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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Salambo
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Salambo
1862
– Werkseintrag –

Salambo

1862 · Roman

Im untergehenden Karthago verbindet sich der blutige Aufstand der Söldner mit dem geheimen Verlangen zwischen einer Priesterin und dem Anführer ihrer Feinde.

Überblick

Der Roman Salambo von Gustave Flaubert erschien 1862. Er spielt im Altertum und schildert einen Aufstand der Söldner. Dieser Aufstand brach nach der Niederlage Karthagos im Ersten Punischen Krieg zwischen 241 und etwa 238 v. Chr. in Nordafrika aus. Die Titelfigur Salammbô ist die Tochter des karthagischen Feldherrn Hamilkar Barkas. Sie ist eine erfundene Gestalt. Der historische Hintergrund beruht dagegen auf wirklichen Ereignissen. Die farbenprächtigen und drastischen Schilderungen machten das Werk bei seinem Erscheinen zu einem viel beachteten Buch.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im antiken Karthago richtet der Feldherr Hamilkar Barkas ein prunkvolles Festmahl aus. Damit will er die noch nicht entlohnten Söldner beschwichtigen. Doch das Gelage gerät außer Kontrolle. Aus dem Unmut über den ausstehenden Sold wächst nach und nach ein offener Aufstand gegen die mächtige Handelsstadt.

Mitten in diese aufgeheizte Stimmung tritt Salammbô, die Tochter Hamilkars und Priesterin der Mondgöttin Tanit. Ihr Erscheinen versetzt den libyschen Söldner Mâtho in tiefe Verzückung. Zwischen ihm und der jungen Frau entsteht eine geheime, schwer fassbare Anziehung. Diese zieht ihre Bahnen quer durch den Krieg.

Während die Söldner Karthago belagern und ihren Lohn fordern, entspinnt sich ein erbitterter Kampf um die Stadt. Im Mittelpunkt steht ein heiliger Schleier der Göttin Tanit. An seinem Besitz hängt dem Glauben nach das Schicksal Karthagos. Der Roman verbindet die großen Schlachten mit dem leisen, gefährlichen Verlangen zwischen Salammbô und Mâtho. Wie sich beider Wege kreuzen und wohin der Krieg führt, bleibt der Lektüre vorbehalten.

Die Handlung im Detail

In den Gärten Hamilkar Barkas’ wird ein prunkvolles Festmahl ausgerichtet, um die bislang nicht bezahlten Söldner zu besänftigen. Mit wachsender Trunkenheit eskaliert das Gelage. Die Söldner befreien karthagische Sklaven, darunter Spendius, der sie aufwiegelt, die Pokale der Heiligen Legion herbeizuschaffen. Der General Gisko, der die Söldner in Sizilien befehligt hat, versucht zu beschwichtigen, zieht in der erhitzten Stimmung aber wieder ab. Einige Söldner töten die heiligen Fische der Familie Hamilkars und rufen damit dessen Tochter Salammbô auf den Plan. Begleitet von den Priestern der Tanit klagt sie um ihre Fische und macht den Söldnern Vorwürfe, bemüht sich aber zugleich um Versöhnung. Der libysche Söldner Mâtho ist von ihrer Erscheinung hingerissen und weckt damit die Eifersucht des numidischen Prinzen Narr’Havas. Dieser verletzt ihn, und im Trubel verschwindet Salammbô. Mâtho folgt ihr bis zum verschlossenen Palast, ihm wiederum folgt Spendius, der sich seinem Befreier als Sklave andient und ihn zum Aufstand gegen Karthago bewegen will.

Das Söldnerheer bricht zu einem siebentägigen Marsch nach Sikka auf, denn unter dieser Bedingung wurde ihnen die Auszahlung des Soldes zugesichert. In der Ebene vor der Stadt schlagen sie ihr Lager auf. Mâtho hängt lethargisch seinen Gedanken an Salammbô nach, das Verhältnis zu Narr’Havas ist von Misstrauen geprägt, und Spendius folgt Mâtho voller Tatendrang auf Schritt und Tritt. Schließlich trifft der Suffet Hanno ein, doch nur, um die Söldner weiter zu vertrösten. Da die Söldner kein Punisch sprechen, können die meisten seiner Rede nicht folgen. Spendius gibt sich als Übersetzer aus, dreht Hanno aber die Worte im Mund um und schürt so den ohnehin schwelenden Hass auf Karthago. Dann taucht Zarxas auf, ein Überlebender eines Massakers, das die Karthager an einer Einheit balearischer Schleuderer verübt haben, und schildert die Gräuel. Hanno flieht mit seiner Leibwache, und das Heer setzt sich erneut gegen Karthago in Bewegung.

Salammbô verrichtet ihr nächtliches Gebet an Tanit, die sie als Mondgöttin verehrt. Ihre Hingabe ist so stark, dass sich sogar ihr Gesundheitszustand mit den Mondphasen wandelt. Begleitet wird sie von ihrer Amme Taanach, der freigelassenen Sklavin. Sie lässt ihren Lehrer Schahabarim rufen, den Hohepriester der Tanit, und bittet ihn vergeblich, das Kultbild der Göttin sehen zu dürfen. In der Morgendämmerung erscheint am Horizont das nahende Söldnerheer.

Die Söldner belagern Karthago und fordern ihren Sold sowie Salammbô als Geisel. Mâtho und Spendius dringen in den Tempel der Tanit ein und rauben den Zaïmph, den heiligen Schleier der Mondgöttin. Hilflos muss das Volk mitansehen, wie Mâtho, mit dem als unberührbar geltenden Schleier bedeckt, unversehrt die Stadt verlassen kann. Der Verlust bedeutet, dass Karthago die Gunst seiner Schutzgöttin verloren hat, und die Widerstandskraft der Stadt ist nachhaltig geschwächt. Beim Diebstahl begegnen sich Mâtho und Salammbô flüchtig, was in beiden das verborgene Verlangen neu entfacht. Da die Stadt uneinnehmbar bleibt, solange Hilfslieferungen über das Meer möglich sind, geben die Söldner die Belagerung auf und versuchen stattdessen, Karthago von seinen Bündnisgenossen abzuschneiden. Hamilkar kehrt aus Spanien zurück und übernimmt das Kommando. Als genialer Stratege schlägt er die Söldner in der Ebene von Macar entscheidend, ohne sie jedoch vernichten zu können.

Salammbô verfällt in einen schwermütigen Zustand, wobei offen bleibt, ob der Raub des Zaïmph oder das unbewusste Verlangen nach Mâtho die Ursache ist. Der Priester Schahabarim redet ihr ein, sie trage die Schuld am Raub des Schleiers, und die einzige Sühne bestehe darin, dass sie ihn persönlich von Mâtho zurückhole. Das wahre Motiv des Priesters scheint jedoch Eifersucht und Hass zu sein: Als Eunuch kann er Salammbô nicht besitzen und will sie deshalb mit diesem Auftrag der Schande und dem Tod ausliefern. Salammbô folgt seinem Rat und gelangt heimlich ins Lager der Söldner. In Mâthos Zelt verfallen beide einander; der Roman lässt offen, ob es zur körperlichen Vereinigung kommt, deutet sie aber recht deutlich an. Danach wird Salammbô von dem gefangenen Gisko für den Verrat an Heimat und priesterlicher Würde verflucht. Es gelingt ihr, den Zaïmph zu entwenden und nach Karthago zurückzukehren. Auch ihr Vater ahnt, auf welchem Weg sie den Schleier wiedererlangte. Zur Strafe erzwingt er ihre Verlobung mit Narr’Havas, dessen Bündnistreue er sich so sichert.

Im weiteren Verlauf wird Karthago abermals belagert, diesmal wird die Wasserversorgung gekappt, und die Bewohner sind bald dem Verdursten nahe. In höchster Not entschließt man sich, den Gott Moloch, der als Sonnengott das Gegenstück zur Mondgöttin Tanit bildet, durch Menschenopfer zu besänftigen. In einer grausamen Zeremonie werden Knaben auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Auch Hamilkar soll seinen Sohn Hannibal opfern, rettet ihn jedoch, indem er ihn heimlich gegen den Sohn eines Sklaven austauscht. Nach dem Opfer wendet sich das Kriegsglück: In mehreren Schlachten und durch Hinterhalte gelingt es den Karthagern, das Söldnerheer vollständig zu vernichten. Mâtho wird gefangen genommen. Als letzter Überlebender wird er am Tag der Hochzeit von Salammbô und Narr’Havas in einer brutalen Folterzeremonie getötet. Salammbô, die seinen Tod mitansehen muss, stirbt unmittelbar danach an Entkräftung, genau in dem Augenblick, als die Hochzeit vollzogen werden soll.

Stil

Kennzeichnend für das Werk ist seine farbenprächtige und zugleich drastische Schilderung einer fernen, untergegangenen Welt. Flaubert entwirft das antike Karthago mit großer Bildkraft. Tempel, Schlachten, religiöse Riten und Festgelage werden in dichten, sinnlichen Beschreibungen ausgemalt. Diese exotische und oft grausame Bilderwelt beeindruckte das Publikum besonders. Die Handlung verbindet das große historische Geschehen des Söldnerkriegs mit dem stillen, kaum aussprechbaren Verlangen zwischen Salammbô und Mâtho. Religion und Kult durchziehen den Roman als treibende Kräfte, etwa im Gegensatz zwischen der Mondgöttin Tanit und dem Sonnengott Moloch. Manche entscheidenden Vorgänge lässt der Text bewusst im Ungewissen. Er überlässt sie der Deutung des Lesers.

Rezeption

Großen Eindruck machte der Roman vor allem durch seine exotisch-drastischen Schilderungen. Diese beeindruckten das zeitgenössische Publikum stark. Das Werk regte in der Folge zahlreiche Bearbeitungen an. Es wurde mehrfach für die Bühne dramatisiert, unter anderem in einer unvollendet gebliebenen Oper von Modest Mussorgski. Auch der Film griff den Stoff auf, so in mehreren Verfilmungen des 20. Jahrhunderts. Bis in jüngere Zeit fand das Werk Eingang in andere Künste und Medien. Das zeigt sein anhaltendes Nachleben über die Literatur hinaus.

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