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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Pär Lagerkvist
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Porträt Pär Lagerkvist
Pär Lagerkvist
1891 – 1974
– Autorenporträt –

Pär Lagerkvist

1891 – 1974 · 83 Jahre

Schwedischer Erzähler und Dichter, der in biblischen Stoffen den Kampf zwischen Gut und Böse ausleuchtete – 1951 mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt.

Kurzporträt

Zu den bekanntesten schwedischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts zählt Pär Fabian Lagerkvist. Er wurde am 23. Mai 1891 in Växjö geboren und starb am 11. Juli 1974. Er schrieb Romane, Dramen, Erzählungen und Gedichte. 1951 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. In seinen Werken leuchtet er den Konflikt zwischen Gut und Böse aus. Dazu nutzt er religiöse Stoffe und Gestalten. Sein Roman Barabbas wurde schon kurz nach dem Erscheinen als Meisterwerk gelobt. Seit 1940 gehörte er der Schwedischen Akademie an.


Biografie

Geboren wurde Lagerkvist 1891 in Växjö. Er war der jüngste von sieben Geschwistern eines Bahnwärters in Småland. Hier ist anzumerken, dass die Quellen sich beim Sterbeort unterscheiden. Wikidata nennt Danderyd bei Stockholm, die Deutsche Biographie nennt Stockholm. Die Familie war tief religiös geprägt. Schon in jungen Jahren entschloss sich Lagerkvist, Schriftsteller zu werden. Von 1911 bis 1912 studierte er Kunstgeschichte und Literatur an der Universität Uppsala.

Im Jahr 1913 ging er für ein Jahr nach Paris. Dort studierte er Kunst und wurde ein Anhänger des Kubismus und des Expressionismus. Während des Ersten Weltkriegs lebte er in Kopenhagen. Hier entstanden unter anderem der Gedichtband Ångest (Angst) sowie seine ersten Theaterstücke. Dort lernte er auch Karen Sørensen kennen, die er 1918 heiratete. 1925 wurde die Ehe geschieden. Danach heiratete Lagerkvist Elaine Luella Hallberg, die Witwe des Malers Gösta Sandels. Aus dieser Ehe gingen die Zwillingssöhne Bengt Anders und Ulf Gudmund Lagerkvist sowie die Tochter Elin Lagerkvist hervor.

Um 1930 zog sich Lagerkvist weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Er lebte mit seiner Familie auf einer Insel in der Gemeinde Lidingö. Seit 1940 war er Mitglied der Schwedischen Akademie.

Sein schriftstellerisches Schaffen begann früh. Schon als Schüler veröffentlichte er Gedichte in der Lokalpresse. 1912 erschien mit Människor seine erste Sammlung von Erzählungen. Der Roman Dvärgen (Der Zwerg) von 1944 ist eine belehrende Geschichte über das Böse. Er brachte ihm erstmals internationale Bekanntheit. Seinen bekanntesten Roman, Barabbas, legte er 1950 vor. Das Buch beruht auf einer biblischen Geschichte. Das Volk von Judäa gewährt dem verurteilten Barabbas die Begnadigung – und nicht Jesus von Nazareth. Der Dieb und Mörder versucht, den tieferen Sinn dieser Entscheidung zu verstehen. Im Lauf seines Lebens wandelt er sich vom Zweifler zum Gläubigen. Der Roman wurde mehrfach verfilmt.

Zu seinen späteren Werken gehören die Romane Sibyllan (Die Sibylle, 1956), Ahasverus död (Der Tod Ahasvers, 1960), Pilgrim på havet (Pilger auf dem Meer, 1962) und Det heliga landet (Das Heilige Land, 1964). Sein letztes Buch, die dramatische Liebesgeschichte Mariamne, erschien 1967. Neben Romanen und Erzählungen verfasste Lagerkvist zahlreiche Dramen, Gedichtsammlungen wie Aftonland (1953) sowie Sachbücher. 1941 wurde er Ehrendoktor der Hochschule Göteborg. 1951 folgten der Literaturnobelpreis und die BMF-Plakette.


Literarische Merkmale

Kennzeichnend für Lagerkvists Werk ist der Konflikt zwischen Gut und Böse. Er spielt ihn an Gestalten wie einem mittelalterlichen Henker, dem gottzweiflerischen Barabbas oder dem ruhelosen Juden Ahasverus durch. Als erklärter Moralist griff er auf religiöse Motive und Figuren der christlichen Tradition zurück. Den Lehren der Kirche unterwarf er sich dabei aber nicht. Religiöse Stoffe dienten ihm so nicht als Glaubensbekenntnis. Sie waren ihm ein Mittel, grundlegende Fragen nach Gut und Böse, Zweifel und Glauben zu stellen.

Seine künstlerische Prägung reicht in die Pariser Jahre zurück. Dort wandte er sich dem Kubismus und dem Expressionismus zu. Die Nähe zum Expressionismus zieht sich als ein Faden durch sein Schaffen. Sie wurde auch von der Forschung untersucht.


Rezeption

Bereits kurz nach dem Erscheinen wurde Barabbas als Meisterwerk gelobt, unter anderem vom Literaturnobelpreisträger André Gide. 1951 erhielt Lagerkvist selbst den Nobelpreis für Literatur. Sein Werk fand früh den Weg ins Deutsche. Schon 1928 erschien eine Übersetzung seiner Erzählungen. In den Nachkriegsjahren wurden seine Romane regelmäßig ins Deutsche übertragen, vielfach im Verlag Die Arche in Zürich und in der Nymphenburger Verlagshandlung in München.

Auch die Wissenschaft hat sich seinem Schaffen gewidmet. So legte Otto Oberholzer 1958 eine Studie zu Lagerkvists Prosa und Dramen vor. Piotr Bukowski untersuchte das Verhältnis des Autors zum deutschen Expressionismus. Die Verfilmungen des Barabbas-Stoffes trugen zusätzlich zur Verbreitung seines bekanntesten Romans bei.

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