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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Günter Eich
Günter Eich
1907 – 1972
– Autorenporträt –

Günter Eich

1907 – 1972 · 65 Jahre

Bekannt wurde Günter Eich, Lyriker und Hörspielautor der deutschen Nachkriegszeit, vor allem durch das bewusst schlichte Gedicht „Inventur“ und das Hörspiel „Träume“ – er gilt als Schöpfer des poetischen Hörspiels.

Biografie

Geboren wurde Günter Eich am 1. Februar 1907 im brandenburgischen Lebus an der Oder. Kindheit und Jugend verbrachte er in Finsterwalde und Berlin. Von 1925 bis 1932 studierte er in Leipzig, Berlin und Paris Ökonomie und Sinologie, brach das Studium aber ab. Anschließend lebte er als freier Schriftsteller in Berlin und im Ostseebad Poberow.

Erste Gedichte erschienen 1927 unter dem Pseudonym Erich Günter: Acht Texte des damals Zwanzigjährigen wurden in den ersten Band einer von Klaus Mann und Willi Fehse herausgegebenen Anthologie jüngster Lyrik aufgenommen, zu der Stefan Zweig das Geleitwort schrieb. 1930 folgte unter eigenem Namen die erste Lyriksammlung mit dem Titel Gedichte. 1931 gehörte Eich zum Autorenkreis der Literaturzeitschrift Die Kolonne, weitere Arbeiten erschienen in der Neuen Rundschau.

Die Jahre 1933 bis 1940 waren nach den vorliegenden Angaben seine produktivste Zeit als Rundfunkautor. Am 20. Dezember 1933 wurde sein Lustspiel Die Glücksritter im Preußischen Theater der Jugend in Berlin uraufgeführt. Mitte der 1930er Jahre druckte die Zeitschrift Das Innere Reich einzelne seiner Gedichte. Dort erschien im November 1935 auch die Erzählung Katharina, die im folgenden Jahr als Buch herauskam und später als Feldpostausgabe 32 Auflagen erreichte.

1940 heiratete Eich die Kabarettistin Else Burk. Die Ehe wurde 1949 geschieden; Else Burk, morphiumabhängig, nahm sich 1951 das Leben. 1943 wurde Eich in seiner Berliner Wohnung ausgebombt, wobei fast alle Manuskripte vernichtet wurden. Sein Wirken in der NS-Zeit ist umstritten und wurde nach Zufallsfunden aus dem Nachlass kontrovers diskutiert. Sein Eintrittsgesuch in die NSDAP zum 1. Mai 1933 ist zweifelsfrei überliefert, die Aufnahme trat jedoch nicht in Kraft. In den Kriegsjahren diente Eich als Unteroffizier im Stab von Jürgen Eggebrecht, der ihn bis 1944 vor einem Fronteinsatz bewahrte. Zeitweise arbeitete er für die literarische Zensurstelle beim Oberkommando der Wehrmacht. Während der NS-Zeit verfasste er 150 Rundfunkmanuskripte, teils in Kooperation, darunter 75 Folgen einer Funkserie.

1945 geriet Eich in amerikanische Kriegsgefangenschaft und begann dort wieder zu schreiben. Nach seiner Entlassung ließ er sich in Geisenhausen bei Landshut nieder, wo er bis 1954 wohnte. In der Zeitschrift Der Ruf erschienen seine ersten Nachkriegsarbeiten, 1946 etwa das von der Gefangenschaft geprägte Gedicht Latrine. Wegweisend für die Kahlschlagsliteratur wurde das bewusst einfach gehaltene Gedicht Inventur, das 1947 in Hans Werner Richters Anthologie deutscher Kriegsgefangenenlyrik erstmals erschien. Beide Gedichte gehörten zu Eichs erster Nachkriegs-Lyriksammlung Abgelegene Gehöfte von 1948.

Im selben Jahr stieß Eich zur Gruppe 47. 1950 erhielt er deren ersten ausgeschriebenen Preis für Gedichte, die überwiegend 1955 in dem Band Botschaften des Regens erschienen. 1951 wurde ihm der Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste verliehen, im selben Jahr wurde er in den deutschen P.E.N.-Club aufgenommen. Seit 1960 gehörte er der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung an.

Neben Gedichten schrieb Eich zahlreiche Hörspiele. Besonders bekannt wurde Träume, das 1951 zu heftigen Hörerprotesten führte. Sein Hörspiel Die Andere und ich wurde 1953 mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet. Im selben Jahr heiratete er die österreichische Schriftstellerin Ilse Aichinger, ebenfalls ein Mitglied der Gruppe 47. Das Ehepaar lebte mit seinen Kindern Clemens und Miriam zuerst in Breitbrunn am Chiemsee, dann in Lenggries und von 1963 an in Großgmain bei Salzburg. Zu Eichs bekanntesten Werken zählt auch die 1968 veröffentlichte Kurzprosa-Sammlung Maulwürfe und ihre Fortsetzung Ein Tibeter in meinem Büro von 1970.

1972 starb Eich in einem Sanatorium in Salzburg. Sein Wunsch war es, dass seine Asche über dem Grab Bakunins in Bern verstreut würde. Nachdem die Friedhofsverwaltung dies ablehnte, wurde seine Asche in den Rebbergen von Alfermée oberhalb des Bielersees verstreut. Sein Nachlass liegt im Deutschen Literaturarchiv Marbach.


Literarische Merkmale

Eich schrieb verhältnismäßig wenig. Seine Lyrik zeichnet sich durch eine einfache Sprache aus, die die Nachkriegsgesellschaft in ihrer ideellen Leere spiegelt und beim Leser dennoch komplexe Assoziationen und Bilder auslöst. Gerade dieser bewusst schlichte Ton machte das Gedicht Inventur zu einem Musterbeispiel der Kahlschlagsliteratur der frühen Nachkriegsjahre. Über die Lyrik hinaus gilt Eich als Schöpfer des poetischen Hörspiels.


Rezeption

In den Anfangsjahren der Gruppe 47 galt Eich als deren profiliertester Autor und wurde als „geheimer Star“ der jungen Literatengruppe bezeichnet. Sein Rang zeigte sich früh in Auszeichnungen: 1950 erhielt er den ersten ausgeschriebenen Preis der Gruppe 47, 1951 den Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Sein Hörspiel Träume löste 1951 heftige Hörerproteste aus, während Die Andere und ich 1953 mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden geehrt wurde. 1968 wurde ihm der Schiller-Gedächtnispreis verliehen.

Nach dem Auftauchen von Zufallsfunden aus dem Nachlass wurde Eichs Wirken und Leben in der NS-Zeit intensiv und kontrovers diskutiert. Zu seinen Ehren wurden später ein Lyrik- und ein Hörspielpreis gestiftet.

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