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Werkseintrag · The Prelude
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Cover The Prelude
The Prelude
– Werkseintrag –

The Prelude

· Epik

Eine geistige Lebensreise in Blankversen – Wordsworth folgt den Spuren der eigenen Erinnerung von der Kindheit im Lake District bis zur Reife des Dichters.

Überblick

Das lange autobiografische Versepos The Prelude gilt als das innerste Hauptwerk William Wordsworths. Es zählt zu den Grundsteinen der englischen Romantik. In rund 8.500 reimlosen Blankversen erzählt der Dichter die Entwicklung seiner eigenen Seele – von den Kindheitserlebnissen im englischen Lake District über die Studienzeit in Cambridge bis zu den begeisterten und ernüchternden Jahren in Frankreich und London. Wordsworth begann das Werk mit 28 Jahren. Er arbeitete sein Leben lang daran und veröffentlichte es nie. Erst drei Monate nach seinem Tod 1850 erschien es unter dem Titel, den ihm seine Frau Mary gegeben hatte. Ursprünglich war es als Vorspiel zu einem groß angelegten philosophischen Gedicht mit dem Titel The Recluse geplant, das er nie vollendete.

Inhalt (ohne Spoiler)

Ein Mann tritt aus den Mauern Londons hinaus, atmet den Herbstwind und macht sich auf den Weg zurück in die Landschaft seiner Kindheit, das nordenglische Lake District. Aus dieser Heimkehr entfaltet sich eine Reise in die eigene Erinnerung. Der Erzähler folgt seiner Spur als kleiner Junge, der in den Bergen, an den Seen und in den Wäldern aufwächst. Er geht über die Schuljahre in Hawkshead, die Studienzeit in Cambridge und die Sommerferien daheim bis zu jungen Mannesjahren, die ihn in die Großstädte und auf den Kontinent führen.

Im Mittelpunkt steht nicht eine äußere Handlung, sondern die Frage, welche Kräfte einen Menschen zum Dichter machen. Wordsworth sucht nach jenen besonderen Augenblicken, die er „spots of time" nennt. Das sind Momente, in denen Landschaft, Stille oder Furcht so tief einprägen, dass sie das ganze spätere Leben mitformen. Eine nächtliche Bootsfahrt auf einem dunklen See, das Spiel auf dem Eis, Wanderungen über das Hochmoor, die Begegnung mit einem kranken Soldaten am Wegrand: aus solchen Bildern baut das Werk seinen inneren Lebenslauf. Spätere Bücher führen den jungen Mann nach Frankreich, mitten in eine Zeit großer politischer Hoffnungen. Sie führen zur Frage, wie ein Mensch sein Gleichgewicht wiederfinden kann, wenn ihn die Welt und die eigenen Ideale enttäuschen.

Die Handlung im Detail

Das Gedicht setzt mit einer äußeren Reise ein: Der Dichter verlässt London, das er als ein Haus der Gefangenschaft empfunden hat, begrüßt den Wind als Boten besserer Zeiten und wendet sich heimwärts in das Tal von Grasmere. Von dieser Schwelle aus blickt er zurück. In Rückblenden beschreibt das erste Buch die Kindheit im Lake District, das Aufwachsen in einer fast tierischen Sinnenfreude und jene prägenden Augenblicke, die ihn zum Dichter machen werden. Berühmt ist die Episode, in der er als Junge nachts heimlich ein Boot losbindet und auf den See hinausrudert; je weiter er hinausfährt, desto höher und drohender wächst ein Berg vor ihm auf, „wie ein lebendiges Wesen", als wolle die Natur den kleinen Dieb bestrafen. Das Bild bleibt für immer in ihm.

Das zweite Buch führt die Schulzeit fort. Vom Unterricht in der Lateinschule von Hawkshead spricht der Dichter kaum; was ihn formt, sind die Streifzüge in der Natur, die sommerlichen Bootsrennen der Kinder auf dem See, die ersten Erfahrungen von Ruhe, Einsamkeit und innerer Kraft. Allmählich verfeinern sich seine Freuden, die Aufmerksamkeit für Landschaft und Stimmung wächst.

Im dritten Buch geht der junge Mann nach Cambridge. Er nimmt teil an Vorlesungen, kennt die Examensangst und sorgt sich gelegentlich um seine berufliche Zukunft, doch der akademische Ehrgeiz bleibt ihm fremd. Er zieht sich aufs Land zurück, denkt über das Bildungswesen nach, das er in der Renaissance besser aufgehoben sah, und empfindet die acht Universitätsmonate mit ihrem Wettstreit und ihrer drückenden Atmosphäre als ungesund gegen das einfache Leben draußen. Trotzdem versteht er die Zeit als Übergang von der einsamen Jugend in die Welt der Erwachsenen.

Das vierte Buch erzählt von der Sommerheimkehr. Der Dichter wandert über die Heide, steigt einen Felsvorsprung hinauf, um den Windermere-See zu überschauen, den er wegen seiner langen, schmalen Form mit einem Fluss vergleicht, und ist endlich glücklich. Er besucht seine alte Wirtin, begrüßt frühere Nachbarn und ehemalige Mitschüler und ist sich nicht sicher, ob er stolz oder verlegen sein soll, weil er hier nun als Gentleman aus Cambridge auftritt. Auf einer herbstlichen Wanderung trifft er einen kranken, geschwächten Soldaten, der in den Tropen gedient hat; er geleitet den Mann zu einer Hütte, beeindruckt von dessen vollständigem Vertrauen auf den Himmel.

Das fünfte Buch ist den Büchern gewidmet. An einem Sommertag sitzt der Dichter in einer felsigen Bucht am Meer, liest im Don Quijote, schlummert ein und hat einen lebhaften Traum darüber, wie vergeblich es ist, durch Kunstwerke unsterblich werden zu wollen. Von hier aus führt das Gedicht weiter durch die jungen Mannesjahre, durch die Alpenüberquerung im sechsten Buch und die Erfahrungen in der Stadt, und nimmt mit den sogenannten „Revolutionsbüchern" die Erlebnisse in Frankreich und London auf, wo der junge Dichter von den Idealen der Französischen Revolution glüht. Aus dieser Begeisterung und ihrer späteren Enttäuschung wächst eine seelische Krise, von der er sich allmählich erholt, indem er zur Natur und zur Erinnerung an die Kindheit zurückfindet. Die letzten Bücher sind eher gedanklicher Art und arbeiten an einer Philosophie der Kunst; den Höhepunkt bildet im Schlussteil die Besteigung des Snowdon, bei der die äußere Bergbesteigung in das Bild einer inneren, geistigen Reise umschlägt. Am Ende steht der Dichter dort, wo das Gedicht begann – bei dem Gefühl, dass seine prägenden Jahre vollendet sind und seine dichterischen Kräfte reif sind für ein großes Werk.

Stil

Wordsworth schrieb The Prelude in reimlosen fünfhebigen Jamben, dem Blankvers. Vor ihm hatte diese Form vor allem John Milton im großen Epos verwendet; Milton wird im ersten Buch ausdrücklich genannt. Strophen kennt das Gedicht nicht. Jedes der dreizehn Bücher (in der Fassung von 1850 vierzehn) liest sich als eine einzige, ununterbrochene Rede. Charakteristisch ist das durchlaufende Enjambement: Die Sätze tragen über die Versgrenze hinweg, sodass ein treibender, beinahe sprechender Rhythmus entsteht.

Im Aufbau lassen sich drei aufeinanderfolgende Teile unterscheiden. Die Bücher eins bis sieben entwerfen ein phantasievolles Bild von Kindheit und Studienzeit; das achte Buch wirkt wie eine Wiederaufnahme. Die folgenden „Revolutionsbücher" schildern in erzählerischerem Ton die Erlebnisse in Frankreich und London. Die Schlussbücher sind überwiegend metaphysisch gestimmt und versuchen eine Kunstphilosophie zu fassen. Jeder der drei Abschnitte entspricht zugleich einer Stufe in Wordsworths eigener Entwicklung – der intuitiven Nähe zur Natur, der Begeisterung für die Freiheitsideale und dem späteren, ruhigeren Glauben.

Tragendes Bild ist die Reise. Die wirklichen Wege durch die englische Landschaft, die Alpenüberquerung und die Besteigung des Snowdon werden zum Gleichnis einer geistigen Reise, einer Suche im eigenen Gedächtnis. In der Naturschilderung erscheint die belebte Welt selbst als lebendiges Wesen. Forscher haben dafür den Ausdruck „natürlicher Pantheismus" gebraucht. In Wordsworths Worten leben alle Wesen in Gott und sind in Gott und Natur als ein einziges großes Ganzes aufgehoben – ein Gedanke, der bei seinem Freund Coleridge philosophische Nahrung in der Schule Spinozas fand.

Rezeption

Das Werk The Prelude wurde zu Lebzeiten Wordsworths nicht veröffentlicht. Über vier Jahrzehnte arbeitete der Dichter an seinem Text weiter, ohne ihm einen Titel zu geben. In Briefen an seine Schwester Dorothy sprach er schlicht vom „Gedicht über das Wachstum meines eigenen Geistes". Erst drei Monate nach seinem Tod im Jahr 1850 erschien das Werk unter dem Titel, den seine Frau Mary ihm gegeben hatte, und gelangte so an die Öffentlichkeit.

Schon die Entstehungsgeschichte sorgt für eine Besonderheit der Wirkung: Es liegen mehrere Fassungen vor, und in der Forschung gilt heute die Version von 1805 in dreizehn Büchern als die literarisch eindrucksvollste. Mit ihrer Verbindung aus persönlicher Lebensgeschichte und epischem Anspruch wurde The Prelude zu einem der Grundtexte der englischen Romantik. Wordsworth wählt nicht, wie Milton im Verlorenen Paradies, Gottes Schöpfung und den Sündenfall zum würdigen Gegenstand eines Epos, sondern den eigenen Geist und die eigene Einbildungskraft. Diese Verschiebung hat in der Folge zahllosen Dichtern den Weg geöffnet, das eigene Innere als Stoff großer Dichtung zu nehmen.

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