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Porträt Nathaniel Hawthorne
Nathaniel Hawthorne
1804 – 1864
– Autorenporträt –

Nathaniel Hawthorne

1804 – 1864 · 59 Jahre

Begründer einer genuin amerikanischen Nationalliteratur und Hauptvertreter der „dunklen“ Romantik – sein Roman „The Scarlet Letter“ gehört bis heute zum festen Kanon amerikanischer Literatur.

Kurzporträt

Nathaniel Hawthorne (1804–1864) gilt als einer der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Er zählt zu den Begründern der genuin amerikanischen Nationalliteratur. Geboren in Salem, Massachusetts, entstammte er einer alten Puritanerfamilie. Deren düsteres Erbe sollte seine Romane und Erzählungen prägen. Gemeinsam mit Herman Melville und Edgar Allan Poe wird er der „dunklen" amerikanischen Romantik zugerechnet. Seine oft allegorischen Werke kreisen um die Schattenseiten von Seele und Gesellschaft: Sünde, Schuld, Strafe und Intoleranz. Mit dem Roman The Scarlet Letter schuf er ein Buch, an dem bis heute kaum ein amerikanischer Collegestudent vorbeikommt.


Biografie

Nathaniel Hawthorne kam am 4. Juli 1804 in Salem, Massachusetts, zur Welt. Er entstammte einer alten Puritanerfamilie, deren Geschichte ihn lebenslang beschäftigte. Sein Ururgroßvater John Hathorne war einer der Richter bei den berüchtigten Hexenprozessen von Salem im Jahr 1692. Erst Nathaniel fügte dem Familiennamen das „w" hinzu – eine kleine, aber sprechende Abgrenzung. Der Vater fuhr als Erster Offizier zur See. 1796 hatte er zusammen mit Kapitän Jacob Crowninshield aus Kalkutta den ersten Elefanten nach Amerika gebracht. Er starb 1808 auf einem Schiff vor Suriname an Gelbfieber. Der Junge wuchs daraufhin bei der Mutter und deren Verwandten auf, die ihn behütet von der Welt fernhielten.

Schon als Kind fiel Hawthorne durch erzählerische Begabung auf und wurde auf eine Privatschule geschickt. Von 1821 bis 1824 studierte er am Bowdoin College in Maine. Dort wurde er in die akademische Verbindung Phi Beta Kappa aufgenommen. In dieser Zeit schloss er Freundschaft mit dem Dichter Henry Wadsworth Longfellow und dem späteren US-Präsidenten Franklin Pierce. Die ersten Jahre als Schriftsteller verliefen schwierig. Anfängliche Misserfolge zwangen ihn, Anstellungen beim Zolldienst und in der Postverwaltung anzunehmen (1839–1841). Erst später konnte er von seiner Feder leben. Vor ihm hatten das in Amerika nur Washington Irving und James Fenimore Cooper erreicht.

Ab 1840 gehörte Hawthorne zum Kreis der Transzendentalisten. Er schloss Freundschaft mit George Ripley, Henry David Thoreau und Ralph Waldo Emerson. 1841 verbrachte er ein halbes Jahr in der sozialutopischen Siedlung Brook Farm, die Ripley kurz zuvor gegründet hatte. Diese Erfahrung verarbeitete er später im Roman The Blithedale Romance. 1842 heiratete er die Malerin Sophia Peabody, die ebenfalls dem Transcendentalist Club nahestand. Die Ehe blieb glücklich bis zu seinem Tod. Aus ihr gingen drei Kinder hervor. Die ersten Jahre wohnte das Paar im Haus „The Old Manse", das heute als Museum besichtigt werden kann.

1850 entstand eine kurzlebige, aber intensive Freundschaft mit Herman Melville. Für Melville war Hawthorne ein großes Vorbild – Moby Dick ist ihm gewidmet. Vom Briefwechsel der beiden sind nur Melvilles Briefe an Hawthorne erhalten geblieben. 1852 schrieb Hawthorne eine Wahlkampfbiographie für seinen Schulfreund Franklin Pierce, der für die Demokratische Partei antrat. Als Pierce ein Jahr später Präsident wurde, verschaffte er Hawthorne den Posten des amerikanischen Konsuls in Liverpool. Vier Jahre blieb dieser in England. Anschließend verbrachte er anderthalb Jahre mit seiner Familie in Italien. Schließlich kehrte er nach Concord zurück, wo er im Haus „The Wayside" lebte. Auf dem Weg zu einem Erholungsurlaub in den White Mountains starb er am 19. Mai 1864 in Plymouth, New Hampshire. Vier Tage später wurde er auf dem Sleepy Hollow Cemetery in Concord beigesetzt.


Literarische Merkmale

Hawthornes Werk wird der „dunklen" amerikanischen Romantik zugerechnet. Gemeinsam mit Herman Melville und Edgar Allan Poe bildet er deren Dreigestirn. Charakteristisch sind seine oft allegorischen Romane und Kurzgeschichten, die immer wieder in die Welt der Puritaner Neuenglands zurückführen. Diese thematische Bindung war auch biographisch begründet: Die Mitschuld eines Vorfahren an den Hexenprozessen von Salem ließ ihn die puritanische Strenge nie aus dem Blick verlieren.

Seine Texte sind von einem tiefen epistemologischen und metaphysischen Skeptizismus geprägt. Wiederkehrende Themen sind die dunklen Seiten der Seele wie der Gesellschaft: Sünde, Schuld, Strafe, Intoleranz und Entfremdung. Hawthorne erzählt nicht, um zu beruhigen, sondern um Zweifel zu wecken – am eigenen Inneren wie an der moralischen Selbstgewissheit der Gemeinschaft.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten wurde Hawthorne als Begründer einer genuin amerikanischen Nationalliteratur kanonisiert. Mit seinen oft allegorischen Romanen und Kurzgeschichten erlangte er Weltgeltung. Sein literarischer Rang zeigte sich auch in der Bewunderung, die ihm jüngere Kollegen entgegenbrachten. Herman Melville sah in ihm ein großes Vorbild und widmete ihm Moby Dick.

Bis heute gilt Hawthorne als einer der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller. Sein Roman The Scarlet Letter gehört in den Vereinigten Staaten zum festen Kanon des College-Unterrichts – kaum ein Student kommt an diesem Buch vorbei.

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