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Werkseintrag · Foma Gordejew
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Cover Foma Gordejew
Foma Gordejew
1899
– Werkseintrag –

Foma Gordejew

1899 · Roman

Ein junger Millionenerbe an der Wolga, der die Welt der reichen Kaufleute nicht erträgt und an ihr zugrunde zu gehen droht – Gorkis erster Roman über einen Außenseiter im eigenen Stand.

Überblick

Mit Foma Gordejew legte Maxim Gorki im Jahr 1899 seinen ersten Roman vor. Das Buch schildert den Aufstieg und das Scheitern einer reichen Kaufmannsfamilie an der Wolga. Sein Held entstammt nicht dem einfachen Volk, sondern der zweiten Generation russischer Kapitalisten – einer Welt, die Gorki von Jugend an vertraut war. Hinter dem Schicksal des Titelhelden zeichnet der Roman ein Bild der russischen Gesellschaft im Umbruch, in der ein neues Bürgertum den alten Adel von der Macht verdrängt und die rasche Industrialisierung tiefe soziale Verwerfungen hinterlässt.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht Foma Gordejew, Sohn des reichen Wolgaschiffers Ignat Gordejew. Schon früh verliert Foma seine Mutter, die bei seiner Geburt stirbt. Nach dem Tod des Vaters erbt er als Vollwaise das große, erfolgreiche Geschäft. Sein weiterer Erzieher wird der gerissene Kaufmann Majakin, ein langjähriger Freund des Vaters, der auf eine Verbindung Fomas mit seiner Tochter Ljubow hofft – eine Heirat, die ihm geschäftlich von Nutzen wäre.

Doch Foma kann sich in die Welt der reichen Kaufleute nicht einfügen. Statt unter seinesgleichen zu verkehren, sucht er die Nähe seines Schulfreundes Jeschow, eines armen, idealistischen und verbitterten Journalisten. Mehr und mehr wird Foma zum Außenseiter, der das ererbte Unternehmen vernachlässigt. Zwischen der materialistischen Lebensphilosophie Majakins und seinem eigenen Empfinden tut sich ein Abgrund auf, der den jungen Erben immer tiefer in Zweifel und Auflehnung treibt.

Die Handlung im Detail

Der Roman erzählt das Leben Foma Gordejews, des Sohnes des reichen Wolgaschiffers Ignat Gordejew. Die Mutter Natalja stirbt bei der Geburt, und auch der Tod des Vaters macht Foma früh zur Vollwaise. Er erbt das große, gut gehende Geschäft des Vaters. Erzogen wird er fortan von Majakin, dem gerissenen Kaufmann und langjährigen Freund des Vaters, der darauf hofft, Foma mit seiner Tochter Ljubow zu verheiraten, weil ihm diese Verbindung geschäftliche Vorteile brächte.

Foma jedoch findet keinen Platz in der Gesellschaft der Oberschicht. Er wird zunehmend zum Außenseiter, vernachlässigt das geerbte Unternehmen und gibt sich immer stärker dem Alkohol und einem ausschweifenden Leben hin. Statt sich standesgemäß unter den reichen Kaufleuten zu bewegen, verbringt er seine Zeit mit seinem Schulfreund Jeschow, einem armen, idealistischen und verbitterten Journalisten, der vergeblich Anschluss an die russische Arbeiterschaft sucht.

Zum offenen Bruch kommt es auf der Einweihungsfeier eines neuen Schiffes des Kaufmanns Kononow, bei der die oberen Kreise der Stadt versammelt sind und an der teilzunehmen Majakin den jungen Mann förmlich gezwungen hatte. Majakin hält eine flammende Rede und preist die Tat- und Schaffenskraft des russischen Kaufmannsstandes, was unter den Anwesenden großen Jubel auslöst. Zur Überraschung aller setzt Foma sogleich eine Entgegnung dagegen. Er übergießt die Kaufleute mit Hohn und Spott, deckt ihre moralische Verkommenheit und Heuchelei auf und benennt die kriminellen Machenschaften einzelner unter ihnen – bis die erzürnte Menge ihn überwältigt.

Foma wird in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht. Etwa drei Jahre nach Majakins Tod kehrt er als gebrochener Mann in seine Heimatstadt zurück. Er lebt nun ärmlich im Hinterhaus von Majakins Tochter Ljubow und treibt sich abgerissen und heruntergekommen auf den Straßen herum.

Stil

Angelegt ist das Werk als breiter Gesellschaftsroman, der das Schicksal einer einzelnen Figur mit dem Porträt eines ganzen Standes verbindet. Gorki rückt nicht allein den Titelhelden in den Mittelpunkt, sondern stellt ihm mit dem Kaufmann Majakin einen Gegenspieler von großer Anschaulichkeit zur Seite, dessen rücksichtslos materialistische Lebensphilosophie den eigentlichen Gegenpol der Erzählung bildet. In einem Brief an Anton Tschechow vom August 1899 bemerkte Gorki, er habe die Figur des Majakin hinter der Figur Fomas versteckt, um sie der Zensur zu entziehen.

Über mehrere Figuren spannt der Roman drei Generationen von Industriellen auf: von Ignat Gordejew, der sich vom Frachtmeister bis zum Millionär emporgearbeitet hat, bis zu Afrikan Smolin, dem späteren Ehemann von Majakins Tochter Ljubow, der im Ausland westeuropäische Kultur und Technik kennengelernt hat. An diesem Generationenbogen führt Gorki die enorme Geschwindigkeit der russischen Industrialisierung vor Augen.

Rezeption

Als erster Roman Maxim Gorkis nimmt Foma Gordejew einen besonderen Platz in seinem Werk ein. Anders als in seinem später vielleicht bekanntesten Roman Die Mutter ist der Held hier kein Proletarier, sondern ein Angehöriger der besitzenden Klasse – ein Erbe, der an der Welt der Kaufleute zerbricht. Der Stoff wirkte über die Literatur hinaus: 1959 brachte der Regisseur Mark Donskoi den Roman unter demselben Titel als Film auf die Leinwand.

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