1956
The Poor Christ of Bomba
Überblick↑
Der Roman Le Pauvre Christ de Bomba des kamerunischen Schriftstellers Mongo Beti erschien 1956. Erzählt werden die Missgeschicke des Hochwürdigen Pater Superior Drumont, eines Missionars in Kamerun, der in den 1930er Jahren in Bomba stationiert ist. Mongo Beti zeigt daran, wie wenig sich Missionare und afrikanische Bevölkerung verstehen und wie zwiespältig ihr Verhältnis ist. Im Hintergrund entsteht ein kritisches Bild des französischen Kolonialafrika kurz vor der Unabhängigkeit. Kolonisierung und Entkolonisierung, Missionierung und religiöse Fragen sind die großen Themen des Buches.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Osten Kameruns ist ein Missionar auf Rundreise unterwegs. Pater Superior Drumont will die Bewohner der Gegend um Bomba, wo seine Mission liegt, zum Christentum bekehren und auf den Weg Gottes führen. Dafür beschließt er, die benachbarte Landschaft Tala aufzusuchen und dort zu predigen. Begleitet wird er von seinem Koch Zacharie und seinem Hausburschen Denis. Denis ist es, der die ganze Reise erzählt.
Für einige Tage lässt der Pater seine Mission zurück und mit ihr die angeschlossene sixa, jene Einrichtung, in der Frauen vor ihrer Heirat leben und arbeiten. Die Menschen in Tala sind keine Christen und leben nach ihren überlieferten Regeln. Vielweiberei, Sexualität und außereheliche Beziehungen gelten ihnen nicht als Sünde. Sie stellen dem Pater Fragen, die an die Grundlagen des Daseins rühren.
Manche dieser Fragen kann Drumont nicht beantworten. Nach und nach schwinden seine Autorität und seine eigene Überzeugung, und seine Predigten geraten ins Wanken. Zugleich zeigt sich, wie es um die Frömmigkeit derer bestellt ist, die ihm am nächsten stehen. Der junge Denis bewundert den Pater und entdeckt doch zugleich die von der Religion verbotenen Freuden. Und der verheiratete Koch Zacharie treibt es mit einer Frau aus der sixa, in der Hütte gleich neben jener des Paters.
Die Handlung im Detail↑
Pater Superior Drumont bricht von seiner Mission in Bomba auf, um die Menschen der Nachbarlandschaft Tala zu bekehren. Mit ihm reisen sein Koch Zacharie und sein Hausbursche Denis, der zugleich alles erzählt, was unterwegs geschieht. Die Mission und die angeschlossene sixa, in der die Frauen vor ihrer Heirat untergebracht sind, bleiben für einige Tage zurück.
In Tala trifft der Pater auf Menschen, die nach ihren eigenen Überlieferungen leben. Vielweiberei und außereheliche Beziehungen sind für sie keine Sünden. Sie fragen ihn nach dem Sinn des Lebens und nach den Grundlagen seines Glaubens. Auf manches weiß er keine Antwort. Damit beginnt sein Ansehen zu bröckeln, und auch seine eigenen Überzeugungen geraten ins Rutschen. Seine Predigten werden offen in Frage gestellt.
Die Rundreise endet als Misserfolg. Drumont muss erkennen, dass es auch um den Glauben seiner eigenen Leute schlecht bestellt ist. Denis bewundert ihn, kostet aber zugleich die verbotenen Freuden aus. Zacharie, obwohl verheiratet, hat in der Nachbarhütte ein Verhältnis mit einer Frau aus der sixa. Und die Menschen in Tala sind viel stärker mit ihren Überlieferungen beschäftigt als mit dem Wort Gottes. Christianisieren lassen wollen sie sich nicht wirklich; für sie führt allein die Tradition zu Gott.
Am Ende der Reise versucht der Pater, die Lage wieder in den Griff zu bekommen. Doch auch in Bomba hat ihn der äußere Schein getrogen. Die Wirklichkeit dort ist eine Katastrophe, seine Mission gescheitert. Die einst große Mission von Bomba liegt in Trümmern: keine Schulen mehr, keine sixa, kein Personal, keine Mission, nichts mehr. All seine Anstrengungen haben nichts gefruchtet, seine Gewissheiten brechen zusammen. Am Schluss des Romans ist Drumont traurig und ernüchtert. Nach zwanzig Jahren in Kamerun zieht er die Bilanz eines Scheiterns und beschließt, in seine Heimat Frankreich zurückzukehren.
Stil↑
Erzählt wird die Geschichte durchgehend aus der Sicht des jungen Hausburschen Denis, der seinen Herrn auf der Reise begleitet. Dieser Blick von unten hält Abstand zum Missionar und lässt den Leser mehr erkennen, als der Erzähler selbst begreift. Der Ton des Buches ist tragikomisch: Das Scheitern des Paters hat komische Züge und wird zugleich ernst genommen. Mongo Beti verbindet darin den Geschichtsroman mit einem Gesellschaftsbild seiner Zeit.
Rezeption↑
Gleich nach seinem Erscheinen 1956 bei Robert Laffont löste der Roman heftigen Streit aus. Die einen sahen darin eine scharfe Satire auf die Missionierung und auf die stille Unterstützung, die die Missionare dem Kolonialismus leisteten. Die anderen fanden, dass die Afrikaner darin in kein gutes Licht gerückt würden.
Das Buch fand Aufmerksamkeit, doch die Verkäufe blieben aus. Robert Laffont wollte den Roman nach der ersten Auflage von 3000 Exemplaren nicht neu herausbringen. Der Verlag trat die Rechte an den Verleger Kraus in Liechtenstein ab, ohne Mongo Beti davon zu unterrichten. Dort erschien 1970 ein Nachdruck. Erst 1976 kam bei Présence Africaine eine neue Ausgabe heraus. Seither zählt der Roman zu den Klassikern der französischsprachigen afrikanischen Literatur.
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