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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Luo Guanzhong
Luo Guanzhong
1334 – 1400
– Autorenporträt –

Luo Guanzhong

1334 – 1400 · 65 Jahre

Chinesischer Erzähler des 14. Jahrhunderts, dessen Leben im Dunkeln liegt und dessen Name mit zwei großen Abenteuer-Epen verbunden ist: „Die Geschichte der Drei Reiche“ und „Die Räuber vom Liang-Schan-Moor“.

Kurzbiografie↑

Wenig ist über Luo Guanzhong bekannt, und doch verbindet sich sein Name mit zwei der großen Abenteuer-Epen der chinesischen Literatur. Er lebte am Übergang von der Yuan- zur Ming-Dynastie und schrieb unter dem Geburtsnamen Luo Ben. Ihm wird der Roman Die Geschichte der Drei Reiche zugeschrieben; außerdem gilt er als derjenige, der Die Räuber vom Liang-Schan-Moor herausgegeben hat. Beide Bücher erzählen von Krieg, Aufruhr und Männerbünden im alten China und gehören dort bis heute zum festen Bestand des Lesens. Um seine Person selbst ranken sich mehr Fragen als gesicherte Antworten.


Biografie↑

Über das Leben dieses Schriftstellers ist fast nichts bekannt. Geboren wurde er unter dem Namen Luo Ben, vermutlich um 1330. Bereits das Geburtsjahr ist umstritten: Wikidata nennt 1334, die Deutsche Nationalbibliothek 1330, und neuere Forschungen setzen die Geburt sogar zwischen 1315 und 1318 an. Ein genaues Datum lässt sich daraus nicht gewinnen.

Ebenso ungewiss ist die Herkunft. Meist wird Taiyuan als Geburtsort genannt, doch einige Literaturhistoriker bezweifeln das und vermuten stattdessen Hangzhou oder die Region Jiangnan. Für Taiyuan spricht ein Hinweis des Forschers Meng Fanren: Danach taucht Luo Guanzhong im Stammbaum der Familie Luo auf, was die Stadt als Heimat wahrscheinlich machen würde.

Ein einziger fester Punkt hilft bei der zeitlichen Einordnung. Der Zeitgenosse Jia Zhongming hat ihn im Jahr 1364 getroffen und darüber Aufzeichnungen hinterlassen. Daraus folgt, dass Luo Guanzhong am Ende der Yuan-Dynastie und in der frühen Ming-Dynastie gelebt haben muss. Gestorben ist er vermutlich um 1400; als Sterbeort werden Qiantang beziehungsweise Hangzhou genannt.

Unklar bleibt sogar, ob es sich um eine eigenständige Person handelt. Die Literaturhistoriker sind sich nicht einig, ob Shi Nai'an und Luo Guanzhong dieselbe Person waren oder ob der Herausgeber von Die Räuber vom Liang-Schan-Moor den Namen als Deckname benutzte, um nicht mit den regierungskritischen Zügen des Buches in Verbindung gebracht zu werden.

Auch die Zuschreibung der Werke ist ein Feld voller Streitfragen. Man vermutet, dass die Erzählungen, aus denen Die Geschichte der Drei Reiche und Die Räuber vom Liang-Schan-Moor hervorgingen, zunächst von mehreren Erzählern unabhängig voneinander entwickelt wurden. Shi Nai'an gilt als der erste, der den Räuberstoff zu einem Gesamtwerk zusammenfügte. Luo Guanzhong brachte dieses Buch dann in die Form von hundert Kapiteln. Als Verfasser von Die Geschichte der Drei Reiche gilt gemeinhin er selbst, doch vereinzelt wird auch Shi Nai'an als Herausgeber vermutet.

Weitere Bücher tragen seinen Namen. Sansui Pingyao Zhuan ist eine Gespenstergeschichte in zwanzig Kapiteln, die aus Erzählungen über einen Aufstand gegen Ende der nördlichen Song-Dynastie hervorging; später erweiterte Feng Menglong sie auf vierzig Kapitel. Can Tang Wudai Shi Yanyi berichtet vom Ende der Tang-Dynastie und der anschließenden Zeit der Fünf Dynastien und Zehn Reiche; das Buch fügt Erzählungen über die Rebellion des Zhu Wen zusammen. Genannt werden ferner Fenzhuang Luo und Sui Tang Zhichuan, dessen Original nach heutiger Forschung verschollen ist. Erhalten blieb davon eine überarbeitete Fassung unter dem Titel Sui Tang Liangchao Zhichuan.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für die Bücher, die seinen Namen tragen, ist die Verarbeitung älterer, mündlich umlaufender Erzählungen zu großen Prosawerken. Der Stoff stammt jeweils aus der Geschichte: aus der Zeit der Drei Reiche, aus dem Ende der Tang-Dynastie, aus einem Aufstand der späten Song-Zeit. Aus diesem verstreuten Material formte Luo Guanzhong durchgehende Bücher mit fester Kapiteleinteilung. So gab er den Räubergeschichten vom Liang-Schan-Moor die Gestalt von hundert Kapiteln. Ordnen, zusammenfügen und in Form bringen war offenbar seine eigentliche Arbeit.


Rezeption↑

Zu den bedeutendsten Abenteuer-Epen der chinesischen Literatur zählen die beiden Bücher, mit denen sein Name verbunden ist. Ihre Wirkung reicht weit über China hinaus. Die Geschichte der Drei Reiche erschien 1991 in einer englischen Übersetzung von Moss Roberts, der dem Band auch ein Nachwort beigab. Die Räuber vom Liang-Schan-Moor liegt in einer vollständigen japanischen Übersetzung vor, die Ende der 1990er Jahre in Tokio herauskam.

Die Forschung beschäftigt sich bis heute vor allem mit der Frage, was er tatsächlich geschrieben hat. Eigene wissenschaftliche Zusammenkünfte sind der Geschichte der Drei Reiche gewidmet; ein Konferenzbericht von 1999 hält eine solche Tagung fest. Auch die große chinesische Enzyklopädie führt einen eigenen Artikel über ihn. Die vielen Namensformen, unter denen er in den Bibliothekskatalogen verzeichnet ist, zeigen, wie weit seine Bücher gewandert sind: Sie reichen von japanischen und koreanischen über vietnamesische bis zu russischen Schreibweisen.

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