1798 – 1855
Adam Mickiewicz
Kurzporträt↑
Adam Bernard Mickiewicz wurde am 24. Dezember 1798 geboren und starb am 26. November 1855. Er gilt als der bedeutendste der sogenannten Drei Barden der polnischen Romantik und als Nationaldichter Polens. Er wirkte in einer Zeit, in der ein eigener polnischer Nationalstaat nicht existierte. Sein Werk spiegelt den Kampf für Freiheit und Unabhängigkeit wider. Bekannt wurde er vor allem durch das Versepos Pan Tadeusz. Im deutschen Sprachraum wurde er auch durch seine Krimschen Sonette bekannt. Mickiewicz lehrte am Collège de France und engagierte sich zeitlebens politisch. Sein Werk und sein Erbe prägen die polnische Literatur und Kultur bis heute.
Biografie↑
Mickiewicz wurde 1798 geboren. Über seinen Geburtsort gehen die Quellen auseinander: Wikidata nennt ihn „Zavossie", die Deutsche Biographie „Zavosse". Die Wikipedia verzeichnet ihn als Zaosie bei Nowogródek im Russischen Kaiserreich. Sein Vater Mikołaj Mickiewicz war Rechtsanwalt. Als Mitglied der Szlachta, des polnischen Landadels, gehörte er dem Herb Poraj an. Er erzog seine Söhne im Geist der Aufklärung und zu Patrioten.
Mickiewicz studierte von 1815 bis 1819 an der Universität Wilna. Dort kam er in Kontakt mit dem patriotischen Geschichtsprofessor Joachim Lelewel und mit der polnischen Befreiungsbewegung. Nach dem Studium arbeitete er als Lehrer an der polnischen Schule in Kaunas (Kowno). 1823 wurde er als Mitbegründer des polnisch-nationalen Philomatenbundes mit seinen Freunden verhaftet. Zunächst war er für sechs Monate in einem Kloster inhaftiert. 1824 wurde er nach Zentralrussland verbannt.
In den Jahren 1824 bis 1829 lebte er vorwiegend in Moskau und St. Petersburg. Dort gewann er Freunde unter den Führern des Dekabristenaufstandes, etwa den Dichtern Kondrati Rylejew und Michail Bestuschew-Rjumin. In Moskau stand er in Kontakt mit Alexander Puschkin und mit der dort lebenden polnischen Pianistin Maria Szymanowska. Deren Tochter Celina heiratete er. 1825 lernte er die spätere Lyrikerin und Übersetzerin Karolina Karlovna Pavlova kennen, die er nachhaltig beeinflusste.
1829 begann Mickiewicz eine fast zweijährige Reise durch Westeuropa. Er verbrachte längere Zeit unter anderem in Berlin, Venedig, Florenz, Neapel und Rom. Im Sommer 1830 traf er in der italienischen Hafenstadt Genua erneut mit Goethes Sohn August von Goethe zusammen. Im selben Jahr erhielt er in Rom die Nachricht vom Novemberaufstand in Polen. Daraufhin reiste er an die Grenzen des damaligen Kongresspolens. Er blieb jedoch im sicheren Preußen. Der Aufstand scheiterte. Beim sogenannten Polenkrawall in Fischau wurden zehn in Preußen geflüchtete Aufständische erschossen. Dieses Ereignis verarbeitete er in seiner Pilger-Litanei (polnisch Litania pielgrzymska).
Mit der „großen Emigration" ging Mickiewicz nach Paris. Dort warb er weiter für die polnische Unabhängigkeit. Ab 1840 lehrte er Slawistik am Collège de France. 1844 wurde er jedoch entlassen, weil er die politischen und religiösen Thesen des Messianismus verbreitete. Diese Thesen hatte sein Landsmann Andrzej Towiański aufgestellt. 1848 organisierte er in Italien im Rahmen der Märzrevolution im Kaisertum Österreich die polnischen Legionen. Ab 1852 war er Bibliothekar an der Bibliothèque de l'Arsenal in Paris.
1855 starb Mickiewicz im Alter von 56 Jahren an der Cholera. Er sammelte damals von Frankreich unterstützt Freiwillige für den Krimkrieg gegen Russland: polnische („Legion Polski") und jüdische („Husaren Israels"). Auch über seinen Sterbeort weichen die Quellen voneinander ab: Wikidata nennt Istanbul, die Deutsche Biographie Konstantinopel. Gemeint ist dieselbe Stadt im damaligen Osmanischen Reich. Sein Leichnam wurde mit dem Schiff nach Frankreich überführt und auf dem Friedhof der polnischen Emigranten in Montmorency bei Paris beigesetzt. 1890 wurde er in die Königsgruft der Wawel-Kathedrale in Krakau umgebettet. Diese Stadt hatte er zeit seines Lebens nie gesehen.
Literarische Merkmale↑
Mickiewiczs Frühwerk ist von ländlich-idyllischen Motiven bestimmt. Im Verlauf seines Schaffens richtete sich sein Wirken jedoch immer mehr auf die Propagierung eines unabhängigen Polens aus. In seinem Werk finden sich auch paneuropäische Forderungen. Sein Versepos Pan Tadeusz gilt als das berühmteste seiner Werke. Im deutschen Sprachraum wurden vor allem seine Krimschen Sonette bekannt.
Rezeption↑
Mickiewicz gilt als bedeutendster der Drei Barden der polnischen Romantik und als Nationaldichter Polens. Sein Werk wurde später zur Pflichtlektüre an polnischen Schulen. In der Folge wurde literarische Kritik am Autor mitunter zu Kritik an der Nationalstaatsidee des Landes umgedeutet. Seine Werke und sein Erbe beeinflussen die polnische Literatur und Kultur bis heute.
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