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Werkseintrag · Isabella von Ägypten
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Isabella von Ägypten
1812
– Werkseintrag –

Isabella von Ägypten

1812 · Novelle

Eine Zigeunertochter, ein junger Erzherzog, eine sprechende Alraunwurzel und ein tönerner Doppelgänger – Arnims phantastische Erzählung um die Jugendliebe des späteren Kaisers Karl V.

Überblick

Die Erzählung Isabella von Ägypten, Kaiser Karl des Fünften erste Jugendliebe erschien 1812 in der Berliner Realschulbuchhandlung. Sie war Teil von Achim von Arnims Novellensammlung. Die Erzählung verbindet eine zarte Liebesgeschichte mit grotesken, märchenhaften Elementen. Vielen Kennern gilt sie als Arnims bedeutendste Novelle. In ihr trifft die junge Tochter eines hingerichteten Zigeunerherzogs auf den späteren Kaiser Karl V. Der Erzähler stellt diese Begegnung in einen weiten Rahmen aus historischem Stoff, Volksglauben und phantastischer Erfindung.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im flandrischen Gent wird Herzog Michael unschuldig als Dieb gehängt. Er ist der Herrscher aller Zigeuner von Ägypten. Seine Tochter Isabella, ein bleiches, schönes Mädchen, bleibt als Waise zurück. Die Mutter ist bereits vier Jahre tot. Mit Hilfe eines Zauberschlages gräbt Isabella am Galgenberg eine Alraunwurzel aus und zieht sie als Galgenmännlein groß. Das großspurige Wesen nennt sich Feldmarschall Cornelius Nepos und kann verborgene Schätze heben.

Gemeinsam mit der alten Zigeunerin Braka lebt Isabella mit dem Wurzelmann auf dem Land. Bald drängt es Cornelius an den Hof von Gent. Dort residiert der junge Erzherzog Karl, der spätere Kaiser Karl V. Als Karl von Isabellas Schönheit hört, will er sie kennenlernen. Dafür überlistet er seinen strengen Aufpasser, den Oberhofmeister Adrian von Utrecht. Bei der Begegnung trifft Isabella ein zweiter Zauberschlag: die Liebe.

Braka, die alte Pflegemutter, entwirft sogleich einen weitreichenden Plan. In ihm werden das junge Mädchen, der künftige Herrscher der halben Welt und das über Europa verstreute Volk der Zigeuner zusammengedacht. Doch um Karl drängen sich höfische Pflichten, ein sterbender Großvater und ein eifersüchtiger Wurzelmann. Bald kommt auch eine zweite, künstlich geschaffene Gestalt hinzu, die der echten Isabella zum Verwechseln ähnlich sieht.

Die Handlung im Detail

Herzog Michael, Herrscher aller Zigeuner von Ägypten, wird in Gent als unschuldig verurteilter Dieb gehängt. Seine Tochter Isabella, das bleiche, schöne Kind, bleibt als Waise zurück; die Mutter, eine Gräfin aus dem alten Hause Hoogstraaten, ist bereits seit vier Jahren tot. Als Isabella den Genter Galgenberg fast erstiegen hat, trifft sie ein Zauberschlag. An der Richtstatt des Vaters gräbt sie eine Mandragora aus, die Alraunwurzel, und zieht sie als Galgenmännlein groß. Das großspurige Wesen nennt sich Feldmarschall Cornelius Nepos und beherrscht die Kunst, vergrabene Schätze zu heben.

Mit der Zigeunerin Braka, ihrer Pflegemutter, lebt Isabella in einem verlassenen Landhaus. Cornelius wünscht sich, in einer Staatskutsche am Hofe von Gent vorzufahren; ein gehobener Schatz macht es möglich. Mit dem Heben des Schatzes erwacht zugleich der Bärnhäuter, ein toter deutscher Landsknecht, der geizige Besitzer des Goldes, und gesellt sich zu dem Trio.

Das Wurzelmännlein dringt am Hofe tatsächlich bis zum jungen Erzherzog Karl vor, dem späteren Karl V., und rühmt die Schönheit seiner Braut Isabella. Karl, der noch kein Mädchen näher kennt, will Isabella sehen und überlistet seinen Bewacher, den Oberhofmeister Adrian von Utrecht. Bei der Begegnung trifft Isabella ein zweiter Zauberschlag. Als Braka von der jungen Liebe erfährt, entwirft sie sogleich einen Plan: Isabella müsse von Karl, dem künftigen Erben der halben Welt, ein Kind bekommen. Dieses Kind solle dereinst das über Europa zerstreute Volk sammeln und ins angestammte Ägyptenland zurückführen.

Karl will die Braut des Wurzelmännleins heiraten. Einer seiner Jugendfreunde lässt für den kleinen Bräutigam ein Duplikat Isabellas aus Tonerde zaubern – die Golem Bella. Isabella gesteht Karl ihre Herkunft und erklärt ihm, weshalb sie ein Kind von ihm wolle. Als Karl verreisen muss, bleibt sie stark und glaubt fest an ihrer beider Glück. Karl jedoch verliebt sich mit unwiderstehlicher Begierde in die Golem Bella. Dazu kommen andere Sorgen: sein Großvater Ferdinand liegt im Sterben.

Beim nächsten Stelldichein wird die Golem Bella mit Isabella konfrontiert. Das Wurzelmännlein gerät durcheinander, hat es doch auf einmal zwei Frauen. Die Golem Bella greift Isabella tätlich an, wird aber von Karl geistesgegenwärtig in ein Häufchen Tonerde zurückverwandelt. Der Großvater stirbt. Karl will unbedingt auf den Thron und erwägt, ob der künftige Herrscher der halben Welt eine Herzogin von Ägypten heiraten dürfe. Er erlaubt Isabella, ihre über Europa verstreuten Untertanen nach Ägypten zurückzuschicken. Dem Alraun missfällt das.

Durch Brakas Geschwätzigkeit dringt am Hof die Kunde durch, dass das Wurzelmännlein Schätze heben kann. Karl will den Kleinen als Finanzminister gewinnen und stimmt einer Verheiratung des Zwergs mit Isabella "an der linken Hand" zu. Eine halbe Nacht verbringt Isabella mit dem Kaiser. Als er sie danach von sich stößt, springt sie aus dem Fenster; einer der Ihren fängt sie auf. Auf dem Zug nach Ägypten bringt sie unterwegs einen Sohn zur Welt, den sie "Lrak" nennt – Karl rückwärts gelesen. Der Alraun zerreißt, es riecht nach verbranntem Schwefel.

Karl V. herrscht, legt sich schließlich in seinen Sarg und stirbt bald darauf. Die berühmte Königin Isabella hatte einen Monat zuvor, am 20. August 1558, am Nilufer im Beisein ihrer Lieben Gericht über sich selbst gehalten und war danach gestorben. Isabellas Liebe, so schließt der Erzähler, sei von Karl zwar verschmäht worden, aber nicht untergegangen, sondern auf ihr Volk übergegangen. Er stellt Isabella als Vorbild für alle hin, die in der Todesstunde über sich selbst Gericht halten.

Stil

Arnim verbindet die historische Stoffwelt um Kaiser Karl V. mit Märchen, Volksglauben und grotesker Phantastik. Aus dem mittelalterlichen Aberglauben um die Alraunwurzel, der Golem-Sage und Motiven der Zigeunerromantik entsteht eine eigene erzählerische Welt. In ihr geht ein hingerichteter Landsknecht als Bärnhäuter um, eine Wurzel redet als großspuriges Männlein, und ein tönernes Doppelgänger-Wesen verdrängt die echte Geliebte. Der Wechsel zwischen zarter Liebesgeschichte und grotesken Auftritten prägt den Ton der Erzählung. Die historische Kulisse wird mit phantastischen Figuren durchsetzt: der junge Erzherzog in Gent, der sterbende Großvater Ferdinand, die Aussicht auf die Kaiserwürde. Das eine entwertet dabei das andere nicht. Sprechende Namen wie "Lrak" als Umkehrung von "Karl" gehören zu Arnims spielerischen Verfahren.

Rezeption

In der Forschung gilt die Erzählung als eine der bedeutendsten Arbeiten Arnims. Schulz nennt sie Arnims großartigste Novelle und ein phantastisches Märchen, in dem die Verbindung von Liebesgeschichte und Groteske künstlerisch gelinge. Karl scheitere in der Jugendliebe ebenso, wie er nach Arnims Ansicht später als Kaiser während der Gegenreformation versage. Das Wurzelmännlein deutet Schulz als Sinnbild der Verführbarkeit durch Besitz. Die Golem Bella deutet er als Sinnbild dafür, dass Karls Liebe ins Sexuelle abgleitet. Riley argumentiert ähnlich. Karl verwechsle in Liebesdingen das Echte mit dem Falschen und mache das Wurzelmännlein aus Geldgier zu seinem Finanzier. Deshalb könne er später als Kaiser sein Reich nicht in den Griff bekommen.

Zur Entstehung hat Moering Quellen zusammengetragen. Arnim kannte Cervantes' Erzählung vom Zigeunermädchen Preziosa sowie Heinrich Moritz Gottlieb Grellmanns Schrift Die Zigeuner, in der bereits ein Herzog Michael genannt wird. Außerdem besaß er Biographien Karls V. von Antoine Varillas (Amsterdam 1684) und William Robertson (Ausgabe 1788). Das Material zur Golem-Sage erhielt er von Jacob Grimm. Schulz weist auf den alten Volksglauben hin, nach dem die Alraune aus dem Samen Erhängter gedeihe. Arnim habe diesen Samen nachsichtig mit "Tränen" umschrieben. Hahn bemerkt, Arnim habe an die Existenz einer Geisterwelt geglaubt, und sieht in Isabella Züge Marias. Andermatt gelangt in einer Motivuntersuchung vom Erotischen zu Fragen des Lebens und Zusammenlebens in der Gesellschaft. Weiterführende Arbeiten haben Paul Ernst (1942), Peter Horst Neumann (1968) und Ernst Schürer (München 1970) vorgelegt. Im 20. Jahrhundert wurde der Stoff mehrfach adaptiert. Dazu zählen der Film Alraune und der Golem von Nils Chrisander aus dem Jahr 1919 sowie Hörspiele, zuletzt 1991 in einer Bearbeitung von Heinz von Cramer.

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