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Porträt Martin Luther
Martin Luther
1483 – 1546
– Autorenporträt –

Martin Luther

1483 – 1546 · 62 Jahre

Augustinermönch, Bibelübersetzer und Auslöser der Reformation – sein Deutsch prägte die Sprache eines ganzen Volkes.

Kurzporträt

Martin Luther (1483–1546) war Augustinermönch und Wittenberger Theologieprofessor. Mit seinen 95 Thesen von 1517 löste er die Reformation aus. Er rang um eine gnädige Antwort auf die Frage nach dem eigenen Heil. Daraus entwickelte er eine Theologie, die allein die Schrift, allein die Gnade und allein den Glauben gelten ließ. Ungewollt führte sie zur Spaltung der westlichen Kirche. Seine Übersetzung der Bibel ins Deutsche prägte die deutsche Sprache so tief wie kaum ein anderes Buch und legte den Grund für das Neuhochdeutsche. Bis heute zählt er zu den am häufigsten dargestellten Personen der deutschen Geschichte.


Biografie

Geboren wurde Luther in der Nacht zum 10. November 1483 in Eisleben. Sein Vater war der Hüttenmeister Hans Luder, seine Mutter Margarethe, geborene Lindemann. Schon im folgenden Sommer zog die Familie nach Mansfeld. Dort brachte es der Vater als Bergbauunternehmer zu Wohlstand und ab 1491 zu einem Sitz im Stadtrat. In der Forschung umstritten ist das Geburtsjahr. Die Familie erinnerte sich an 1483, doch Luther selbst nannte zeitweise 1482 oder 1484. Nach der Magisterprüfung 1505 gab er sein Alter mit 22 Jahren an, was für 1482 spräche. Auch das Geburtsjahr der Eltern ist in den Quellen unterschiedlich gefasst. Den Familiennamen führte Luther in wechselnden Formen. Um 1512 oder 1517 legte er sich auf die heutige Schreibung fest und leitete sie unter anderem vom griechischen eleutheros, "der Freie", ab.

In Mansfeld wuchs Martin mit einem jüngeren Bruder und drei Schwestern auf. Ab 1490 besuchte er die Lateinschule, danach ein Jahr lang die Magdeburger Domschule bei den Brüdern vom gemeinsamen Leben. Schließlich kam er an die Pfarrschule St. Georgen in Eisenach, wo er bei der Bürgerfamilie Cotta wohnte. Im Sommersemester 1501 schrieb er sich an der Universität Erfurt ein. 1502 erwarb er das Bakkalaureat und am 6. Januar 1505 als zweiter von 17 Kandidaten den Magister artium. Auf Wunsch des Vaters begann er anschließend das Jurastudium. Doch ein schweres Gewitter bei Stotternheim am 2. Juli 1505 brachte ihn dazu, der heiligen Anna das Gelübde abzulegen, Mönch zu werden. Am 17. Juli 1505 bat er um Aufnahme im Kloster der Augustinereremiten in Erfurt.

Nach dem Noviziat legte er 1506 die Profess ab und wurde am 4. April 1507 zum Priester geweiht. Seine Primiz feierte er am 2. Mai im Beisein des unversöhnt bleibenden Vaters. Sein Theologiestudium führte ihn 1508 erstmals nach Wittenberg, dann zurück nach Erfurt, wo er die Sentenzen las. Ende 1510 oder, nach neuerer Datierung, 1511/12 reiste er im Auftrag seines Ordens nach Rom. Zweck und Zeitpunkt der Reise sind in der Forschung umstritten. Im September 1511 zog Luther endgültig nach Wittenberg. Im Oktober 1512 wurde er zum Doktor der Theologie promoviert und übernahm die Bibelprofessur, die zuvor sein Beichtvater Johann von Staupitz innegehabt hatte. Hier hielt er bis November 1545 fast ohne Unterbrechung Vorlesungen zu biblischen Büchern, meist zum Alten Testament.

Der Dominikaner Johann Tetzel warb mit dem Ablasshandel für den Bau des Petersdoms und die Schulden des Mainzer Erzbischofs Albrecht von Brandenburg. Die Auseinandersetzung damit brachte Luther 1517 in den öffentlichen Konflikt. Am 31. Oktober 1517 sandte er seine 95 Thesen mit einem Brief an Albrecht. Melanchthon zufolge soll er sie am selben Tag an die Schlosskirche in Wittenberg geschlagen haben. Diese lange als Legende betrachtete Überlieferung erhielt durch eine 2006 wiederentdeckte Notiz Georg Rörers neues Gewicht. Die Thesen kursierten rasch in Druckfassungen und erreichten Nürnberg, Leipzig, Basel und sogar England. Im Frühjahr 1518 verfasste Luther den deutschen Sermon von dem Ablass und Gnade, seinen ersten großen literarischen Erfolg. Im April disputierte er vor Ordensbrüdern in Heidelberg, wo er erste Anhänger gewann, darunter Martin Bucer und Johannes Brenz.

Wann Luther die reformatorische Einsicht in die Rechtfertigung allein aus Gnade gewann, ist ein Hauptstreitpunkt der Forschung. Die Datierungen schwanken zwischen 1511 und 1518. Luther selbst beschrieb sie rückblickend als Erleuchtung in seinem Arbeitszimmer im Südturm des Wittenberger Klosters während der Vorbereitung auf seine zweite Psalmenvorlesung. Volker Leppin betont, dass Luthers Theologie an die spätmittelalterliche Mystik Johannes Taulers und an die Frömmigkeit der devotio moderna anknüpfte und keineswegs bruchhaft entstand.

1525 heiratete Luther die ehemalige Nonne Katharina von Bora. Die Verlobung im Augustinerkloster und die Trauung durch Bugenhagen erfolgten am Abend des 13. Juni. Das Hochzeitsfest fand am 27. Juni statt. Kurfürst Johann der Beständige überließ dem Paar das ehemalige Augustinerkloster als Wohnung und setzte ein Professorengehalt von 200 Gulden aus. Aus der Ehe gingen drei Söhne und drei Töchter hervor, alle in Wittenberg geboren. Im selben Jahr trug Luther mit der Schrift De servo arbitrio seine schärfste Auseinandersetzung mit Erasmus von Rotterdam aus. Erasmus hatte ein Jahr zuvor in Vom freien Willen einen sanften Vermittlungsversuch unternommen. Luthers Antwort begründete das Prinzip der claritas scripturae, der Klarheit der Schrift, das die reformatorische Theologie bis heute trägt. Er starb am 18. Februar 1546 in seiner Geburtsstadt Eisleben und wurde in der Schlosskirche zu Wittenberg beigesetzt.


Literarische Merkmale

Luthers sprachliche Wirkung verdankt sich vor allem seiner Bibelübersetzung. Er erarbeitete sie gemeinsam mit Melanchthon und weiteren Wittenberger Theologen, behielt sich in der endgültigen Gestaltung aber das letzte Wort vor. Vierzehn hochdeutsche und vier niederdeutsche Bibeln hatte es vor ihm bereits gegeben. Und doch wurde erst die seine zum sprachlichen Maß. Seine Grundlage war das Ostmitteldeutsche seiner Heimat, in dem nord- und süddeutsche Mundarten schon teilweise verschmolzen waren. Eingebunden in die Wittenberger Schreibtradition Kursachsens konnte sich diese Form breit durchsetzen. Werner Besch nennt das Deutsch der Lutherbibel "wohl den wichtigsten Steuerungsfaktor in der jüngeren Sprachgeschichte".

In seinem Sendbrief vom Dolmetschen von 1530 hat Luther seine Übersetzungsgrundsätze selbst dargelegt. Er übersetzte nicht Wort für Wort, sondern nach dem Sinn. Die Bibel legte er von dem her aus, "was Christum treibet" – also von der Gnade Gottes in Christus als Mitte der ganzen Schrift. Das Evangelium verstand er weniger als literarischen Text denn als mündliche Botschaft. Daher trägt seine Übersetzung einen sprechsprachlichen, auf das Hören bezogenen Charakter. Im Wortschatz prägte er Ausdrücke wie "Sündenbock", "Lückenbüßer", "Lockvogel" oder "Dachrinne". Auch Wendungen wie "Perlen vor die Säue werfen" gehen auf ihn zurück. Zugleich bewahrte er ältere Formen, etwa das sogenannte lutherische e, das anderswo schon geschwunden war. Seine Übersetzung trug dazu bei, dass die deutsche Großschreibung der Substantive bestehen blieb. Die Lutherbibel gilt auch als dichterische Leistung, weil sie bis in den Silbenrhythmus hinein durchdacht ist.

Sein theologisches Schreiben war polemisch und direkt: gegen Tetzel und die Ablasspredigt ebenso wie gegen Erasmus, dessen Selbstverteidigung er kaum eines Wortes mehr würdigte. Daneben stehen die seelsorgerlichen Briefe und die Tischreden, in denen er noch nach Jahrzehnten auf Eindrücke seiner Romreise zurückkam. Wo er das einfache Publikum erreichen wollte, griff er zum Deutschen. So schuf er Texte, die akademische Gelehrsamkeit hinter sich ließen und in die Häuser drangen.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten gehörte Luther zu den am häufigsten abgebildeten Personen der deutschen Geschichte. Die Cranach-Werkstatt schuf rund 500 Bilder von ihm, darunter mindestens 306 Porträts. Das Totenbild stammt von Lukas Furtenagel. Albrecht Dürer hing Luthers Lehren seit 1520 an und hätte ihn gern gemalt, kam aber aus unbekannten Gründen nie dazu. Cranach prägte mehrere Bildtypen: Luther als Mönch mit Tonsur, als Junker Jörg mit Vollbart, als Prediger im schwarzen Gewand, als Ehemann an der Seite Katharinas. Über die Jahrhunderte wurden sie immer wieder neu gedeutet: bei Gründler als milder Pietist, bei Preissler als Aufklärer, bei Emil Ludwig Grimm als romantisches Genie, bei Karl Bauer als Visionär des Kaiserreiches, in der DDR als Parteigänger der Herrschenden.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Luther begann um 1800 und nahm seit etwa 1900 systematische Gestalt an. Die kritische Weimarer Gesamtausgabe entsteht seit 1883. 1918 wurde die Luther-Gesellschaft gegründet. Seit 1945 tagt im mehrjährigen Turnus ein Internationaler Kongress für Lutherforschung, an dem seit dem Treffen in Helsinki auch katholische Fachleute teilnehmen. Wichtige Forschernamen reichen von Theodosius Harnack und Albrecht Ritschl über Karl Holl und die Lutherrenaissance bis zu Gerhard Ebeling und dem sozialkritischen Luthertum nach 1945. Der Psychoanalytiker Erik H. Erikson versuchte 1958, Luthers Theologie aus frühkindlichen Konflikten zu erklären. Für die katholische Lutherforschung wurde Joseph Lortz wegweisend mit dem Satz, Luther habe in sich "einen Katholizismus" niedergerungen, "der nicht katholisch war". Gemeint war der Ockhamismus, in dem Luther erzogen worden war.

Im kirchlichen Gedenken ist Luther fest verankert. Die Evangelische Kirche in Deutschland erinnert am 31. Oktober an die Reformation. Der Evangelische Namenkalender sieht zudem den 18. Februar als Gedenktag vor, und auch die Anglikaner begehen den Reformationstag. Viele Kirchen tragen seinen Namen. Sein Grabstein steht seit 1571 in der Kirche St. Michael in Jena. Bundesrepublik und DDR prägten 1983 zum 500. Geburtstag je eine silberne Gedenkmünze. Auf Briefmarken war er schon 1961 vertreten. Im September 2008 eröffnete der Lutherische Weltbund die Luther-Dekade, die auf das 500-jährige Jubiläum des Thesenanschlags hinführte. Sogar eine Pflanzengattung der Korbblütler trägt seinen Namen. Der berühmte Satz "Hier stehe ich, ich kann nicht anders" ist in den Verhandlungsprotokollen des Wormser Reichstags nicht verbürgt. Er findet sich aber als deutschsprachiger Zusatz im von Luther selbst verfassten Redemanuskript und gilt deshalb als authentisch. Nicht von ihm stammt dagegen das Wort vom Apfelbäumchen, das man pflanzen solle, auch wenn morgen die Welt unterginge.

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