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Autoreneintrag · Edogawa Rampo
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Porträt Edogawa Rampo
Edogawa Rampo
1894 – 1965
– Autorenporträt –

Edogawa Rampo

1894 – 1965 · 70 Jahre

Begründer des modernen japanischen Kriminalromans, der sich nach Edgar Allan Poe benannte und seine Detektivgeschichten mit erotisch-grotesken Schauerbildern durchsetzte.

Kurzbiografie↑

Unter dem Namen Edogawa Rampo veröffentlichte der Japaner Hirai Tarō seine Kriminalgeschichten. Geboren wurde er am 21. Oktober 1894 in Nabari auf der Insel Honshū, gestorben ist er am 28. Juli 1965. Er gilt als Begründer des modernen japanischen Kriminalromans. In den meisten seiner Geschichten ermittelt der von ihm erfundene Detektiv Akechi Kogoro. Sein Künstlername ist eine Verbeugung vor Edgar Allan Poe: Japanisch ausgesprochen klingt dessen Name wie „Edogawa Rampo“.


Biografie↑

Aufgewachsen ist Hirai Tarō in wohlhabenden Verhältnissen. Sein Vater leitete eine große Firma, finanzielle Sorgen kannte der Sohn in seiner Jugend nicht. Von 1912 bis 1916 studierte er Volkswirtschaftslehre an der Waseda-Universität. Danach schlug er sich mit verschiedenen Gelegenheitsarbeiten durch. Später eröffnete er zusammen mit Freunden einen Buchladen; in diese Zeit fällt auch seine Heirat.

Schon als junger Mann las er viel und bewunderte Edgar Allan Poe. Aus dieser Bewunderung entstand sein Pseudonym: Die japanische Aussprache von „Edgar Allan Poe“ klingt wie „Edogawa Rampo“. Zugleich lassen sich die verwendeten Schriftzeichen als „Spaziergang entlang des Edogawa“ lesen. Neben Poe prägten ihn die Kriminalautoren Maurice Leblanc und Arthur Conan Doyle.

Sein Name wird im Deutschen sowohl Edogawa Rampo als auch Edogawa Ranpo geschrieben. Eine buchstabengetreue Umschrift der japanischen Zeichen ergibt Ranpo. Gesprochen wird das n vor den Lippenlauten p, b und m jedoch wie ein m. Deshalb hat sich im Westen die Form Rampo durchgesetzt, die auch der Autor selbst verwendete.

Der Durchbruch kam 1923 mit der Erzählung Zwei Groschen. Das Buch erschien kurz darauf unter dem Pseudonym Edogawa Rampo und leitete die erste große Erfolgszeit des japanischen Kriminalromans ein. Von den 1920er Jahren an baute der Autor immer stärker bizarre Elemente in seine Handlungen ein. In Der Sesselmann von 1925 baut ein hässlicher Sesselmacher einen hohlen Sessel, in dem er sich versteckt, um die Körper der Menschen zu spüren, die sich darauf setzen. Mōjū von 1931 erzählt von einem blinden Bildhauer, der eine Sängerin entführt, in einem Kerker aus Menschenteilen einsperrt und zerstückelt. Verfilmt wurde dieser Stoff unter dem Titel Die blinde Bestie. Mit solchen Geschichten zählte Edogawa zu den Begründern der literarischen Bewegung des eroguro nansensu, des erotisch-grotesken Nonsens.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs musste er das Schreiben derartiger Geschichten einstellen. Nach Kriegsende verfasste er hauptsächlich Detektivromane für Jugendliche.

Bekannt war Edogawa außerdem als Herausgeber der Zeitschrift „Hōseki“ (Juwel), die sich dem Detektivroman widmete. Mehrere seiner Romane wurden schon zu seinen Lebzeiten in Japan verfilmt. Er starb 1965 in Ikebukuro.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Edogawas Erzählen ist die Verbindung von Kriminalhandlung und abgründiger Fantasie. In seinen frühen Geschichten steht der klassische Ermittler im Mittelpunkt, meist der von ihm erfundene Detektiv Akechi Kogoro. Von den 1920er Jahren an rückte das Bizarre in den Vordergrund: versteckte Beobachter, verstümmelte Körper, Spiegel und Kerker. Diese Mischung aus Erotik, Grauen und Unsinn fasst der japanische Begriff eroguro nansensu zusammen, und Edogawa gehört zu den Begründern dieser Bewegung.

Die Stoffe wirken oft wie ein Gedankenexperiment, das ins Ungeheuerliche gesteigert wird. Der Sesselmacher, der im Inneren seines eigenen Möbelstücks lebt, ist dafür ein gutes Beispiel: Aus einer schlichten Idee wird ein beklemmendes Psychogramm. Auch der Titel Der psychologische Test von 1925 deutet an, wie sehr den Autor die Innenseite seiner Figuren beschäftigte. In der letzten Schaffensphase änderte sich der Ton grundlegend: Nach 1945 schrieb Edogawa vor allem Detektivgeschichten für junge Leser.


Rezeption↑

Bekannt wurde Edogawa Rampo als der Autor, der dem japanischen Kriminalroman zum Durchbruch verhalf. Sein Debüt von 1923 leitete die erste große Erfolgszeit dieser Gattung in Japan ein. Viele seiner Geschichten wurden ins Englische übersetzt. Auf Deutsch erschienen acht davon 2005 im Band Spiegelhölle; darin finden sich unter anderem Der Sesselmann, auch als Der menschliche Stuhl übersetzt, und die in Japan zeitweise verbotene Erzählung Die Raupe. Die Titelerzählung war bereits 1998 zweisprachig in einer Reihe der Mori-Ōgai-Gedenkstätte der Humboldt-Universität Berlin herausgekommen.

Zu Ehren des Autors wird alljährlich der Edogawa-Rampo-Preis für Kriminalliteratur vergeben. Auch außerhalb der Literatur ist sein Name präsent: In der Manga- und Anime-Serie Detektiv Conan entlehnt die Hauptfigur ihren Decknamen dem Familiennamen Edogawa; 2015 entstand die Anime-Serie Rampo Kitan: Game of Laplace nach seinen Werken. Ein Asteroid des Hauptgürtels trägt ebenfalls den Namen Rampo.

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