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Werkseintrag · Die blinde Eule
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Cover Die blinde Eule
Die blinde Eule
1937
– Werkseintrag –

Die blinde Eule

1937 · Roman

Ein Maler beichtet einem Schatten an der Wand, der aussieht wie eine Eule, seine fiebrigen Albträume vom Tod – ein düsterer Kurzroman, der zu den Hauptwerken der modernen iranischen Literatur zählt.

Überblick↑

Der Kurzroman Die blinde Eule von Sadegh Hedayat erschien 1937 auf Persisch und gilt als das Hauptwerk seines Verfassers. Verfasst wurde er 1936, in den letzten Jahren der Regentschaft Reza Schahs. Man nimmt an, dass große Teile bereits um 1930 fertig waren, als Hedayat zum Studium in Paris lebte. Das Buch zählt zu den wichtigsten Werken der modernen iranischen Literatur des 20. Jahrhunderts. André Breton bezeichnete es als einen Klassiker des Surrealismus.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Ein Maler erzählt von seinen fiebrigen Albträumen. Er richtet seine Beichte an einen Schatten an der Wand, dessen Umriss an eine Eule erinnert. In den Träumen kreist alles um den Tod und um dessen Macht über das Leben. Der Erzähler räumt dem Tod eine Allmacht ein, der niemand entkommt: „Unser ganze Leben lang weist der Finger des Todes auf uns“. Szenen und Erinnerungen schieben sich dabei rauschartig ineinander. Wer das Buch aufschlägt, betritt eine düstere Welt, in der die Grenze zwischen Traum und Wachsein aufgehoben ist.

Die Handlung im Detail↑

Im Mittelpunkt des Romans steht ein Maler, der von seinen Albträumen berichtet. Sein Zuhörer ist kein Mensch, sondern ein Schatten an der Wand in Gestalt einer Eule. Ihm bekennt er seine todesbesessenen Traumbilder. In diesen Träumen setzt er sich umfassend mit dem Sterben und mit dessen Folgen für das Leben auseinander. Der Tod erscheint ihm als allmächtig, das Leben nur als dessen Vorhof.

Eine geordnete Handlung im gewohnten Sinn gibt es nicht. Szenen und Erinnerungen sind rauschartig ineinander verflochten, sodass sich kein klarer dramaturgischer Ablauf nacherzählen lässt. Das Buch enthält Anspielungen auf den tibetischen Buddhismus, insbesondere auf das Bardo Thodol. Der Text bleibt bis zuletzt ein Kreisen um dasselbe Zentrum: die Gewissheit, dass der Finger des Todes ein Leben lang auf den Menschen zeigt.

Stil↑

Prägend für das Werk ist die Auflösung der klaren Erzählordnung. Szenen und Erinnerungen gehen rauschhaft ineinander über, eine geradlinige Handlung gibt es nicht. Der Ton ist durchgehend düster, das Geschehen zwischen Fiebertraum und Wachsein angesiedelt. Hedayat hat darin europäische Literaturströmungen aufgenommen, unter anderem den Surrealismus. Für die iranische Erzähltradition bedeutete das eine Herausforderung. Die Form des Bekenntnisses an einen stummen Schatten gibt dem Buch den Charakter eines Selbstgesprächs.

Rezeption↑

Zunächst erschien der Roman 1937 in einer begrenzten Auflage im indischen Mumbai, wo Hedayat sich damals für zwei Jahre aufhielt. Die Ausgabe trug den Vermerk „Nicht für den Verkauf oder die Veröffentlichung in Iran“. Nach der Abdankung Reza Schahs 1941 kam der Text in Teheran heraus, zuerst als Fortsetzungsgeschichte in der Tageszeitung Iran. Die Resonanz war unmittelbar und stark. Zwischenzeitlich wurde das Buch verboten: Man warf ihm vor, sein Nihilismus verleite zum Selbstmord.

André Breton nannte den Roman einen Klassiker des Surrealismus. Der chilenische Filmemacher Raúl Ruiz verfilmte den Stoff 1987. Auf Deutsch liegt das Werk in Übersetzungen von Bahman Nirumand und von Gerd Henninger vor; Ausgaben erschienen unter anderem bei Eichborn, bei Suhrkamp und im Verlag Goethe & Hafis. 2023 erschien in Teheran ein Buch von Jahangir Hedayat und Farzad Shahrusvand, das die Druckgeschichte der Übersetzungen in fünfzig Sprachen beschreibt und dazu Bücher, Filme, Theaterstücke und Gemälde verzeichnet, die weltweit unter dem Einfluss des Romans entstanden sind.

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