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Porträt Daniel Defoe
Daniel Defoe
1660 – 1731
– Autorenporträt –

Daniel Defoe

1660 – 1731 · 70 Jahre

Englischer Erzähler der frühen Aufklärung und Erfinder des Robinson Crusoe – einer der Begründer des modernen englischen Romans.

Kurzporträt

Daniel Defoe wurde vermutlich Anfang 1660 in London als Daniel Foe geboren. Er starb am 24. April 1731 ebenda. Er war ein englischer Schriftsteller der frühen Aufklärung. Weltberühmt wurde er durch seinen Roman Robinson Crusoe. Mit ihm gilt er als einer der Begründer des englischen Romans. Daneben war er Kaufmann, politischer Pamphletist und einer der ersten Berufsjournalisten Englands. Sein Werk umfasst neben den großen Abenteuer- und Schelmenromanen rund 250 Schriften aller Art, darunter zahlreiche Flugblätter.


Biografie

Daniel Foe kam vermutlich Anfang 1660 in London zur Welt. Sein Geburtsdatum ist nicht sicher überliefert. In der Forschung ist auch das genaue Jahr umstritten: Verschiedene Quellen nennen 1659 bis 1662 als wahrscheinlich. Wikidata nennt den 13. September 1660 als Geburtstag. Die Deutsche Biographie gibt lediglich den September 1660 ohne Tagesangabe an. Ebenso unterscheiden sich die Quellen beim Geburtsort. Wikidata fasst ihn mit dem Londoner Ward of Cripplegate genauer als die DNB, die schlicht London notiert. Als wahrscheinlicher Geburtsort gilt die Fore Street in der Pfarrei St. Giles Cripplegate. Sein Vater James Foe war ein wohlhabender Talghändler und Mitglied der Londoner Metzgerzunft.

Die Kindheit war von Katastrophen überschattet. 1665 erlebte der Junge die Große Pest von London, der ein Fünftel der Bevölkerung zum Opfer fiel. 1666 zerstörte der Große Brand vier Fünftel der City of London, das Haus der Familie blieb jedoch verschont. 1667 drangen niederländische Schiffe über die Themsemündung in den Medway ein und vernichteten dort einen großen Teil der englischen Kriegsflotte. Als Daniel etwa zehn Jahre alt war, starb seine Mutter Annie.

Erzogen wurde er presbyterianisch. Auf Wunsch seines Vaters sollte er Geistlicher werden und besuchte dafür die Akademie in Newington. Stattdessen entschied er sich für eine kaufmännische Laufbahn. 1684 heiratete er Mary Tuffley, die eine stattliche Mitgift von 3.700 Pfund Sterling in die Ehe brachte. Aus der Verbindung gingen acht Kinder hervor, von denen sechs das Erwachsenenalter erreichten.

1685 schloss sich Defoe dem Aufstand des Herzogs von Monmouth gegen Jakob II. an. Nach der Niederlage bei Sedgemoor floh er nach Frankreich, kehrte aber bald nach London zurück. Dort baute er einen Import-Export-Handel mit den englischen Kolonien in Amerika auf. Er handelte mit Wein, Tabak und Lebensmitteln und reiste durch Frankreich, Holland, Italien und Spanien. Er besaß drei Geschäftshäuser und gehörte einer Londoner Zunftinnung an. Wirtschaftlich blieb der Erfolg jedoch bescheiden, denn sein eigentliches Interesse galt der Bibliothek und dem Schreiben. Während des Krieges zwischen England und Frankreich verlor er mehrere Schiffsladungen. 1692 musste er mit der für die Zeit gewaltigen Summe von 17.000 Pfund Bankrott anmelden. Durch öffentliche Dienste und die Gründung eines Ziegeleiwerks erholte er sich finanziell wieder.

Der Bankrott wurde zur Zäsur. Fünf Jahre lang beschäftigte sich Defoe intensiv mit politischen und wirtschaftlichen Fragen. 1697 erschien sein Essay upon Projects mit zahlreichen Vorschlägen zur Hebung des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens der Nation. Der Durchbruch kam 1701 mit dem satirischen Gedicht The True-Born Englishman. Es erlebte in vier Jahren 21 Auflagen, darunter zwölf Raubdrucke. Aus diesem Erfolg heraus fügte er seinem Namen das adelige "De" hinzu. Ein Jahr später griff er in dem anonymen Traktat The Shortest Way with the Dissenters die anglikanische Kirche scharf an. Als seine Verfasserschaft bekannt wurde, kam er 1703 wegen aufrührerischer Schmähschrift auf unbestimmte Zeit ins Gefängnis und wurde an den Pranger gestellt. Im November desselben Jahres erwirkte Robert Harley, der Sprecher des Unterhauses, seine Freilassung.

Haft und Geldstrafe hatten ihn erneut ruiniert. Defoe wandte sich daher dem Journalismus zu. Von 1704 bis 1713 gab er im Auftrag Harleys dreimal wöchentlich die Zeitschrift "The Review" heraus, die er weitgehend selbst schrieb. Er setzte sich darin für die Union mit Schottland ein, die 1707 zustande kam. 1709 verfasste er eine History of the Union. So etablierte er sich als versierter wirtschaftspolitischer Journalist.

Erst 1719, im Alter von wohl 59 Jahren, veröffentlichte er seinen ersten Roman, The Life and Strange Surprizing Adventures of Robinson Crusoe. Der Roman machte ihn schlagartig berühmt. Es folgten Memoirs of a Cavalier und Kapitän Singleton (beide 1720), Moll Flanders und A Journal of the Plague Year (beide 1722), Colonel Jack (1722), Lady Roxana (1724), A tour thro' the whole island of Great Britain (1724–1727), A General History of the Most Notorious Pyrates (1724–1728) und The Complete English Tradesman (1725–1727). Defoe starb am 24. April 1731 in London. Auch hier weichen die Quellen ab: Wikidata nennt als Sterbeort genauer Moorfields, die DNB nur London. Sein Grab fand er auf dem Friedhof Bunhill Fields.


Literarische Merkmale

Defoes Romane brachen mit den literarischen Konventionen ihrer Zeit. Neu an Robinson Crusoe war die mit Faktenwissen durchsetzte Darstellung. Neu war auch der journalistische Ton, der sich auf die fiktiven Tagebücher der Hauptfigur stützte. Die historische Vorlage, der Seemann Alexander Selkirk, konnte nach über vier Jahren Einsamkeit kaum noch verständlich sprechen. Defoes Robinson bleibt dagegen auch nach 28 Jahren sprachlich und geistig in Hochform. Das belegt, dass es Defoe nicht um dokumentarische Treue ging, sondern um die literarische Konstruktion einer glaubwürdigen Wirklichkeit.

Charakteristisch ist die Verbindung von Abenteuer und genauer Schilderung des Alltäglichen. Die ausführlichen Kapitel über Handwerk und Arbeit und das chronologisch angelegte Tagebuch verknüpfen Kunst und praktisches Tun. Auch in den späteren Romanen über Moll Flanders, Colonel Jack oder Lady Roxana wählt Defoe die Form der fingierten Lebensbeschreibung und lässt seine Figuren selbst erzählen.

Inhaltlich tragen seine Romane starke Züge seines presbyterianischen Glaubens. Moll Flanders erzählt die Geschichte einer Londoner Prostituierten, die sich am Ende bekehrt. Darin scheint Defoes Vertrauen in Prädestination und göttliche Vorsehung durch. Gezeigt wird das unglückliche Schicksal derer, die vom rechten Pfad der Tugend abweichen. Sein schriftstellerisches Werk ist durchweg stark autobiographisch gefärbt.


Rezeption

Der Roman Robinson Crusoe wurde Defoes mit Abstand erfolgreichstes Buch. Ihm selbst brachte er aber nur 50 Pfund und eine geringe Beteiligung an weiteren Auflagen ein. Sein Verleger konnte sich vom Erlös einen neuen Laden kaufen und hinterließ 50.000 Pfund. Der Roman löste eine eigene Tradition aus, die bis in die Gegenwart reicht. Schon im 18. und 19. Jahrhundert entstanden in England zahlreiche gekürzte Ausgaben. Erhard Dahl hat sie in seiner Studie über die Druck-, Verlags- und Lesergeschichte der Jahre 1719 bis 1819 untersucht. In Deutschland wurde der Stoff vor allem als Jugendbuch wirksam. Elke Liebs hat in Die pädagogische Insel die Rezeption in deutschen Jugendbearbeitungen nachgezeichnet. Angelika Reinhard beschrieb die Verwandlung Crusoes vom literarischen zum pädagogischen Helden in den Adaptionen von Campe und Forster. Stefan Bittner verfolgte unter dem Stichwort "Schulrobinson" die Wege des Stoffes von Rousseau bis in die Schulpraxis der Gegenwart.

Defoe selbst war zu Lebzeiten beim Lesepublikum durch seine offene und kritische Art beliebt. Sein politisches und religiöses Engagement zielte darauf, die politische und religiöse Freiheit in England zu stärken. Der Wert seiner publizistischen Schriften, einschließlich der Flugblätter rund 250 Werke, wird erst in jüngerer Zeit voll erkannt. Eine eigentümliche Nachwirkung zeigt die Pflege seines Grabes auf dem Bunhill-Fields-Friedhof. Noch Jahre nach dem Tod aller Verwandten kümmerten sich Unbekannte um die Stätte. Man vermutet in ihnen die ersten Anhänger einer englischen Arbeiterbewegung.

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