1844
Die drei Musketiere
Überblick↑
Der Abenteuerroman Die drei Musketiere von Alexandre Dumas dem Älteren erschien 1844. Er entstand in Zusammenarbeit mit Auguste Maquet. Er bildet den ersten Teil einer Trilogie um den jungen Gascogner d'Artagnan und seine drei Gefährten Athos, Porthos und Aramis, die zur Musketiergarde gehören. Die Fortsetzungen tragen die Titel Zwanzig Jahre danach und Der Vicomte von Bragelonne oder Zehn Jahre später. Das Werk verbindet höfische Intrige, Freundschaft und Degengefechte zu einer Geschichte. Sie spielt im Frankreich des 17. Jahrhunderts und wird bis heute immer wieder neu verfilmt.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Frühjahr 1625 bricht der junge Gascogner d'Artagnan nach Paris auf, um in die Musketiergarde des Königs aufgenommen zu werden. Schon auf dem Weg gerät er mit einem Mann aneinander, der für den mächtigen Kardinal Richelieu arbeitet. Dabei verliert er sein Empfehlungsschreiben. In Paris angekommen, verwickelt er sich gleich in drei Duelle mit den Musketieren Athos, Porthos und Aramis – und gewinnt dabei ihre Freundschaft.
Bald geraten die vier Gefährten in eine höfische Intrige: Königin Anna von Österreich hat dem Herzog von Buckingham wertvolle Diamantspangen geschenkt. Richelieu will dieses Geschenk nutzen, um sie beim König als Ehebrecherin bloßzustellen. D'Artagnan und seine Freunde übernehmen den gefährlichen Auftrag, die Königin zu retten. Auf ihrem Weg stellen sich ihnen die Helfer des Kardinals entgegen, allen voran eine kühle, schöne und höchst gefährliche Spionin, Lady de Winter, genannt Milady.
Zwischen Liebe, Verrat und Krieg vor der belagerten Stadt La Rochelle entfaltet sich ein Reigen aus Mut, List und Loyalität, getragen vom Wahlspruch der Freunde: „Einer für alle, alle für einen.“
Die Handlung im Detail↑
Im April 1625 reist der junge Gascogner d'Artagnan nach Paris, um Musketier zu werden. In der Stadt Meung macht sich Rochefort, ein Spion des Kardinals Richelieu, über sein Pferd lustig. Es kommt zum Streit, d'Artagnan wird verprügelt, und Rochefort stiehlt ihm das Empfehlungsschreiben. D'Artagnan beobachtet noch, wie Rochefort einer Frau, Lady de Winter, Anweisungen des Kardinals überbringt – auch sie eine Spionin Richelieus.
In Paris stellt sich d'Artagnan beim Hauptmann der Musketiere, Monsieur de Tréville, vor, doch ohne besondere Verdienste kann dieser ihm keinen Platz geben. Vom Fenster aus erkennt d'Artagnan Rochefort auf der Straße und stürzt hinaus. Dabei rempelt er die verletzte Schulter von Athos an, verheddert sich im Mantel von Porthos und zieht vor einer Taverne ein verräterisches Taschentuch unter dem Fuß von Aramis hervor. Das bringt ihm drei Duelle mit den drei Musketieren ein. Da Duelle durch ein Edikt Ludwigs XIII. verboten sind, wollen die Kardinalsgarden die Männer festnehmen. Die Musketiere ergeben sich nicht, d'Artagnan schlägt sich auf ihre Seite, und nach hartem Kampf wird er als Freund angenommen. Tréville verschafft ihm einen Platz in der Kompanie von Monsieur des Essarts.
D'Artagnan verliebt sich in Constance Bonacieux, die Frau seines Vermieters. Sie ist Kammerfrau der Königin Anna von Österreich und vermittelt zwischen der Königin und dem Herzog von Buckingham, der durch einen von Richelieu gefälschten Brief nach Paris gelockt wird. Bei einem Treffen schenkt Anna dem Herzog zwölf Diamantspangen. Um die Königin des Ehebruchs zu überführen, lässt Richelieu ihren Mann Bonacieux verhaften. Als die Musketiere die Abführung mitansehen, begreifen sie das Ausmaß der Intrige und schwören sich „Einer für alle, alle für einen“.
Richelieu überredet den König, ein Fest zu veranstalten, bei dem die Königin die Diamantspangen tragen soll. Zugleich schickt er Lady de Winter nach England, damit sie Buckingham zwei der Spangen stiehlt – dann könnte die Königin nicht alle zwölf vorweisen. Anna beauftragt Constance, jemanden zu finden, der die Spangen zurückholt. Constance bittet zunächst ihren Mann, doch der ist inzwischen als Spion für Richelieu tätig und verrät den Plan. So werden die vier Freunde, die den Auftrag übernehmen, von den Schergen des Kardinals verfolgt. Unterwegs unterliegt Porthos im Duell, Aramis wird angeschossen und Athos als Falschmünzer angeklagt. Nur d'Artagnan schlägt sich bis England durch. Buckingham lässt in einer Nacht zwei Spangen nachfertigen, und d'Artagnan kehrt gerade rechtzeitig nach Paris zurück.
Inzwischen ist Constance von Richelieu entführt worden. Bevor d'Artagnan sie sucht, holt er seine Freunde zurück: den verletzten Porthos, den in ein Kloster strebenden Aramis – den er mit einem Brief von dessen Geliebter Madame de Chevreuse umstimmt – und den betrunken in einem Keller eingesperrten Athos. In Paris erfahren sie von Tréville, dass ihre Truppen an der Belagerung von La Rochelle teilnehmen werden. D'Artagnan duelliert sich mit Lord de Winter, dem Schwager Miladys, schenkt ihm aber das Leben und wird dafür zu dessen Schwägerin eingeladen. Er macht Milady den Hof. In der Dunkelheit gibt er sich als ihr Geliebter de Wardes aus und verbringt eine Nacht mit ihr. Dann fälscht er einen Brief de Wardes', um sie unter eigenem Namen zu gewinnen, und verbringt eine weitere Nacht mit ihr. Milady will ihn zur Rache an de Wardes anstacheln. Als d'Artagnan ihr seine Täuschung gesteht, versucht sie, ihn zu töten. Im Kampf zerreißt ihr Nachthemd, und er sieht das eingebrannte Lilienzeichen auf ihrer Schulter. Er erkennt, dass Milady die Frau von Athos ist – jene, die dieser nach der Hochzeit nach Entdeckung des Brandmals eigenhändig erhängt zu haben glaubte.
Vor La Rochelle befindet sich d'Artagnan zunächst ohne seine Kameraden bei seinem Regiment, denn die Musketiere müssen beim erkrankten König bleiben. Er entgeht knapp einem Hinterhalt Miladys und einem Mordanschlag mit vergiftetem Wein, an dem einer ihrer Handlanger stirbt – im selben Moment treffen die Musketiere ein und begreifen, wie gefährlich Milady ist. Eines Abends folgen Athos, Porthos und Aramis dem Kardinal zu einer Herberge, in der er Milady trifft. Richelieu trägt ihr auf, Buckingham zu Verhandlungen zu bewegen oder ihn zu töten, und gibt ihr dafür einen Freibrief. Als Gegenleistung verlangt sie d'Artagnans Kopf. Durch ein kaputtes Ofenrohr hören die Musketiere alles mit, und Athos erkennt die Stimme seiner Frau. Nachdem der Kardinal gegangen ist, kehrt Athos zu ihr zurück und zwingt sie zur Herausgabe des Freibriefs.
Bei einem von Kämpfen umtobten Picknick in einer Bastion nahe La Rochelle beschließen die vier, Lord de Winter zu warnen, damit er Milady bei ihrer Ankunft in England festnimmt. Aramis schreibt zudem an seine Geliebte, sie möge sich bei der Königin nach Constance erkundigen. Im Lager werden die Freunde als Helden gefeiert, und d'Artagnan wird endlich Musketier.
In England wird Milady tatsächlich von ihrem Schwager festgenommen. Doch sie verführt ihren Wärter John Felton und bringt ihn dazu, Buckingham zu erstechen. Dann kehrt sie nach Frankreich zurück und versteckt sich in demselben Kloster, in dem auch Constance Bonacieux Schutz gefunden hat. Nach der Belagerung suchen die nun vier Musketiere nach Constance, deren Aufenthalt sie von Madame de Chevreuse erfahren haben. Sie kommen zu spät: Milady hat die junge Frau aus Rache an d'Artagnan vergiftet und ist geflohen. Constance stirbt in d'Artagnans Armen.
Athos schwört Rache und beauftragt den Henker von Lille, Milady zu töten. Als Beleg seines Rechts zeigt er ihm den Freibrief des Kardinals. Die Musketiere und Lord de Winter finden Milady in Armentières und sprechen sie einstimmig schuldig. Der Henker schlägt ihr den Kopf ab und versenkt den Körper in der Lys. Als Richelieu die Musketiere bestrafen will, zeigt d'Artagnan ihm den eigenen Freibrief. Daraufhin übergibt ihm der Kardinal ein Leutnantspatent für die Musketiere, in dem der Name noch frei ist. Nachdem die Freunde ablehnen, trägt schließlich Athos d'Artagnans Namen ein. D'Artagnan duelliert sich dreimal mit Rochefort und freundet sich mit ihm an. Danach trennen sich die Wege: Porthos heiratet eine reiche Witwe, Aramis tritt in ein Kloster ein, Athos zieht sich auf eine geerbte Grafschaft zurück. Nur d'Artagnan bleibt als Leutnant bei den Musketieren.
Stil↑
Geschrieben wurde der Roman als Feuilletonroman. Das heißt, er erschien zunächst in Fortsetzungen in einer Zeitung. Diese Form prägt den ganzen Aufbau. Die Handlung gliedert sich in klar abgesetzte Episoden. Jede endet mit einer Spannungsspitze und zieht den Leser zur nächsten Folge. Dumas arbeitete dabei mit dem Mitautor Auguste Maquet zusammen.
Das Erzähltempo ist rasch, die Handlung treibt von einer Wendung zur nächsten. Reisen, Duelle, Verkleidungen, abgehörte Gespräche und vertauschte Identitäten folgen dicht aufeinander. Der Stoff verbindet historische Schauplätze mit frei erfundenen Abenteuern der Hauptfiguren: den Hof Ludwigs XIII., die Intrigen Richelieus, die Belagerung von La Rochelle. Die Figuren sind kräftig und einprägsam gezeichnet: der ungestüme d'Artagnan, der schwermütige Athos, der prahlerische Porthos, der zwischen Kirche und Welt schwankende Aramis und die kalt berechnende Milady. Knappe, schlagfertige Dialoge und der wiederkehrende Wahlspruch „Einer für alle, alle für einen“ geben dem Werk seinen Ton.
Rezeption↑
Das Werk zählt zu den bekanntesten Abenteuerromanen der französischen Literatur und hat eine außergewöhnlich breite Nachwirkung entfaltet. Es bildet den Auftakt einer Trilogie. Sie wurde mit Zwanzig Jahre danach und Der Vicomte von Bragelonne oder Zehn Jahre später fortgesetzt.
Besonders deutlich zeigt sich die anhaltende Wirkung in der großen Zahl von Verfilmungen. Schon in der frühen Stummfilmzeit entstanden Bearbeitungen. Über die Jahrzehnte folgten zahlreiche weitere Filme in unterschiedlichen Ländern, darunter auch Trick- und Zeichentrickfassungen, die den Stoff parodierten. Figuren wie d'Artagnan und Milady sowie der Wahlspruch „Einer für alle, alle für einen“ wurden über das Buch hinaus zu festen Bestandteilen der Populärkultur.
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