Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Absurda Comica oder Herr Peter Squenz
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Absurda Comica oder Herr Peter Squenz
1657
– Werkseintrag –

Absurda Comica oder Herr Peter Squenz

1657 · Komödie

Eine Truppe biederer Handwerker will vor dem König eine antike Tragödie aufführen – und liefert in Gryphius’ berühmtem Schimpfspiel eine Bühnenkatastrophe, über die der Hof Tränen lacht.

Überblick

Das Schimpfspiel in drei Aufzügen gehört zu den bekanntesten deutschen Barockkomödien. Andreas Gryphius entwarf es vermutlich zwischen 1648 und 1650. Gedruckt erschien es erstmals 1657 in Breslau. Erste belegte Aufführungen fanden in Breslau (1668), Dresden und Görlitz (beide 1672) sowie Heidelberg (1730) statt. Bis heute wird das Stück häufig gelesen und gespielt. Es ist eine der populärsten Komödien des deutschen Barock.

Inhalt (ohne Spoiler)

Eine Gruppe biederer Handwerker um den Schulmeister Peter Squenz beschließt, vor dem König eine Komödie aufzuführen. Sie hat gehört, der Herrscher liebe lustige Tragödien, und glaubt sich der Aufgabe gewachsen. Squenz verteilt die Rollen. Er stellt eine ausschweifende Liste möglicher Stücke zusammen und führt die Truppe selbstbewusst an den Hof. Dort soll am Ende der antike Stoff von Pyramus und Thisbe aus Ovids Metamorphosen aufgeführt werden. Diese Tragödie gerät in den Händen der Handwerker zu etwas ganz anderem, als sie selbst vermuten. Das Vergnügen des Stücks liegt im Aufeinandertreffen der gespielten Hochkultur und der täppischen Wirklichkeit dieser Laienspieler.

Die Handlung im Detail

Im ersten Aufzug erfährt Peter Squenz, dass der König lustige Tragödien schätzt. Er ruft eine Gruppe Handwerker zusammen und verteilt unter ihnen die Rollen für Pyramus und Thisbe, einen Stoff aus Ovids Metamorphosen. Um beim König Eindruck zu machen, setzt Squenz eine lange Liste möglicher Stücke auf, an deren Ende Pyramus und Thisbe steht. Die Handwerker hoffen, der König werde gerade dieses wählen und sie für hochgelehrte Leute halten.

Der zweite Aufzug führt Squenz vor die königliche Familie. Unsicher im Umgang mit den höfischen Rangordnungen verstößt er gegen die Etikette und nennt sich selbst den „vornehmsten Mann der ganzen Welt". Der König durchschaut die Übertreibung sofort und versucht, jedes andere Stück der Liste auszuwählen – nur nicht Pyramus und Thisbe. Doch Squenz hat für jeden Vorschlag eine Ausrede parat, weshalb seine Truppe genau dieses Stück nicht aufführen könne. So bleibt am Ende nur Pyramus und Thisbe übrig. Der Hof freut sich bereits darauf, sich über die zu erwartende Ungeschicklichkeit der Handwerker zu amüsieren.

Im dritten Aufzug kommt es nach einigem Warten zur Aufführung. Sie gerät zu einer Kette von Pannen, im Stück „Säue" genannt: Die Spieler bringen den Text durcheinander, ersetzen Reimwörter durch eigene Erfindungen, reagieren auf Zwischenrufe aus dem Publikum, und zwischen den Figuren Pickelhering und Bulla-Butän bricht sogar eine Prügelei auf offener Bühne aus. Genau dieses Chaos hatte der Hof erwartet, und er amüsiert sich glänzend. Am Ende werden die Handwerker großzügig belohnt: Für jede „Sau" erhalten sie fünfzehn Gülden vom König – die Stümperei wird so zu ihrem unverhofften Glück.

Stil

Gryphius nennt sein Stück „Schimpfspiel", eine derbe, possenhafte Komödie. Die Komik entspringt dem Missverhältnis zwischen hohem Anspruch und niederem Vermögen. Die Handwerker wollen eine antike Tragödie aufführen und scheitern auf jede erdenkliche Weise. Sie verwechseln Worte, ersetzen Reime, prügeln sich auf der Bühne. Diese Fehler heißen im Stück „Säue" und sind die eigentliche Pointe. Die Sprache wechselt zwischen gespreizter Gelehrsamkeit, mit der Squenz Eindruck schinden will, und derbem Alltagston der Handwerker. Das Stück ist klar in drei Aufzüge gegliedert. Die Spannung entsteht weniger aus einer äußeren Handlung als aus dem Aufeinanderprallen der Stände und der ungewollten Komik der Laienspieler.

Rezeption

Das Schimpfspiel hat sich im deutschen Barockrepertoire fest etabliert. Nach der Drucklegung 1657 folgten Aufführungen in Breslau, Dresden, Görlitz und Heidelberg. Bis heute gehört das Stück zu den meistgelesenen und meistgespielten deutschen Barockkomödien. Es ist im Schulkanon und auf den Bühnen präsent geblieben – eine Seltenheit für dramatische Texte des 17. Jahrhunderts.

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