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Autoreneintrag · Marlen Haushofer
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Porträt Marlen Haushofer
Marlen Haushofer
1920 – 1970
– Autorenporträt –

Marlen Haushofer

1920 – 1970 · 49 Jahre

Österreichische Erzählerin, die ihren Rang in der Literatur vor allem einem Roman verdankt: „Die Wand“, der erst nach ihrem Tod wiederentdeckt wurde.

Kurzporträt

Ihren Rang in der österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts verdankt Marlen Haushofer vor allem einem Buch: dem Roman Die Wand. Geboren wurde sie 1920 als Marie Helene Frauendorfer in Frauenstein bei Molln in Oberösterreich; 1970 starb sie in Wien. Sie schrieb Erzählungen, Romane und Kinderbücher, die zu ihren Lebzeiten nur wenig Beachtung fanden. Erst nach ihrem Tod, mit der Neuauflage ihrer Romane ab 1984 und dem wachsenden Interesse der Frauenliteraturforschung, wurde ihr Werk wiederentdeckt.


Biografie

Am 11. April 1920 kam sie in Frauenstein bei Molln zur Welt und wurde am 12. April auf den Namen Marie Helene getauft. Ihre Mutter Maria Frauendorfer, geborene Leitner, war Kammerzofe, ihr Vater Heinrich Frauendorfer Revierförster. Sie hatte einen vier Jahre jüngeren Bruder.

Ab 1930 besuchte sie das Internat der Ursulinen in Linz. Im Schuljahr 1938/39 wechselte sie an das Gymnasium der Kreuzschwestern in Linz. Weil auch diese Schule konfessionell geführt war, fiel sie unter den nationalsozialistischen Schließungserlass; die NS-Schulbehörden richteten dort eine öffentliche Schule ein, in der das Lehrpersonal der Kreuzschwestern jedoch weiter unterrichtete. Am 18. März 1939 legte sie an dieser Schule ihre Matura ab. Nach einer kurzen Phase des Arbeitsdienstes studierte sie ab 1940 Germanistik in Wien und ab 1943 in Graz. Ihr Studium schloss sie nicht ab.

Im Jahr 1941 heiratete sie den Zahnarzt Manfred Haushofer, mit dem sie später nach Steyr zog. Die Ehe wurde 1950 geschieden und 1958 erneut geschlossen. Aus ihr ging ein Sohn hervor; einen unehelichen Sohn brachte sie in die Ehe mit.

Ab 1946 veröffentlichte Haushofer kleinere Erzählungen in Zeitungen und Zeitschriften wie Lynkeus und Neue Wege. Ihre Texte erschienen zudem in österreichischen Tageszeitungen, darunter Die Presse, Kurier am Sonntag, Neues Volksblatt, Oberösterreichische Nachrichten, Salzburger Nachrichten und Wiener Zeitung. Ein erster Erfolg gelang ihr 1952 mit der Novelle Das fünfte Jahr, die dem Titel entsprechend ein Jahr im Heranwachsen eines Kindes namens Marili in nüchterner Nähe beschreibt. Gefördert wurde ihre literarische Arbeit vor allem von Hans Weigel und Hermann Hakel.

Der Roman Die Wand erschien 1963 und wurde 2012 verfilmt. Er ist ihr bekanntestes und vielfach neu aufgelegtes Werk. Darin schildert sie das isolierte Leben einer Frau im Wald, eine in der Katastrophe entstandene Idylle. Trotz früh gelobter Qualitäten wurde das Buch, wie ihre übrigen Werke, lange vergessen. Nur die Kinderbücher bildeten eine Ausnahme, die für die Rezeption allerdings ohne Gewicht blieb.

Am 21. März 1970 starb Marlen Haushofer, an Knochenkrebs erkrankt, nach einer Operation in Wien, drei Wochen vor ihrem 50. Geburtstag. Nach der Einäscherung am 26. März in der Feuerhalle Wien-Simmering wurde ihre Urne am Steyrer Taborfriedhof beigesetzt.


Literarische Merkmale

Kennzeichnend für Haushofers Schreiben ist ein nüchterner, genauer Ton. Schon die frühe Novelle Das fünfte Jahr beschreibt ein Jahr im Heranwachsen eines Kindes in nüchterner Nähe. In Die Wand entwirft sie das Bild eines isolierten Lebens im Wald, eine Idylle, die erst aus der Katastrophe entsteht. Immer wieder setzt sich ihr Werk mit der Rolle der Frau in der Männergesellschaft auseinander.


Rezeption

Lange Zeit blieb Haushofers Werk weitgehend unbeachtet. Selbst der früh für seine Qualitäten gelobte Roman Die Wand geriet ebenso in Vergessenheit wie ihre übrigen Bücher. Erst allmählich erkannten die Frauenbewegung und die Frauenliteraturforschung die Bedeutung eines Werkes, das sich immer wieder mit der Rolle der Frau in der Männergesellschaft befasst. Die Neuauflage ihrer Romane ab 1984 spielte dabei eine wichtige Rolle für die Wiederentdeckung.

Anlässlich ihres 100. Geburtstages und 50. Todestages im Jahr 2020 kritisierte ihre Biografin Daniela Strigl, dass Haushofers Verlag Ullstein das Jubiläum „verschlafen“ habe. Zudem suggeriere die Gestaltung der Titelbilder aktueller Taschenbuchausgaben mit „weichgezeichnete Frauenporträts“, dass es sich bei ihren Romanen um „Frauenliteratur“ handele. Ende 2023 veröffentlichte der Berliner Claassen-Verlag in Kooperation mit dem Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich eine sechsbändige Werkausgabe mit den gesammelten Romanen und Erzählungen. Die Bände enthalten Vorworte zeitgenössischer Autorinnen und Autoren, unter ihnen Clemens J. Setz, Arno Geiger und Monika Helfer, sowie wissenschaftliche Nachworte. Im Februar 2024 stand die Werkausgabe auf Platz 1 der ORF-Bestenliste, im März 2024 führte sie die SWR-Bestenliste an.

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