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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · The Excursion
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Cover The Excursion
The Excursion
1814
– Werkseintrag –

The Excursion

1814 · Epik

Drei Wanderer streiten in einer Berglandschaft über Glaube, Verlust und die Frage, ob das Leben trotz allem Hoffnung verdient.

Überblick

Bei dem Werk The Excursion handelt es sich um ein langes Versgedicht des englischen Romantikers William Wordsworth, das 1814 zum ersten Mal erschien. Der vollständige Titel weist es als Teil eines größeren, nie vollendeten Vorhabens aus: The Recluse. Wordsworth entwarf The Recluse als dreiteiliges Werk; The Prelude, sein anderes großes Versgedicht, schrieb er als einleitende Vorbereitung dazu, nicht als eigentlichen Teil. The Excursion war als zweiter der drei geplanten Teile des eigentlichen Hauptwerks gedacht. Das Gedicht ist als Gespräch angelegt: Mehrere sinnbildliche Figuren treffen aufeinander und versuchen jeweils, die anderen für ihre eigene Sicht auf das Leben zu gewinnen.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht eine Wanderung durch eine ländliche Berglandschaft. Ein Dichter, aus dessen Sicht erzählt wird, begleitet einen Mann, der schlicht der Wanderer genannt wird. Obwohl sein Name etwas anderes vermuten lässt, hat dieser Wanderer einen festen Wohnsitz; doch immer wieder zieht es ihn hinaus auf die Straßen und Pfade, vor allem in den warmen Sommermonaten.

Auf ihrem Weg begegnen die beiden einem Mann, der sich aus der Welt zurückgezogen hat: dem Einsamen. Der Tod seiner Frau und seiner Kinder sowie seine Enttäuschung über den Verlauf der Französischen Revolution haben ihn verbittert. Er will keine Verbindung mehr zu einer Gesellschaft, die ihm so viel Schmerz gebracht hat. In seiner ärmlichen Behausung findet sich als einziges Buch ein Roman von Voltaire.

Zwischen dem hoffnungsvollen Wanderer und dem niedergeschlagenen Einsamen entspinnt sich ein langes Gespräch über Glaube und menschliche Tugend. Später stößt eine weitere Figur hinzu, ein Landpfarrer. Das Werk lebt nicht von äußerer Handlung, sondern von diesem Ringen der Stimmen um die richtige Haltung zum Dasein.

Die Handlung im Detail

Das Gedicht ist in neun Bücher gegliedert, deren Überschriften den Gang des Werkes vorzeichnen: „Der Wanderer", „Der Einsame", „Niedergeschlagenheit", „Berichtigte Niedergeschlagenheit", „Der Pfarrer", „Der Friedhof zwischen den Bergen" (in zwei Teilen), „Das Pfarrhaus" und schließlich die abschließende Rede des Wanderers.

Die ersten beiden Bücher führen die Hauptfiguren ein. Zuerst lernt der Leser den Wanderer kennen, dann den Einsamen, dessen Lebensgeschichte von Verlust und Verbitterung geprägt ist. Das dritte und vierte Buch bilden den gedanklichen Kern: Hier streiten Wanderer und Einsamer über die Wahrheit der Religion und über die Tugend der Menschheit. Der Einsame gibt sich seiner Niedergeschlagenheit hin, während der Wanderer ihm Trost und eine andere Sicht entgegensetzt. Im vierten Buch, „Berichtigte Niedergeschlagenheit", versucht der Wanderer, die Verzweiflung des Einsamen zu überwinden.

Das fünfte bis achte Buch führen den Landpfarrer ein. Diese Bücher bestehen größtenteils darin, dass der Pfarrer die Lebensgeschichten vieler Dorfbewohner erzählt, die auf dem Friedhof des Ortes begraben liegen. Anhand dieser Schicksale entfaltet sich ein Bild menschlichen Lebens in Freud und Leid.

In den letzten beiden Büchern ziehen alle genannten Figuren weiter zum Pfarrhaus. Dort werden sie der Familie des Pfarrers vorgestellt. Am Ende trennen sich ihre Wege wieder.

Stil

Angelegt ist das Werk als langes, fortlaufendes Versgedicht. Sein Aufbau folgt einem klaren Plan: neun Bücher, die nacheinander die Figuren einführen, ihr Streitgespräch entfalten und es schließlich zu einem Ausklang führen. Die Figuren sind weniger lebensechte Einzelmenschen als vielmehr Sinnbilder bestimmter Lebenshaltungen – der hoffnungsvolle Wanderer, der verzweifelte Einsame, der gläubige Pfarrer, der beobachtende Dichter. Schon ihre Namen verraten, wofür sie stehen.

Bestimmend ist die Form des Gesprächs. Statt einer fortschreitenden Handlung treten lange Reden und Wechselreden, in denen jede Figur die anderen für ihre Weltsicht zu gewinnen sucht. So wird das Gedicht zu einem Wettstreit der Stimmen über Glaube, Tugend und den Umgang mit Leid und Verlust.

Rezeption

Aufgenommen wurde das Gedicht in einer für Wordsworth schwierigen Zeit. Sein einstiger Weggefährte Samuel Taylor Coleridge hatte gehofft, Wordsworth werde ein Werk schaffen, das die Engländer aus ihrer geistigen Erstarrung reiße. Wordsworth schrieb stattdessen The Excursion. Er bat Coleridge brieflich dringend um Anmerkungen zu seinen Entwürfen, erhielt aber kaum Antwort. Als Coleridge das fertige Werk schließlich las, lobte er es nur zurückhaltend und tadelte es zugleich – und das ausgerechnet aus denselben Gründen, aus denen er The Prelude gerühmt hatte. Wordsworth blieb über diesen widersprüchlichen Tadel ratlos zurück. Die Freundschaft der beiden überstand das Jahrzehnt kaum.

Auch wirtschaftlich wurde das Werk zur Last. Wordsworth fand nur schwer einen Verleger und musste ein Drittel der Druckkosten selbst tragen. So setzte er den Preis auf 33 Pfund fest, was das Buch zu einem der teuersten machte, die bis dahin in englischer Sprache gedruckt worden waren. Die Verkaufszahlen blieben gering; zahlreiche unverkaufte Exemplare wurden später eingestampft und verbrannt.

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