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Porträt Achim von Arnim
Achim von Arnim
1781 – 1831
– Autorenporträt –

Achim von Arnim

1781 – 1831 · 49 Jahre

Mitbegründer der Heidelberger Romantik und mit Clemens Brentano Herausgeber der Volksliedersammlung "Des Knaben Wunderhorn", die wie keine andere die deutsche Lyrik des 19. Jahrhunderts prägte.

Kurzporträt

Achim von Arnim (1781–1831) gilt neben Clemens Brentano und Joseph von Eichendorff als einer der wichtigsten Vertreter der Heidelberger Romantik. Berühmt machte ihn vor allem die Volksliedersammlung Des Knaben Wunderhorn, die er gemeinsam mit Brentano herausgab. Sie hat wie kaum eine andere Sammlung auf die deutsche Lyrik des 19. Jahrhunderts gewirkt. Daneben schrieb er Romane, Erzählungen und Dramen. In ihnen verbindet sich eine ausschweifende Phantasie mit dem Sinn für realistische Darstellung. Verheiratet war er mit der Schriftstellerin Bettina von Arnim, geborene Brentano. Großen literarischen Erfolg erlebte er zu Lebzeiten nicht.


Biografie

Carl Joachim Friedrich Ludwig von Arnim, genannt Achim, wurde am 26. Januar 1781 geboren. Über den Geburtsort sind sich die Quellen uneins: Die Deutsche Biographie nennt Berlin, Wikidata verzeichnet das Palais Wrangel. Sein Vater Joachim Erdmann von Arnim war ein wohlhabender Königlich Preußischer Kammerherr, Gesandter in Kopenhagen und Dresden und später Intendant der Berliner Königlichen Oper. Die Mutter Amalie Caroline, geborene von Labes, starb drei Wochen nach Achims Geburt im Alter von zwanzig Jahren. Achim wuchs mit seinem älteren Bruder Carl Otto bei der Großmutter Caroline von Labes in Zernikow und Berlin auf.

Von 1793 bis 1798 besuchte er das Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin. Danach studierte er von 1798 bis 1800 in Halle Rechts- und Naturwissenschaften sowie Mathematik. Noch als Student veröffentlichte er den Versuch einer Theorie der elektrischen Erscheinungen und schrieb Aufsätze für die "Annalen der Physik" seines Lehrers L. W. Gilbert. Im Haus des Komponisten Johann Friedrich Reichardt lernte er Ludwig Tieck kennen. 1800 wechselte er nach Göttingen, wo er Goethe und Clemens Brentano begegnete. Unter deren Einfluss wandte er sich von der Naturwissenschaft der Literatur zu. 1801 schrieb er, beeinflusst von Goethes Werther, den Erstlingsroman Hollin's Liebeleben.

Von 1801 bis 1804 unternahm er mit seinem Bruder eine ausgedehnte Bildungsreise quer durch Europa. Sie führte über Dresden, Prag, Wien, Frankfurt, die Schweiz, Oberitalien und Paris, wo er Friedrich und Dorothea Schlegel begegnete, weiter nach London, Wales, Schottland und Holland. 1802 traf er in Frankfurt erstmals Bettina Brentano, seine spätere Frau, und bereiste mit Clemens Brentano den Rhein. 1803 wurde er durch den Tod des Vaters Herr von Wiepersdorf bei Jüterbog und mehrerer Güter in der Uckermark.

Nach der Rückkehr planten Arnim und Brentano die Herausgabe einer Volksliedersammlung. 1805 erschien der erste Band von Des Knaben Wunderhorn. Arnim ging die teils stark bearbeiteten Lieder mit Goethe in Weimar durch. Nach der Niederlage Preußens bei Jena und Auerstedt folgte er 1806/07 dem Königshof nach Königsberg. Im Kreis um den Reformer Freiherrn vom Stein brachte er sich mit politischen Vorschlägen ein. 1807 reiste er mit Reichardt zu Goethe nach Weimar und weiter nach Kassel. Dort traf er erstmals die Brüder Grimm, mit denen ihn eine lebenslange Freundschaft verband. 1808 zog er nach Heidelberg, wo der zweite und dritte Band des Wunderhorns entstanden. Im Kreis um Joseph Görres, dem die Heidelberger Romantik ihren Namen verdankt, gab er die "Zeitung für Einsiedler" heraus. An ihr arbeiteten unter anderem Tieck, Friedrich Schlegel, Jean Paul, Justinus Kerner und Ludwig Uhland mit.

Ende 1808 verließ Arnim Heidelberg und ließ sich 1809 in Berlin nieder. Dort bewarb er sich erfolglos um ein Amt im preußischen Staatsdienst. Er veröffentlichte die Novellensammlung Der Wintergarten und arbeitete für Kleists "Berliner Abendblätter". 1811 gründete er die Christlich-Deutsche Tischgesellschaft, eine patriotische Vereinigung, der nur christlich getaufte Männer angehörten. Am 11. März 1811 heiratete er Bettina Brentano. Das Paar bekam sieben Kinder, darunter die später als Schriftstellerin bekannte Gisela. Die Eheleute lebten meist getrennt – sie in Berlin, er auf dem Gut Wiepersdorf. Ein heftiger Streit Bettinas mit Goethes Frau Christiane führte zu einer lebenslangen Entfremdung zwischen Goethe und Arnim.

Während der Befreiungskriege 1813 befehligte Arnim als Hauptmann ein Berliner Landsturmbataillon und gab vorübergehend die Tageszeitung "Der Preußische Correspondent" heraus. Streitigkeiten mit Barthold Georg Niebuhr führten zur Aufgabe dieser Stellung. Von 1814 bis zu seinem Tod lebte er überwiegend auf seinem Gut Wiepersdorf, unterbrochen von Reisen und Berlinaufenthalten. 1817 erschien der erste Band seines Romans Die Kronenwächter. Arnim schrieb für den "Gesellschafter" und hatte zeitweise eine eigene Rubrik in der Vossischen Zeitung. 1820 besuchte er ein letztes Mal Goethe in Weimar. Seine letzten Jahre waren von finanziellen Sorgen geprägt, der erhoffte literarische Erfolg blieb aus. Achim von Arnim starb am 21. Januar 1831 auf seinem Gut Wiepersdorf an einem Gehirnschlag.


Literarische Merkmale

Die historische Bedeutung Arnims liegt laut der Deutschen Biographie in zwei Punkten. Zum einen wandte er sich der realistischen Darstellung zu, die seine Erzählungen wie seine Dramen prägt. Zum anderen belebte er altes dichterisches Gut neu, vor allem durch Des Knaben Wunderhorn. Damit habe er auch den Geist der Befreiungskriege mit vorbereiten helfen.

Das Hauptcharakteristikum seines Schaffens ist eine ausschweifende, überreiche Phantasie. Arnim verband den nüchternen Blick des Landmanns für die realen Dinge mit dem Universalitätsstreben seiner Zeit. Dazu kam ein fester Glaube an jenseitige Mächte, die in die Gegenwart hineinwirken. Seine Werke entstehen, so die Deutsche Biographie, mehr aus dieser Phantasie als aus persönlichem Erleben. Oft sind es Schöpfungen glücklicher Improvisation, erste Würfe ohne strenge Ausarbeitung. Goethe verglich sein Dichten mit einem Fass, "wo der Böttcher vergessen hat, die Reifen festzuschlagen, da läuft's denn auf allen Seiten heraus". Wilhelm Grimm urteilte freundlicher: "Manchmal war der Becher zu klein, und der Wein strömte über, oder er war zu groß und wurde nicht bis zum Rande gefüllt, immer aber war der Duft, der davon aufstieg, rein und erfrischend."

Trotz der Fülle eingestreuter Gedichte war Arnim, so die Deutsche Biographie, kein eigentlicher Lyriker. Allzu leicht ließ er sich von Reim, Metrum und Assoziationen forttragen. Nur vereinzelt gelangen ihm kleine lyrische Stücke, die Eichendorff vorwegzunehmen scheinen. Ebenso selten fand seine Männlichkeit in Versen zu echtem Pathos, wie im Rundgesang an die Unterdrücker des Werdenden. Seine Bearbeitungen der Wunderhorn-Lieder sind weniger musikalisch als die Brentanos. Sie zeigen einen harten Marschrhythmus und greifen oft willkürlich in die Vorlagen ein.

Als Dramatiker ist Arnim laut der Deutschen Biographie bis heute fast vergessen, obwohl er eine ursprüngliche dramatische Begabung besaß. Manche seiner Stücke stehen auf der Grenze zwischen Dramatik und Epik – eine Vermengung der Gattungen, zu der Tieck verführt hatte. Lebendige Charaktere und straffer Bau zeichnen das Studentenspiel Halle und Jerusalem (1811), den Auerhahn (1813) und den späten Woldemar aus. Auch das kleine Schauspiel Die Vertreibung der Spanier aus Wesel im Jahre 1629, das heroische Lustspiel Die Kapitulation von Oggersheim und das Puppenspiel Die Appelmänner werden für ihre lebendige Handlungsführung, Situations- und Charakterkomik gerühmt.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten blieb großer literarischer Erfolg aus. Arnim hatte in seinen letzten Jahren mit finanziellen Problemen zu kämpfen und fand als Dichter nicht die Anerkennung, die er sich erhofft hatte. Der Dramatiker Arnim wurde laut der Deutschen Biographie bereits zu seiner Zeit kaum beachtet, und auch der Erzähler ist bis heute "viel zu wenig bekannt und gewürdigt".

Ganz anders wirkte Des Knaben Wunderhorn. Die Sammlung verfolgte keine gelehrten Zwecke, sondern wollte unmittelbar auf das deutsche Volk wirken. Altes Sangesgut sollte zu neuem Leben erweckt und beide Schichten – die Gebildeten und das Volk – einander näher gebracht werden. Joseph Görres schrieb in einer begeisterten Besprechung: "Die Nation selbst hat in diesen Gesängen ihr Inneres aufgetan." Die Deutsche Biographie urteilt, keine andere Gedichtsammlung habe so stark sowohl auf das Publikum als auch auf die Dichter gewirkt. Die meisten Lyriker des 19. Jahrhunderts stehen unter ihrem Einfluss, und die Vorstellungen vom Volkslied sind weithin von ihr geprägt. Schon 1806 schenkte Werner von Haxthausen den Band seiner Halbschwester Therese, der Mutter der damals neunjährigen Annette von Droste-Hülshoff.

Eichendorff beschrieb Arnim als "eine ritterliche Erscheinung im besten Sinne": als preußischen Edelmann der besten Art, fest verwurzelt in der heimatlichen Scholle, aufrichtig und liebenswürdig, ein zuverlässiger Freund. Dieselbe Würdigung hält die Deutsche Biographie fest. Auch der frühe Rundgesang an die Unterdrücker des Werdenden hat bei seinem Erscheinen in der "Zeitung für Einsiedler" stark auf die Jugend gewirkt. Mit dem Wunderhorn, als Tagesschriftsteller und mit seinem Wirken in der Christlich-Deutschen Tischgesellschaft half Arnim laut der Deutschen Biographie, die innere Neugeburt und den Geist der Befreiungskriege vorzubereiten.

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