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Cover Der scharlachrote Buchstabe
Der scharlachrote Buchstabe
1850
– Werkseintrag –

Der scharlachrote Buchstabe

1850 · Roman

Eine Frau trägt das rote Zeichen ihrer Schuld offen vor aller Augen – doch der wahre Mitschuldige verbirgt sich hinter der Fassade der frommen Gemeinde.

Überblick

Der Roman Der scharlachrote Buchstabe von Nathaniel Hawthorne erschien 1850. Er gilt als eines der bedeutendsten Werke der amerikanischen Literatur. Erzählt wird die Geschichte einer Frau. Sie wird in einer streng religiösen Siedlung Neuenglands wegen Ehebruchs öffentlich gebrandmarkt. Fortan muss sie ein rotes „A" auf der Brust tragen. Das Buch verbindet eine Liebesgeschichte mit einem Blick auf Schuld, Strafe und die Härte einer puritanischen Gesellschaft.

Inhalt (ohne Spoiler)

In einer strenggläubigen Siedlung in Neuengland lebt Hester Prynne. Die Handlung spielt gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Sie hat ein Kind außerhalb der Ehe geboren. Ihr Ehemann gilt zu dieser Zeit als auf See verschollen. Vor der versammelten Gemeinde wird sie als Ehebrecherin angeprangert. Doch den Namen des Vaters ihres Kindes will sie nicht verraten. Zur Strafe muss sie von nun an stets ein scharlachrotes „A" auf ihrer Brust tragen. Es macht sie als Sünderin kenntlich.

Ihre Tochter Pearl wächst an ihrer Seite auf. Während Hester die öffentliche Schande erträgt, geraten weitere Bewohner der Siedlung in den Sog ihres Geheimnisses. Der Dorfpfarrer Arthur Dimmesdale leidet an einer rätselhaften Herzschwäche und an quälenden Schuldgedanken. Auch der Dorfarzt Roger Chillingworth wird hineingezogen. Aus diesem Geflecht von Verschweigen, Schuld und heimlichem Wissen entwickelt sich die Spannung des Romans. Er zeichnet zugleich ein hartes Bild der puritanischen Gesellschaft.

Die Handlung im Detail

Der Schauplatz ist eine strenggläubige Siedlung in Neuengland zur Zeit des amerikanischen Puritanismus, gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht die Ehebrecherin Hester Prynne. Sie hat ein uneheliches Kind zur Welt gebracht, eine Tochter namens Pearl. Ihr Ehemann gilt zunächst als auf See verschollen. Trotz öffentlicher Anprangerung weigert sich Hester, den Vater des Kindes zu nennen. Zur Strafe muss sie jederzeit ein scharlachrotes „A" auf ihrer Brust tragen.

Bald erfährt der Leser, wer der Vater ist: Arthur Dimmesdale, der Pfarrer des Dorfes. Der zentrale Konflikt entspinnt sich zwischen ihm und Hesters Ehemann, dem Dorfarzt Roger Chillingworth. Chillingworth durchschaut die Lage und treibt den Pfarrer mit subtiler psychischer Folter in den Wahnsinn. Dimmesdale leidet neben einer mysteriösen Herzschwäche an Versündigungsgedanken, denen er mit Selbstkasteiung zu begegnen versucht.

Hester dagegen gelingt es mit der Zeit, durch makelloses Betragen die Achtung ihrer Mitmenschen wiederzuerlangen. Das „A" legt sie dennoch nie wieder ab. Am Ende bekennt sich Dimmesdale öffentlich zu seiner Beziehung mit Hester: Vor seinen Mitbürgern entblößt er seine Brust, auf der sich ein Mal befindet, das Hesters „A" ähnelt. Danach stirbt er in Frieden. Chillingworth, nun seiner Macht über den Pfarrer und über Hester beraubt, findet innerhalb eines Jahres ebenfalls den Tod.

Stil

Hawthorne siedelt seine Geschichte in der streng puritanischen Welt Neuenglands des späten 17. Jahrhunderts an. Aus deren religiöser Härte schöpft er seine Wirkung. Der Roman lebt von der inneren Spannung seiner Figuren: dem öffentlich gebrandmarkten Leiden Hester Prynnes und der heimlichen Qual des Pfarrers, der sich selbst kasteit. Schuld, Verschweigen und Strafe werden weniger durch äußere Handlung sichtbar als durch das seelische Ringen der Gestalten. Das scharlachrote „A" zieht sich als Sinnbild durch das ganze Werk. Es lässt sich auf vielfache Weise deuten.

Rezeption

Das Werk ist tief in der amerikanischen Kultur verankert und wird bis heute im Schulunterricht behandelt. Das machte es zum Gegenstand einiger Anspielungen in der Populärkultur. Im Film Einfach zu haben (2010) etwa identifiziert sich die Hauptfigur Olive Penderghast mit Hester Prynne. Schon der englische Originaltitel Easy A verweist auf den Roman. In der deutschen Schreibweise des Filmtitels ist das A in „haben" groß und rot hervorgehoben. Auch in Zwielicht (1996), in Crazy, Stupid, Love (2011), in einer Episode der Simpsons und in der Serie The Walking Dead wird auf das rote „A" angespielt.

Die Frage, wofür der Buchstabe „A" steht, gilt als eines der bekanntesten Rätsel der amerikanischen Literatur. Naheliegend wäre das englische Wort für Ehebrecherin. Doch dieses Wort taucht im Roman gar nicht auf. Die Deutungsvorschläge reichen daher von Ehebruch über Sündenfall, Kunst und Engel bis hin zu Amerika. Über die Jahrzehnte wurde der Stoff vielfach verfilmt, unter anderem 1973 von Wim Wenders und 1995 von Roland Joffé.

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