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Werkseintrag · Die Geschichte der Drei Reiche
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Cover Die Geschichte der Drei Reiche
Die Geschichte der Drei Reiche
1522
– Werkseintrag –

Die Geschichte der Drei Reiche

1522 · Roman

Ein Bruderschwur im Pfirsichgarten, hundert Jahre Machtkämpfe und zahllose Kriegslisten: einer der vier klassischen Romane der chinesischen Literatur erzählt vom Zerfall eines Reiches in drei.

Überblick↑

Der Roman Die Geschichte der Drei Reiche zählt zu den vier klassischen Romanen der chinesischen Literatur. Sein Verfasser Luo Guanzhong lebte etwa von 1330 bis 1400. Erzählt wird von der Zeit der Drei Reiche, also von den Jahrzehnten um 208 bis 280 nach Christus. Die heute übliche Fassung erschien 1679 und umfasst 120 Kapitel; daneben gibt es eine Fassung von 1522 mit 240 Kapiteln. In deutschen Übersetzungen trägt das Buch den verkürzten Titel Die drei Reiche.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Eine einzige durchlaufende Haupthandlung gibt es nicht. Stattdessen entsteht ein großes historisches Gemälde aus vielen in sich abgeschlossenen Episoden mit einer immensen Zahl von Figuren. Es geht um politische und militärische Auseinandersetzungen: um Staatsaffären, Intrigen, Schlachten und Scharmützel. Strategie und Kriegslist spielen eine ebenso große Rolle wie offene Gewalt.

Der Bogen reicht vom Untergang der östlichen Han-Dynastie bis zur Entstehung der Drei Reiche. Das Buch setzt im Jahr 168 ein und schildert dann chronologisch einen Zeitraum von hundert Jahren. Am Hof beginnen Militärs, die Macht an sich zu ziehen. Ihnen stellt sich Liu Bei entgegen, der entfernt zur Herrscherfamilie gehört und die Dynastie wieder stark machen will. In der berühmten Szene des Schwurs im Pfirsichgarten verbündet er sich mit Zhang Fei und Guan Yu zu einer Bruderschaft.

Die Handlung im Detail↑

Am Anfang steht das Jahr 168. Bald darauf erschüttert der Aufstand der Gelben Turbane im Jahr 184 die östliche Han-Dynastie. Von dort aus folgt der Roman rund hundert Jahren chinesischer Geschichte in chronologischer Ordnung.

Am Hof der Han nutzen Militärs die Schwäche der Zentralgewalt und reißen die Macht an sich. Besonders hervor treten dabei Dong Zhuo und Cao Cao. Liu Bei, ein entfernter Angehöriger der Herrscherfamilie, will den Aufstand niederschlagen und die Macht der Dynastie wiederherstellen. Dazu schließt er im Pfirsichgarten einen Bruderschwur mit Zhang Fei und Guan Yu.

Der weitere Weg führt über zahllose Feldzüge, Bündnisse und Listen. Den Wendepunkt bringt das Jahr 208: Die Heere Liu Beis und Sun Quans besiegen den Usurpator Cao Cao in der Schlacht an der Roten Wand. Aus dieser Niederlage geht die Teilung des Landes hervor, aus der die Drei Reiche entstehen.

Die Figuren sind dabei klar konturiert, wobei Luo Guanzhong sich stellenweise von den historischen Überlieferungen entfernte. Liu Bei erscheint als vorbildlicher, gerechter und rechtmäßiger Fürst. Zhuge Liang verkörpert Weisheit und verfügt sogar über übernatürliche Kräfte. Zhou Yu ersinnt Strategien, die kein Glück bringen. Cao Cao dagegen wurde als Bösewicht so einprägsam gezeichnet, dass sein Name in China sprichwörtlich geworden ist.

Stil↑

Geschrieben ist das Werk in einem leicht verständlichen literarischen Chinesisch. Aufbau und Struktur sind den mündlichen Erzähltraditionen verwandt, aus denen der Stoff hervorging. Spannung entsteht vor allem aus den Handlungen und den Dialogen; Schilderungen seelischer Vorgänge fehlen dagegen.

Das Buch begründete die Tradition des Yanyi, also des Romans als Auslegung historischer Quellen, besonders der Dynastiegeschichten. Als Grundlage dienten das Sanguo Zhi, die Chronik der Drei Reiche, und weitere Schriften der offiziellen Geschichtsschreibung. Schon diese Chronik enthielt neben nachweisbaren Ereignissen auch Legenden und Anekdoten. Spätestens seit der Tang-Zeit lebte der Stoff bei Geschichtenerzählern fort. Für die Song-Zeit deuten Quellen auf eine ganze Schule von Berufserzählern hin, die sich darauf spezialisiert hatte. Auch das Drama der Song-Zeit und die Zaju der Yuan-Zeit griffen den Stoff auf. Zwischen 1321 und 1323 wurde zudem eine grobe historische Erzählung gedruckt, das Sanguo zhi pinghua. Luo Guanzhong verarbeitete diese Fülle zu einem vielschichtigen Epos.

Inhaltlich liegt dem Roman das konfuzianische Prinzip der rechtmäßigen Thronfolge zugrunde. Gerechtigkeit und Freundestreue, im Chinesischen Yi, werden zum Maßstab, an dem Geschehnisse und Personen gemessen werden.

Rezeption↑

Einen bedeutenden Einfluss hatte das Werk auf die mündliche Literaturtradition Chinas und auf die moralischen Wertvorstellungen. Die Strategeme, die der Roman entwickelt, finden bis heute Eingang in Lehrbücher der Militärtheorie. Die im Buch geprägten Figuren wirken im Volk bis in die Gegenwart nach.

Ins Deutsche brachte Franz Kuhn den Stoff: Seine Übersetzung der ersten 38 Kapitel erschien 1940 in Berlin bei Kiepenheuer und wurde später mehrfach neu aufgelegt, unter anderem im Insel-Verlag. Eine deutsche Übersetzung aus dem klassischen Chinesischen legte Eva Schestag vor; sie erschien 2017 bei S. Fischer in zwei Bänden mit insgesamt rund 1750 Seiten. Eine neuere vollständige englische Fassung stammt von Moss Roberts und erschien 1991.

Der Stoff hat auch Bühne, Film und Fernsehen erobert. Ein früher Kurzfilm war Der Berg Dingjun von 1905. Im Jahr 2008 entstand eine südkoreanisch-chinesische Koproduktion unter dem Titel Three Kingdoms – Der Krieg der drei Königreiche. Im selben Jahr kam John Woos Red Cliff in die Kinos. Hinzu kommen mehrere Fernsehserien, Mangas sowie die Computerspielreihe Dynasty Warriors.

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