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Werkseintrag · Das Wirtshaus im Spessart
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Das Wirtshaus im Spessart
1828
– Werkseintrag –

Das Wirtshaus im Spessart

1828 · Märchen

Vier Reisende vertreiben sich in einem berüchtigten Räuberwirtshaus die Nacht mit Märchen – bis die Räuber wirklich vor der Tür stehen.

Überblick

Das Werk Das Wirtshaus im Spessart bildet die Rahmenerzählung des dritten Bandes von Wilhelm Hauffs Märchenalmanach. Dieser erschien als „Mærchenalmanach für Söhne und Töchter gebildeter Stände auf das Jahr 1828" in Stuttgart. Die Veröffentlichung hat Hauff selbst nicht mehr erlebt. Sie greift die Räuberthematik auf und verbindet eine spannungsreiche Handlung mit den in den Rahmen eingelassenen Märchen.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht die Gesellenwanderung des jungen Goldschmieds Felix. Gemeinsam mit einem Zirkelschmied, der ihn begleitet, kehrt er eines Abends in ein Gasthaus ein. Dort treffen die beiden auf einen Studenten und einen Fuhrmann. Das Wirtshaus liegt im Spessart, einer Gegend, die für ihre Raubüberfälle berüchtigt ist.

Aus Sorge, im Schlaf ausgeraubt zu werden, beschließen die vier Männer, wach zu bleiben. Um die Müdigkeit zu vertreiben, erzählen sie sich Märchen. Gegen zehn Uhr abends treffen weitere Gäste ein: eine Gräfin mit ihrem Jäger und ihrer Hofdame. Die Männer warnen sie vor der drohenden Gefahr.

Als die Räuber schließlich tatsächlich erscheinen, zeigt sich, dass sie es allein auf die Gräfin abgesehen haben. Wie die Reisenden auf diese Bedrohung reagieren und wie sich die Lage wendet, macht den Reiz der Erzählung aus.

Die Handlung im Detail

Der Goldschmied Felix ist auf Gesellenwanderung. Mit einem Zirkelschmied kehrt er abends in ein Gasthaus im Spessart ein, wo sie auf einen Studenten und einen Fuhrmann treffen. Weil die Gegend für Raubüberfälle berüchtigt ist, beschließen die vier Männer, nicht zu Bett zu gehen, um nicht ausgeraubt zu werden. Damit der Schlaf sie nicht übermannt, erzählen sie sich vier Märchen.

Gegen zehn Uhr abends kommt eine Gräfin mit ihrem Jäger und ihrer Hofdame ins Gasthaus. Die Männer unterrichten den Jäger von der drohenden Gefahr. Daraufhin zieht sich die Gräfin mit ihrer Dame auf ein Zimmer zurück, und der Jäger gesellt sich zu den Männern, um bei einem Angriff besser gewappnet zu sein.

Nach Mitternacht kommen tatsächlich die Räuber. Sie haben es allein auf die Gräfin abgesehen: Sie wollen sie entführen, damit ihr Ehemann sie freikaufen muss. Der junge Goldschmied, der klein ist und keinen Bart trägt, verkleidet sich als Gräfin und lässt sich an ihrer Stelle „entführen". Der Jäger und der Student lassen sich mit ihm gefangen nehmen und begleiten ihn.

Während die echte Gräfin unbeschadet nach Hause fährt und der Fuhrmann seinen Weg fortsetzt, werden die drei Gefangenen zum Lagerplatz der Räuberbande gebracht. Nach fünf Tagen tritt der Räuberhauptmann vor sie und schildert, wie ernst die Lage sei: Der Graf zahle das Lösegeld nicht, weshalb der Hauptmann gezwungen sei, der vermeintlichen Gräfin Schmerzen zuzufügen. Doch es erscheint ihm unmöglich, der Frau, die er hoch achtet, etwas anzutun. Daher schlägt er den Gefangenen vor, gemeinsam mit ihm zu fliehen, sobald es dunkel wird.

So wandern der Goldschmied, der Jäger, der Student und der Hauptmann die ganze Nacht hindurch. Bei Tagesanbruch treffen sie auf fünf Soldaten. Unter ihnen ist ein Major, der den Jäger wiedererkennt. Der Major bringt den Jäger und seine Begleiter sicher nach Aschaffenburg, wo der Graf residiert.

Noch am selben Tag fahren Jäger, Goldschmied und Graf zum Schloss, wo die Gräfin auf gute Nachrichten von ihrem Retter wartet. Groß ist die Freude, als sie den Goldschmied erblickt. Sie bittet ihn, die Kleidung und den Sack behalten zu dürfen, mit denen sie sich verkleidet hatte, um von den Räubern nicht als die wahre Gräfin überführt zu werden. Er gewährt ihr das. Zugleich bittet er, den Schmuck seiner Patin behalten zu dürfen, die er nie zuvor gesehen hat – diesen wollte er ihr auf seiner Wanderung persönlich übergeben.

Die Gräfin betrachtet den Schmuck und erkennt ihn überrascht wieder: Es sind die Edelsteine, die sie ihrem Patensohn, einem Goldschmied, selbst zur Bearbeitung geschickt hatte. So steht niemand anderes als ihr eigener Patensohn vor ihr – der Mann, der sie gerettet hat. Zum Dank nimmt sie ihn in die Familie auf. Als er von seiner Wanderung zurückkehrt, richtet sie ihm ein vollständiges Haus in Nürnberg ein.

Stil

Kennzeichnend ist die Form der Rahmenerzählung. Die Geschichte um das Gasthaus, die Reisenden und die Räuber bildet den äußeren Rahmen, in den die Märchen eingelassen sind, die sich die wachenden Männer in der Nacht erzählen. Erzählte Handlung und eingeschobene Märchen greifen so ineinander: Das Erzählen ist selbst Teil der Handlung, denn es dient den Bedrohten dazu, wach und gefasst zu bleiben.

Die Räuberthematik gibt der Rahmenhandlung ihre Spannung. Verkleidung, Verwechslung und die späte Wiedererkennung führen die Erzählung zu einem kunstvoll gefügten Schluss, in dem sich die Fäden überraschend zusammenfügen.

Rezeption

Bekannt geworden ist die Erzählung als Teil von Hauffs Märchenalmanach, dessen dritter Band erst nach dem Tod des Autors erschien. Innerhalb dieses Almanachs zählt der Rahmen um das Spessart-Wirtshaus zu den bekannteren Stücken, da er die einzelnen Märchen zu einem Ganzen verbindet. Die Verknüpfung von Räubergeschichte und eingebetteten Märchen hat dem Werk über die Jahre seinen festen Platz unter Hauffs Erzählungen gesichert.

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