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Porträt Joseph von Eichendorff
Joseph von Eichendorff
1788 – 1857
– Autorenporträt –

Joseph von Eichendorff

1788 – 1857 · 69 Jahre

Lyriker und Erzähler der deutschen Romantik, dessen Gedichte rund fünftausendmal vertont wurden und dessen „Taugenichts“ bis heute gelesen wird.

Kurzporträt

Joseph von Eichendorff (1788–1857) zählt zu den bedeutendsten Lyrikern und Schriftstellern der deutschen Romantik. Seine Gedichte wurden in etwa fünftausend Vertonungen verbreitet. Damit gehört er zu den meistvertonten deutschsprachigen Lyrikern überhaupt. Auch als Prosadichter ist er bis heute gegenwärtig, vor allem mit der Erzählung Aus dem Leben eines Taugenichts. Geboren wurde er auf dem oberschlesischen Schloss Lubowitz. Zeitlebens verband er die literarische Arbeit mit dem Beruf des preußischen Verwaltungsbeamten.


Biografie

Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff wurde am 10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor in Oberschlesien geboren. Die DNB nennt den Geburtsort in seiner heutigen polnischen Form als Łubowice. Wikidata und die Deutsche Biographie halten dagegen an der historischen Bezeichnung Schloss Lubowitz fest. Gemeint ist jeweils derselbe Ort. Vater Adolf bewirtschaftete neben Lubowitz mehrere Güter. In den Notjahren nach 1806/07 verlor er jedoch den größten Teil des Besitzes. Mutter Caroline entstammte der Familie von Kloch.

Von 1793 bis 1801 wurde Joseph gemeinsam mit seinem eineinhalb Jahre älteren Bruder Wilhelm durch Pfarrer Bernhard Heinke im Elternhaus unterrichtet. Schon früh las er Abenteuer- und Ritterromane sowie antike Sagen. Auch erste literarische Versuche unternahm er. Am 12. November 1800 begannen seine Tagebuchaufzeichnungen. Im Oktober 1801 traten die Brüder in das katholische Matthias-Gymnasium in Breslau ein und wohnten im St.-Josephs-Konvikt. Den Besuch ermöglichte ein Cousin des Vaters durch finanzielle Zuschüsse, da der Vater geschäftlich ruiniert war.

Von 1805 bis 1806 studierte Eichendorff Jura in Halle. Zugleich besuchte er Vorlesungen bei dem Philologen Friedrich August Wolf, dem Theologen Friedrich Schleiermacher und dem Naturphilosophen Henrich Steffens. In Bad Lauchstädt erlebte er ein Gastspiel der Weimarer Bühne Goethes. Eine Wanderung führte die Brüder durch den Harz bis ans Meer, vermutlich auch zu Matthias Claudius. Im August 1806 kehrte Eichendorff nach Lubowitz zurück.

Im Mai 1807 entschied sich die Familie, das Studium in Heidelberg fortzusetzen. Damit wich sie den Kriegshandlungen um die belagerte Festung Cosel aus. Die Brüder reisten am 4. Mai über Linz, Regensburg und Nürnberg nach Heidelberg. Dort hörte Eichendorff Rechtsvorlesungen bei Anton Friedrich Justus Thibaut, daneben bei Joseph Görres. Zu Görres hat er sich zeitlebens als seinem großen Lehrer bekannt. Mit Achim von Arnim wurde er flüchtig bekannt, enger befreundet war er mit dem Dichter Otto von Loeben. Mit den Theologen Friedrich Strauß und Wilhelm Budde schlossen sie sich zum „Eleusinischen Bund" zusammen. Im April 1808 unternahm er eine von Görres angeregte Bildungsreise über Straßburg nach Paris. Dort sah er auf der Nationalbibliothek altdeutsche Handschriften durch. Über Würzburg, Nürnberg, Regensburg und Wien kehrte er im Sommer nach Lubowitz zurück. Unter dem Pseudonym „Florens" erschienen erste Gedichte in Asts „Zeitschrift für Wissenschaft und Kunst". Um diese Zeit begann er auch die Märchennovelle Die Zauberei im Herbste.

Im November 1809 reisten die Brüder nach Berlin. Dort hörte Eichendorff Vorlesungen Fichtes und traf mit Arnim, Clemens Brentano, Adam Müller und Heinrich von Kleist zusammen. Im Sommer 1810 setzte er das Jurastudium in Wien fort. Dort lernte er auch Friedrich Schlegel kennen, dessen Frau Dorothea und deren Sohn, den Maler Philipp Veit. 1812 schloss er das Studium ab. Von 1813 bis 1815 nahm er an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil, zunächst als Lützower Jäger, dann als Leutnant in Torgau und schließlich beim Einzug in Paris. Am 7. April 1815 heiratete er in Breslau Luise von Larisch (1792–1855). Aus der Ehe gingen zwei Söhne und drei Töchter hervor.

1816 trat Eichendorff als Referendar in den preußischen Staatsdienst in Breslau ein. 1821 wurde er katholischer Kirchen- und Schulrat in Danzig, 1824 Oberpräsidialrat in Königsberg. 1831 siedelte die Familie nach Berlin um. Dort war Eichendorff für mehrere preußische Ministerien tätig. Die Sommer verbrachte sie in einem Haus in der Kreuzbergstraße nahe dem Viktoriapark. 1841 wurde er zum Geheimen Regierungsrat ernannt. Nach einer schweren Lungenentzündung 1843 trat er 1844 in den Ruhestand. 1846 übersetzte er einige der religiösen Dramen Pedro Calderón de la Barcas.

In den letzten Lebensjahren zog Eichendorff mit seiner Frau zu Tochter Therese und deren Mann, dem preußischen Offizier Louis von Besserer-Dahlfingen. Nach dem Tod seines Bruders Wilhelm am 7. Januar 1849 erbte er die Grundherrschaft Sedlnitz in Mähren. Dort verbrachte er mehrfach die Sommermonate. Um den Unruhen der Revolution auszuweichen, reiste er 1849 von Dresden für einige Tage nach Köthen. Dort hielt er sich später wiederholt in einem von der Tochter erworbenen Haus auf. Seine literarische Arbeit beendete er in dieser Zeit zugunsten publizistischer Tätigkeit. So entstand seine Geschichte der poetischen Literatur. 1856/57 lebte er als Gast des Breslauer Fürstbischofs Heinrich Förster auf dessen Sommerresidenz Schloss Johannisberg bei Jauernig. Eichendorff starb am 26. November 1857 mit 69 Jahren an einer Lungenentzündung in Neiße in Oberschlesien (heute Nysa in Polen; die Deutsche Biographie nennt den damaligen deutschen Namen, die polnische Form führt die DNB). Bestattet wurde er auf dem dortigen Jerusalemer Friedhof.


Literarische Merkmale

Eichendorffs Schreiben hat seinen bildlichen und gefühlshaften Grund in der Landschaft seiner oberschlesischen Heimat. Laut der Deutschen Biographie hat der Park über der Oder, in dem Schloss Lubowitz lag, sein Leben und Dichten geprägt. Den Begriff der Heimat erweiterte und vertiefte er später ins Menschliche und Religiöse. Die religiöse Grundrichtung seines Gemüts wurde für sein ganzes Leben bestimmend. Sie entstand aus dem innigen Umgang mit dem Neuen Testament, vor allem mit der Leidensgeschichte Jesu.

Schon in der Breslauer Gymnasialzeit erhielt Eichendorff praktische Berührung mit Theater- und Musikaufführungen. Neben August von Kotzebue lernte er Goethe, Schiller und Lessing kennen. In der Oper hörte er neben italienischen Werken Mozarts Zauberflöte. Sie vermittelte laut der Deutschen Biographie seinem späteren Novellenstil Atmosphäre und musikalische Gliederung. Diese frühen Jahre in Lubowitz, Breslau, Halle und Heidelberg hat der alte Eichendorff selbst in seinem Erinnerungswerk Erlebtes (geschrieben 1856/57) mit verklärender und stilisierender Hand dargestellt.

Prägend wurde die Heidelberger Zeit, vor allem die Bekanntschaft mit Joseph Görres. Er war der Stimmführer einer Bewegung, die auf der Erfahrung der eigenen sprachlichen, künstlerischen und sittlichen Vergangenheit ruhte. Görres verdankt Eichendorff laut der Deutschen Biographie das Bewusstwerden seiner inneren Antriebe und die Verbindung seiner dichterischen Strebungen mit den Bewegungen der Zeit. Seine ersten lyrischen Versuche entstanden im Umkreis der Freundschaft mit Otto von Loeben. Dessen schmachtenden Ton empfand er allerdings rasch als seinem Wesen unzuträglich. Der schmachtende Poet des Wiener Salons in Ahnung und Gegenwart ist ein ironisierendes Abbild Loebens.

Charakteristisch für Eichendorffs Werk ist die Verbindung des tätigen Lebens mit dem inneren Ahnen. Ein nur dichterisches Dasein war für ihn nach dem Befund der Deutschen Biographie schon früh undenkbar. So war auch die spätere Beamtentätigkeit für ihn nicht nur Last. Diese Spannung zwischen Freiheit und Bindung prägt bereits den ersten Roman Ahnung und Gegenwart. An dessen Vollendung wirkte Dorothea Schlegel kritisch mit, und er erschien 1815 mit Unterstützung Fouqués.


Rezeption

Mit rund fünftausend Vertonungen seiner Gedichte gehört Eichendorff zu den meistvertonten deutschsprachigen Lyrikern. Auch seine Erzählung Aus dem Leben eines Taugenichts ist bis heute gegenwärtig. Sein Sohn Hermann (1815–1900), preußischer Geheimer Regierungsrat, verfasste die erste Biographie und gab die Sämtlichen Werke des Vaters heraus. Der Enkel Carl (1863–1943) erwarb sich um die Eichendorff-Forschung Verdienste. Er begründete 1929 den Romantischen, später Eichendorff-Almanach Aurora, besorgte eine Bibliographie in der Historisch-kritischen Ausgabe und steuerte zahlreiche Aufsätze zur Biographie und Textüberlieferung bei. Gemeinsam mit Wilhelm Kosch bearbeitete er die Eichendorff-Biographie Hermanns in dritter Auflage.

Von 1931 bis 2010 widmete sich die Eichendorff-Gesellschaft der Erforschung von Leben, Werk und Wirkung des Dichters. Von 1935 bis 1943 vergab die Stiftung F. V. S., heute Alfred Töpfer Stiftung F. V. S., den Joseph Freiherr von Eichendorff-Preis. Seit 1956 verleiht der Wangener Kreis den Eichendorff-Literaturpreis; er initiierte auch das Eichendorff-Museum in Wangen im Allgäu. Die Eichendorff-Plakette ist die höchste staatliche Auszeichnung für Gebirgs- und Wandervereine in der Bundesrepublik Deutschland. 1999 wurde der Asteroid (9413) Eichendorff nach ihm benannt.

Seinen Namen tragen zahlreiche Bildungseinrichtungen, darunter die Eichendorff-Gymnasien in Koblenz, Bamberg und Ettlingen, die Eichendorff-Realschule in Köln-Ehrenfeld, die Eichendorffschule Kelkheim, die Eichendorff-Grundschule in Heidelberg-Rohrbach, die Eichendorff-Schule Offenburg und eine Förderschule in Bonn. In vielen Städten sind Straßen nach ihm benannt. An ihn erinnern auch Medaillenporträts, etwa ein einseitiger Bronzeguss des Medailleurs Karl Seckinger und ein einseitiger Eisenguss Peter Lipps aus dem Jahr 1957.

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