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Cover Tränen des Vaterlandes
Tränen des Vaterlandes
1637
– Werkseintrag –

Tränen des Vaterlandes

1637 · Lyrik

Vierzehn Verse aus dem Dreißigjährigen Krieg – das wohl berühmteste deutsche Gedicht des 17. Jahrhunderts und ein eindringlicher Klageruf über ein verwüstetes Land.

Überblick

Tränen des Vaterlandes ist eines der berühmtesten Barockgedichte. Es gilt als das wahrscheinlich bekannteste deutsche Gedicht des 17. Jahrhunderts. Andreas Gryphius klagt darin in vierzehn Versen über die Verheerung Deutschlands durch den Dreißigjährigen Krieg. Das Sonett ist seit Generationen fester Bestandteil des schulischen und universitären Kanons. Bis heute wird es immer wieder in Anthologien und Lesebüchern abgedruckt. Kaum ein anderes Gedicht hat eine so dichte Forschungsgeschichte hervorgebracht.

Eine erste Fassung erschien 1637 unter dem Titel Trawrklage des verwüsteten Deutschlandes. Sie war das sechsundzwanzigste der sogenannten Lissaer Sonette im heute polnischen Lissa. Eine stark überarbeitete Version unter dem heutigen Titel folgte 1643 in Leiden. Sie war das siebenundzwanzigste Stück der Sammlung ANDREAE GRYPHII SONNETE. Das erste Buch. Weitere Drucke erschienen zu Lebzeiten 1650, 1657 und in der Ausgabe letzter Hand 1663. Der Untertitel "Anno 1636" nennt vermutlich das Entstehungsjahr, mitten im Krieg.

Inhalt (ohne Spoiler)

Das Sonett klagt über die Verwüstung Deutschlands im Dreißigjährigen Krieg. In vierzehn Versen wendet sich ein "Wir" an die Leser. Es benennt das Leid, das fremde Heere über das Land gebracht haben.

Die Handlung im Detail

Das Gedicht beschreibt die Verheerung des Landes durch die "frechen Völcker", also die fremden Truppen. In dichter Wortfolge erscheinen Schar und Schwert, Schweiß und Fleiß, Vorrat, Schanze und Stadt – Begriffe, die das Ineinander von Kampfhandlung, ausgezehrter Arbeitskraft und zerstörten Lebensräumen vor Augen führen. Schon der erste Vers stellt die Verheerung als vollendete Tatsache hin: "WIr sind doch nunmehr gantz, ja mehr denn gantz verheeret".

Stil

Wie alle Lissaer Sonette ist das Gedicht im Alexandriner gehalten. Dieses Versmaß hatte Martin Opitz 1624 in seinem Buch von der Deutschen Poeterey für Sonette empfohlen. Auch das Reimschema folgt dieser Vorgabe: "abba abba" in den beiden Quartetten, "ccd eed" in den Terzetten. Die Verse mit den a- und d-Reimen sind dreizehnsilbig und weiblich gereimt. Die Verse mit den b-, c- und e-Reimen sind zwölfsilbig und männlich gereimt. In modernen Ausgaben werden Letztere entsprechend eingerückt. Die Zäsur fällt regelmäßig nach der sechsten Silbe. Gleich im ersten Vers passt Gryphius den Satz "WIr sind doch nunmehr gantz […] verheeret" durch den Einschub "ja mehr denn gantz" exakt in dieses Maß ein.

Die Verse wirken trotzdem nicht monoton. Eine differenzierte Abfolge von Tempowechseln erzeugt eine kunstvolle Dynamik, etwa zwischen Vers 2 und 3 und Vers 4 oder zwischen den Versen 5 bis 7 und Vers 8. Zur Musikalität tragen weitere Mittel bei. Binnenreime wie Schweiß/Fleiß und Rathauß/Grauß gehören dazu, ebenso Alliterationen wie "der frechen Völcker" und die Klangreihen Schaar/Schwerdt/Schweiß, Fleiß/Vorrath und Schantz und Stadt. Hinzu kommen Enjambements von Vers 3 zu 4 und von Vers 7 zu 8. Der Germanist Erich Trunz hat darauf hingewiesen, dass der Alexandriner in seiner Weiträumigkeit der Masse dessen entspreche, was gesagt werden soll. Sein stolzer Schritt gebe allem feste Gestalt. Seine Gesetzlichkeit bändige die düstere Fülle, auf die der Blick starrt, zu reiner Form – und sei eben darum hier am Platze.

Rezeption

Das Sonett gilt als eines der bekanntesten Barockgedichte. Es gilt als wahrscheinlich berühmtestes deutsches Gedicht des 17. Jahrhunderts. Es ist fester Bestandteil des schulischen und universitären Kanons und wird in Anthologien und Lesebüchern immer wieder abgedruckt. Wie kaum ein anderes Gedicht hat es eine intensive Forschungsgeschichte hervorgerufen. Marian Szyrocki und Hugh Powell legten 1963 in Band 1 ihrer Gesamtausgabe der deutschsprachigen Werke die Fassung von 1637 neu vor. Thomas Borgstedt edierte 2012 die Fassung der Ausgabe letzter Hand von 1663.

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