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Werkseintrag · Das Beil von Wandsbek
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Das Beil von Wandsbek
1947
– Werkseintrag –

Das Beil von Wandsbek

1947 · Roman

Ein Hamburger Schlachtermeister in Geldnot nimmt einen Auftrag an, der ihm zweitausend Mark einbringt – und sein Leben aus den Fugen reißt.

Überblick

Der Roman Das Beil von Wandsbek gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Werken über den Alltag im Nationalsozialismus. Arnold Zweig lebte im schwedischen und später im palästinensischen Exil. Er erzählt die Geschichte eines kleinen Hamburger Schlachtermeisters, der zum Henker wird und an dieser Tat zugrunde geht. Eine erste hebräische Ausgabe erschien 1943 im Verlag Sifrijjat Poʿalim. Die deutsche Erstausgabe folgte 1947 in Max Taus Neuem Verlag in Stockholm. Das Buch verbindet ein eng beobachtetes Hamburger Milieu mit einer scharfen moralischen Analyse des NS-Regimes. Es zählt zu den großen Exilromanen der deutschen Literatur.

Inhalt (ohne Spoiler)

Der Schauplatz ist Hamburg-Wandsbek in den späten dreißiger Jahren. Der Schlachtermeister Albert Teetjen hat seinen Laden vom Vater übernommen. Doch die Warenhäuser machen ihm das Leben schwer, die Schulden wachsen, die Kundschaft bleibt aus. Auf Drängen seiner Frau Stine wendet er sich an einen alten Kriegskameraden, den inzwischen wohlhabenden Reeder Footh, der im Hamburger Senat sitzt. Footh vermittelt ihm einen Auftrag, der die Schulden mit einem Schlag tilgen könnte: ein Honorar von zweitausend Mark dafür, dass Teetjen im Gefängnis Fuhlsbüttel den erkrankten Henker vertritt und vier politische Häftlinge enthauptet.

Teetjen schwankt zwischen wirtschaftlicher Not und der Aussicht auf die Rettung seines Geschäfts. In einem zweiten Erzählstrang führt der Roman in ein ganz anderes Hamburger Milieu. Dort begegnen wir der Ärztin Käthe Neumeier, die mit einem der zum Tode Verurteilten einst befreundet war. Und dort steht der verwitwete Gefängnisdirektor Heinrich Koldewey, ein Nietzsche-Verehrer, der seine Stellung mehr aus Pflicht als aus Überzeugung versieht. Aus diesen beiden Strängen entwickelt Zweig ein dichtes Bild des Hamburger Bürgertums, der Nachbarschaften, der SS-Kameraden und der inneren Widersprüche eines Landes, in dem die Politik bis in die Hinterhöfe und Ladentheken hineingreift.

Die Handlung im Detail

Albert Teetjen, Schlachtermeister in Hamburg-Wandsbek, steht vor dem Ruin. Die Warenhäuser drücken die Preise, die Stammkundschaft schwindet, Schulden türmen sich auf. Seine Frau Stine drängt ihn, den alten Kriegskameraden Footh aufzusuchen, der es zum Reeder und Senatsmitglied gebracht hat. Footh weiß Rat: Im Gefängnis Fuhlsbüttel ist der Scharfrichter erkrankt, vier politische Häftlinge sollen mit dem Beil hingerichtet werden, ein Vertreter wird gesucht – Honorar zweitausend Mark. Teetjen nimmt an und führt die Enthauptungen aus.

Mit dem Blutgeld halten sich die Teetjens eine Weile über Wasser; eine Annonce belebt das Geschäft sogar wieder. Doch Albert hat die Herkunft des Geldes verschwiegen, und als die Nachricht durch die Ärztin Käthe Neumeier ins Viertel sickert, bleibt die Kundschaft aus. Die Nachbarn boykottieren den Schlachter. Auch seine SS-Kameraden helfen nicht, sondern verlangen einen großzügigen Anteil am Honorar. Footh, der einstige Kamerad, ist nicht mehr zu sprechen; ein Sekretär vertröstet Albert.

Stine zerbricht an den Gewissensbissen und der ausweglosen Lage und erhängt sich im Wohnzimmer. Albert begegnet währenddessen einem jüdischen Emigranten, der ihm aus Mitgefühl einen Scheck über 210 Mark ausstellt, mit dem die dringendsten Mietschulden beglichen werden könnten. Hoffnungsvoll kehrt er heim und findet seine Frau tot. Er erschießt sich mit seiner Pistole. Kurz vor dem Tod bereut er, sich mit den Nazis eingelassen zu haben, statt sich solidarisch zur Arbeiterklasse zu halten.

Parallel dazu entwickeln sich die Wege zweier weiterer Hauptfiguren. Die Ärztin Käthe Neumeier war in ihrer Jugend mit einem der vier Hingerichteten befreundet, hatte sich später jedoch ideologisch den Nationalsozialisten angenähert. Aus dem Nachlass eines anderen Enthaupteten erhält sie eine Schrift Sigmund Freuds – die Psychoanalytischen Bemerkungen zu einem autobiographisch beschriebenen Fall von Paranoia. Sie zieht daraus Parallelen zu Hitler und beginnt umzudenken. Über den Gefängnisdirektor Heinrich Koldewey, einen Verehrer Nietzsches, der nur zwangsweise der Gestapo angehört und dem Regime innerlich fernsteht, kann sie die Hinrichtung aus der Ferne beobachten. Sie erfährt, dass Teetjen der Henker war, und gibt diese Information weiter – sie ist es, die den Boykott auslöst.

Neumeier und Koldewey planen mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter ein Attentat auf Hitler, lassen die Pläne aber fallen, als innerhalb der Wehrmacht Säuberungen einsetzen. Sie bleiben einander verbunden und heiraten. Koldewey wird im Nachgang des Attentats vom 20. Juli 1944 hingerichtet. Eine seiner Töchter, Ingeborg, muss sich nach dem Krieg in den Ravensbrück-Prozessen wegen Menschenversuchen verantworten.

Stil

Zweig erzählt in mehreren parallelen Handlungssträngen, die sich gegenseitig kommentieren: auf der einen Seite das kleinbürgerliche Hamburger Schlachtermilieu, auf der anderen das gebildete Bürgertum von Ärztin und Gefängnisdirektor. So entsteht ein vielstimmiges Gesellschaftsbild. Politische Schuld lässt sich darin nicht an einer Figur festmachen, sondern zieht sich durch alle Schichten. Der Roman zeichnet seine Figuren bis ins Innere nach. Er lässt sie zweifeln, sich rechtfertigen und umdenken. Das gilt für den einfachen Handwerker ebenso wie für die intellektuellen Nebenfiguren. Eingelassen sind Verweise auf Freud und Nietzsche. Sie dienen nicht als Zitat-Schmuck, sondern helfen den Figuren beim Nachdenken über ihre Lage. Die Sprache hält sich an den Tonfall der jeweiligen Milieus. Das norddeutsche Idiom der Wandsbeker Nachbarschaft steht neben dem gehobenen Ton des Hamburger Bürgertums.

Rezeption

Der Roman erschien 1943 zunächst auf Hebräisch in Tel Aviv. 1947 kam er in deutscher Sprache in Max Taus Neuem Verlag in Stockholm heraus. Das ist ein typischer Weg eines Exilbuchs, das erst nach dem Krieg in der eigenen Sprache zu seinem deutschsprachigen Publikum fand. In der DDR wurde Das Beil von Wandsbek rasch zu einem festen Bestandteil des literarischen Kanons. Die Verfilmung durch Falk Harnack 1951 trug zur breiten Bekanntheit bei. Bis heute gilt der Roman als eines der wichtigsten Werke Arnold Zweigs nach Der Streit um den Sergeanten Grischa. Er ist ein bedeutender Beitrag der deutschsprachigen Exilliteratur zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus.

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