftungen, in der Wahnvorstellung, damit den Christen einen Dienst zu erweisen. Im Gefängnis unter anderen Christen zieht er neuen Unmut auf sich: Er hat sich als überzeugter Christ ausgegeben und zugleich Brände gelegt, und die Mitgefangenen erfahren obendrein, dass er der Barabbas von Golgatha ist. Am Ende wird er wegen seiner scheinbaren Zugehörigkeit zu den Christen gekreuzigt – am selben Tod, dem er einst entkommen war.

Stil

Der Roman spannt einen weiten Bogen: von der Kreuzigung in Jerusalem bis zu den Christenverfolgungen im Rom des Nero. Die Erzählung bleibt eng bei Barabbas und folgt seinem inneren Zwiespalt, dem Ringen zwischen Unglauben und dem Sog des Glaubens. Die bekannten biblischen Gestalten und Ereignisse erscheinen dabei nicht im Mittelpunkt, sondern am Rand, so wie ein Außenstehender sie wahrnimmt. Aus dieser verschobenen Perspektive gewinnt der vertraute Stoff eine neue, fragende Färbung.

Rezeption

Ein Jahr nach dem Erscheinen des Romans, 1951, erhielt Pär Lagerkvist für sein Lebenswerk den Nobelpreis für Literatur. Der Stoff wurde mehrfach für die Leinwand bearbeitet. 1953 kam eine schwedische Verfilmung heraus, Barabbas – Der Mann im Dunkel unter der Regie von Alf Sjöberg, mit Ulf Palme in der Titelrolle; sie zählte zu den größten schwedischen Filmproduktionen der Zeit und wurde beim Filmfestival von Cannes gezeigt. 1961 folgte eine italienische Fassung von Richard Fleischer, ein rund 132 Minuten langer Monumentalfilm, der die Gladiatorenkämpfe verurteilter Sklaven besonders hervorhebt; Anthony Quinn spielte darin den Barabbas. 2012 erschien der Stoff noch einmal als Zweiteiler. Dass die Geschichte über Jahrzehnte immer wieder verfilmt wurde, zeigt, wie stark ihre Frage nach Zweifel und Glauben nachwirkt.

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