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Cover Bildnis einer Dame
Bildnis einer Dame
1881
– Werkseintrag –

Bildnis einer Dame

1881 · Roman

Eine junge Amerikanerin erbt ein Vermögen, will frei bleiben wie keine vor ihr – und merkt zu spät, dass ihre größte Entscheidung von fremder Hand gelenkt wurde.

Überblick↑

Der Roman Bildnis einer Dame von Henry James erschien 1881 erstmals in Buchform und gilt als sein bekanntestes Werk. Er erzählt vom Weg einer jungen Amerikanerin. Sie kommt nach Europa, erbt ein Vermögen und stellt ihre Freiheit über alles. Im Mittelpunkt steht die Frage, was diese Freiheit wert ist, wenn man bei einer entscheidenden Wahl getäuscht wird.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Isabel Archer stammt aus Albany im Staat New York. Nach dem Tod ihres Vaters lädt ihre Tante Lydia Touchett sie nach England ein, auf den Landsitz der Familie in der Nähe von London. Dort lernt Isabel ihren kränklichen Vetter Ralph kennen. Auch der vornehme Nachbar Lord Warburton gehört zu den neuen Bekanntschaften.

Isabel ist jung, klug und voller Wissensdurst. Vor allem will sie unabhängig bleiben und das Leben erst kennenlernen, bevor sie sich bindet. Deshalb weist sie gleich zwei Bewerber zurück: Lord Warburton und den wohlhabenden Bostoner Caspar Goodwood, zu dem sie sich durchaus hingezogen fühlt.

Eine unerwartete Wendung im Familienkreis verschafft Isabel ein großes Vermögen. Damit reist sie über den europäischen Kontinent. In Florenz begegnet sie Gilbert Osmond, einem verwitweten Amerikaner mit einer halbwüchsigen Tochter. Osmond gibt sich fein, gebildet und über die anderen erhaben. Was Isabel an ihm anzieht und welche Rolle ihre kultivierte Bekannte Madame Merle dabei spielt, entfaltet der Roman behutsam. So führt er Isabel an die Grenzen dessen, was sie sich von ihrer Freiheit erhofft hatte.

Die Handlung im Detail↑

Isabel Archer wird nach dem Tod ihres Vaters von ihrer Tante Lydia Touchett aus Albany nach England geholt. Auf dem Landsitz der Touchetts nahe London trifft sie ihren todgeweihten Vetter Ralph, einen Invaliden, und den Nachbarn Lord Warburton. Warburtons plötzlichen Heiratsantrag lehnt Isabel ab. Auch Caspar Goodwood, den Erben eines reichen Mühlenbesitzers aus Boston, weist sie zurück, obwohl sie sich zu ihm hingezogen fühlt. Ihr Drang nach Unabhängigkeit und ihr Hunger nach Erfahrung verbieten ihr eine frühe Ehe.

Als ihr Onkel Daniel Touchett stirbt, vermacht er Isabel auf Drängen seines Sohnes Ralph einen großen Teil seines Vermögens. Mit diesem stattlichen Einkommen bereist Isabel den Kontinent. In Florenz lernt sie Gilbert Osmond kennen, einen verwitweten Amerikaner und Vater der halbwüchsigen Pansy, die in Rom eine Klosterschule besucht. Osmond gibt sich intellektuell und als höherwertig, und Isabel willigt ein, ihn zu heiraten. Sie ahnt nicht, dass die Ehe vor allem von Madame Merle eingefädelt wurde – einer weltgewandten, scheinbar unabhängigen Amerikanerin, mit der sie sich auf dem Landsitz der Touchetts angefreundet hatte.

Das Paar lässt sich in Rom nieder. Bald leidet die Ehe unter Gilberts Egoismus und seiner fehlenden Zuneigung. Isabel gewinnt Pansy lieb und möchte ihr die Heirat mit Ned Rosier ermöglichen, einem jungen, in Paris lebenden amerikanischen Kunstsammler. Dem versnobten Gilbert wäre Lord Warburton als Schwiegersohn lieber, der einst um Isabel geworben hatte. Isabel aber vermutet, dass Warburtons Interesse an Pansy nur vorgetäuscht ist, um wieder an sie selbst heranzukommen. Dieser Streit vertieft die Risse in der Ehe.

Isabel erfährt, dass Ralph in England im Sterben liegt, und will ihn besuchen, doch Gilbert widersetzt sich selbstsüchtig. Von ihrer Schwägerin erfährt Isabel die Wahrheit: Pansy ist in Wirklichkeit die Tochter von Madame Merle, entsprungen einer früheren ehebrecherischen Affäre mit Gilbert. Isabel besucht Pansy, die ihr Vater zum „Nachdenken“ ins Kloster zurückgeschickt hat. Dort trifft sie auf Madame Merle, die merkt, dass ihr Geheimnis enthüllt ist. Zu einer offenen Aussprache kommt es nicht; Madame Merle kündigt an, nach Amerika zurückkehren zu wollen. Pansy bittet Isabel verzweifelt, eines Tages zurückzukehren, was diese widerstrebend verspricht.

Gegen den Willen ihres Mannes reist Isabel nach England, um dem sterbenden Ralph beizustehen. Ralph, der Gilberts Wesen längst durchschaut hat, mahnt sie auf dem Sterbebett eindringlich, in England zu bleiben. Nach Ralphs Tod begegnet ihr Caspar Goodwood. Er bedrängt sie, Gilbert zu verlassen und mit ihm zu gehen, umarmt und küsst sie leidenschaftlich. Isabel lässt es in sterbensmüder Resignation geschehen und flieht dann. Sie fasst einen Entschluss: „Sie hatte nicht gewußt, wohin sie sich wenden sollte; jetzt aber wußte sie es. Es gab da einen sehr geraden Weg.“ Zwei Tage später erfährt Goodwood, dass sie wieder nach Rom abgereist ist. Wofür Isabel sich letztlich entscheidet, bleibt unausgesprochen.

Stil↑

Bestimmend für den Roman ist die genaue Beobachtung des Seelenlebens. Nicht äußere Ereignisse stehen im Vordergrund, sondern Isabels Gedanken, Empfindungen und Selbsttäuschungen. Der Titel verspricht ein Porträt. Tatsächlich entsteht das Bild der Heldin nach und nach aus ihren Begegnungen, Entscheidungen und Irrtümern.

Auffällig ist der bewusst offen gehaltene Schluss. Der Roman verrät nicht, wofür Isabel sich am Ende entscheidet, sondern überlässt das Urteil dem Leser. Diese Zurückhaltung, die Andeutung statt der klaren Auflösung, prägt den Ton des ganzen Werks.

Rezeption↑

Als bekanntestes Werk von Henry James hat Bildnis einer Dame bis heute Leser und Künstler beschäftigt. Die Figur der Isabel Archer und ihr widersprüchlicher Weg zwischen Freiheitsdrang und Selbsttäuschung wurden immer wieder neu gedeutet.

Der Stoff wirkte über das Buch hinaus. Die Regisseurin Jane Campion verfilmte den Roman 1996 unter dem Titel Portrait of a Lady. Auch in der Literatur fand der Roman eine Bearbeitung in dem Werk Mrs Osmond.

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